Missbrauchsfall in Lügde SPD fordert Reuls Rücktritt

Herbert Reul (CDU) bei einer Sitzung des Landtages von Nordrhein-Westfalen vergangene Woche.

(Foto: dpa)
  • Die SPD-Fraktion im nordrhein-westfälsischen Landtag fordert den Rücktritt von Innenminister Herbert Reul (CDU).
  • Reul schloss nicht aus, dass noch weiteres Beweismaterial auf dem Campingplatz in Lügde gefunden werden könnte - die Polizei hatte den mutmaßlichen Tatort am 27. März offiziell freigegeben.
  • Reul äußerte sich nicht zu den Rücktrittsforderungen, er ist im Urlaub.

Am Freitag war bekannt geworden, dass bei Abrissarbeiten am mutmaßlichen Tatort des vielfachen Kindesmissbrauchs auf dem Campingplatz von Lügde weitere Datenträger gefunden wurden. Daraufhin forderten der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag, Sven Wolf, und Hartmut Ganzke, der innenpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, nun den Rücktritt von Innenminister Herbert Reul (CDU).

"Innenminister Reul hatte angekündigt, in Lügde werde bei der Aufklärung kein Stein auf dem anderen bleiben. Jetzt muss ein Abrissunternehmen die Arbeit der Polizei übernehmen. Das ist unfassbar", hieß es in einem Pressestatement der SPD-Landtagsfraktion. Reul sei zu einem Sicherheitsrisiko geworden und bei der Aufklärung des Missbrauchsskandals gescheitert. "Der Innenminister muss Verantwortung übernehmen und zurücktreten. Sofort." Die Grünen sehen die Glaubwürdigkeit des Ministers erschüttert. Die innenpolitische Sprecherin Verena Schäffer sagte: "Minister Reul muss der Öffentlichkeit jetzt erklären, warum die Polizei offensichtlich nicht in der Lage war, alle Spuren und Beweismittel am Tatort zu sichern. Er hat die Aufklärung zu seinem Projekt gemacht - daran muss er sich messen lassen."

Reul sieht keine Versäumnisse in der Polizeiarbeit. In der Fernsehsendung "Aktuelle Stunde" im WDR sagte er gestern über die gefundenen Datenträger: "Wenn sie in Hohlräumen versteckt wurden oder dort hineingerutscht sind, kann man sie erst bei Abrissarbeiten finden." Des Weiteren schloss der Innenminister nicht aus, dass sich auf dem Gelände noch weiteres Beweismaterial befinden könnte.

Am Donnerstag hatten die Arbeiter eines Abrissunternehmens weitere Datenträger am mutmaßlichen Tatort des vielfachen Kindesmissbrauches entdeckt. Die drei CDs und zwei Disketten waren nach Auskunft der Polizei Bielefeld im doppelten, fest verbauten Holzboden des Wohnwagens des Hauptbeschuldigten gefunden worden. Die Polizei hatte die Datenträger bei ihren vorherigen Durchsuchungen nicht gefunden. Auf dem Campingplatz in Lügde soll der Hauptverdächtige Andreas V. zusammen mit einem Komplizen jahrelang Kinder missbraucht und gefilmt haben. Der Fund der Datenträger bei Abrissarbeiten ist nicht die erste Ermittlungspanne in diesem Fall: Bereits zuvor waren 155 CDs und DVDs aus der Obhut der Polizei Detmold verschwunden.

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