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Rücktritt eines Papstes:Ganz von dieser Welt

Papst Franziskus bei seiner Ankuft auf der Seoul Air Base in Seongnam

(Foto: AFP)

Der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. war kein Ausrutscher, sondern eine historische Wende. Auch sein Nachfolger Franziskus will sein Amt abgeben, wenn seine Kräfte einmal nachlassen. Damit sendet er eine Botschaft, die den Konservativen im Vatikan nicht unbedingt gefällt.

Von Matthias Drobinski

Als Benedikt XVI. am 11. Februar 2013 als erster Papst der Neuzeit zurücktrat, rätselten Kardinäle, Bischöfe, einfache Kirchenmitglieder und Vatikanbeobachter, welche Folge dieser Schritt wohl haben würde, der da die katholische Kirchen zunächst einmal ratlos machte.

Bald war klar: Joseph Ratzinger war nicht aus einem spontanen Frust heraus zurückgetreten. Er hatte seine schwindenden Kräfte ins Verhältnis zur Größe der Probleme seiner Kirche gesetzt und eingesehen, dass er ihnen nicht mehr gewachsen war. Die Entscheidung hatte er sich gut und lange überlegt. Doch was würde sein Nachfolger tun?

Der hat nun, auf dem Rückflug von seiner Reise nach Südkorea, klar gesagt, was er tun möchte: Sollte er eines Tages spüren, dass die Kräfte nachlassen und "dass es nicht mehr weiter geht", dann werde auch er zurücktreten. Sein Vorgänger Benedikt habe da "eine Tür aufgemacht", die "institutionell ist und nicht eine Ausnahme".

Damit ist klar: Der Papstrücktritt des Jahres 2013 ist eine historische Wende, kein Ausrutscher. Dass er ein Ausrutscher bleiben würde, hatten vor allem konservative Kräfte im Vatikan gehofft, dass weiterhin gilt: Ein Papst muss im Amt sterben. Er hat eben keinen Job mit Altergrenze. Hatte nicht auch Papst Johannes Paul II. Krankheit und Leid bis zum Schluss ertragen und war gerade deshalb als Heiliger, als Zeichen Gottes in der Welt verehrt worden? "Christus ist auch nicht vom Kreuz gestiegen", sagte nach Benedikts Rücktritt der Krakauer Kardinal und ehemalige Sekretär Johannes Pauls II., Stanislaw Dziwisz enttäuscht.

Ein Papst, der lacht und den Menschen nahe ist

Doch braucht das Papstamt diese Leidensmystik, diese Stilisierung, dass da im Vatikan einer sitzt, der nicht so ganz von dieser Welt ist, dem Normalsterblichen entrückt? Franziskus sagt: Nein.

Das Kirchenrecht ist da ohnehin auf seiner Seite: Ein Papst darf zurücktreten. Doch vor allem ist dieses Papstbild Franziskus fremd. Er will ein Papst sein, der den Leuten nahe ist, der über seine Neurosen (jeden Tag Mate trinken) spricht und lacht, der an die Ränder geht, wo die Menschen leiden, auf die Flüchtlingsinsel Lampedusa zum Beispiel. Jesus starb am Kreuz, um die Welt zu erlösen, nicht, damit sich andere auch ans Kreuz nageln lassen. Das ist die Botschaft, die Franziskus sendet.

Er könne sich vorstellen, dass emeritierte Päpste, die zurückgezogen im Vatikan leben, zum Normalfall werden, hat Franziskus gesagt. Am Ende gar in der Ex-Papst-WG? Als Gruppe fröhlicher alter Männer, die gemeinsam beten und Fußball gucken und streiten, was es morgen zu essen gibt? Das dürfte die weitere Kirchengeschichte zeigen.

© SZ.de/liv

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