Royals in Deutschland Immer cool bleiben

Die Ankunft des Prinzen von Wales und der Herzogin von Cornwall fällt mitten ins Brexit-Schlamassel. Zum Glück lassen sich Charles und Camilla nicht von der Hysterie anstecken und verbreiten britisches "Keep calm and carry on".

Von Verena Mayer, Berlin

Lässt man die letzten Besuche britischer Royals Revue passieren, fällt auf, wie parallel sie zum Brexit verliefen. Im Jahr 2015, in der Planungsphase des Referendums, erinnerte die Queen bei ihrem Besuch in Deutschland an die Wunden des Krieges und daran, dass Europa den Frieden seiner Einigkeit verdanke. William und Kate kamen 2017 während der Brexit-Verhandlungen und gaben sich beim Rudern, im ICE und in einem Berliner Club als Vertreter einer europäischen Generation, die all die Veränderungen schon cool wuppen würde. "#Freundship" lautete dann auch das instagramtaugliche Motto ihres Besuchs.

Die Ankunft des Prinzen von Wales und der Herzogin von Cornwall am Dienstag in Berlin fällt nun mitten in den Brexit-Schlamassel. Da sind Pragmatismus und Gelassenheit angesagt, mit ihren 70 und 71 sind die beiden auch genau die Richtigen, um viel britisches "Keep calm and carry on" zu verbreiten.

Das Programm der viertägigen Deutschlandreise steht ganz im Zeichen der Krisen, die man schon gemeinsam durchgestanden hat. Charles hat eine Rede vorbereitet, in der er sagt, dass es hoffentlich "auf unserem Kontinent nie wieder zu Spaltungen und Konflikten wie in der Vergangenheit kommt, dass wir gemeinsam eine unentbehrliche Kraft des Guten in unserer Welt bleiben".

Kurzbesuch bei Angela Merkel

Nach einem kurzen Besuch bei Angela Merkel fahren die beiden zum alten Flughafen Tempelhof. Am Platz davor steht ein Denkmal aus Beton, das die Berliner wegen seiner wuchtigen Krümmung nur "Hungerkralle" nennen, das aber für eine historische Krise und die Rettung aus der Luft steht. Für die Flugzeuge der Westalliierten nämlich, die während der Berlin-Blockade hier landeten und die Stadt mit Nahrung versorgten. Charles tritt vor und legt einen Kranz nieder, das Denkmal erinnert auch daran, dass während der Luftbrücke vierzig Soldaten der Royal Air Force starben.

Er tut das mit der Routine eines Royals, der schon mehr als 30 Mal in Deutschland war. In Berlin war Charles schon fast überall, 1995 sogar in einer Plattenbausiedlung in Hellersdorf, wo er nach einem Besuch in "Moni's Friseursalon" mit einer Familie Rotkäppchensekt trank. Was nicht heißt, dass seine Agenda langweilig wäre. Im Gegenteil. Wenig ist derzeit so brandaktuell wie Charles' Interesse für Ökologie und nachhaltige Landwirtschaft.

Dem will auch der britische Botschafter genügen, der am Abend in seiner Residenz die traditionelle Gartenparty zu Ehren der Queen gibt. Weil Charles regionale Bio-Produkte liebt, wird es Kräuter aus einem lokalen Kräuter-Start-up geben, und der Saibling, der "nach Matjesart mit Spreewaldgurken und Wasabi-Kresse" zubereitet wird, stammt von einem Brandenburger Forellenhof. Matthias Engels züchtet die Öko-Fische und wird sich auf dem sorgfältig gestutzten Rasen unter die 600 Gäste aus Wirtschaft und Politik mischen.

Und was wird er dem Prinzen über seine Fische erzählen? "Das weiß ich noch nicht, da lasse ich lieber meine Frau reden."

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