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Organisiertes Verbrechen:Mehr als 800 Festnahmen nach internationaler Europol-Operation

Computer in einem dunklen Raum

Das FBI und australische Ermittler haben ein von Kriminellen genutztes Kommunikationsnetzwerk gehackt und Millionen verschlüsselter Nachrichten gelesen.

(Foto: PETER DEJONG/AP)

Mit einem Trick sei es Ermittlern gelungen, monatelang die verschlüsselte Kommunikation von Verbrecherbanden weltweit abzuhören, so Europol. In Deutschland wurden mehr als 70 Verdächtige festgenommen.

Internationale Ermittler haben nach Angaben von Europol bei einem Einsatz gegen das organisierte Verbrechen mehr als 800 Verdächtige in 16 Ländern festgenommen. Mehr als 700 Objekte seien durchsucht worden, Tonnen an Drogen beschlagnahmt und große Mengen an Bargeld, Juwelen und Waffen sichergestellt worden, teilte Europol am Dienstag in Den Haag mit.

Mehr als 18 Monate lang hatten die Ermittler Telefongespräche und andere Kommunikation der Banden abgehört. Etwa 27 Millionen Nachrichten seien gefiltert worden.

Der Schlag war demnach gelungen, weil die Polizeibehörden der USA und Australiens verdeckt ein Unternehmen betrieben, das vermeintlich verschlüsselte Geräte vertrieb. So schleusten Undercover-Beamte präparierte Telefone in mehr als 300 Banden ein, auch in Mafia-Banden in Italien, Motorrad-Gangs und internationalen Drogen-Syndikate. Die Telefone, die angeblich verschlüsselt sein sollten, waren aber nach Europol-Angaben mit einem Telekom-Netzwerk verbunden, das vom FBI eingerichtet worden war.

Ermittler in 16 Ländern seien beteiligt gewesen

"Diese Operation namens OTF Greenlight/Trojan Shield ist eine der bislang größten und ausgeklügeltsten Strafverfolgungsoperationen im Kampf gegen verschlüsselte kriminelle Aktivitäten", schreibt Europol. Die Operation "Trojan Shield" stand demnach unter Leitung des amerikanischen FBI, der US-Drogenbehörde FDA, der Polizei von Schweden und der Niederlande und war von Europol koordiniert worden. Ermittler in 16 Ländern seien beteiligt gewesen, darunter auch in Deutschland.

Mit einer Razzia in mehr als hundert Wohnungen, Lagerhallen und Geschäftsräumen war die Polizei am Montag bundesweit gegen Drogenkriminalität vorgegangen. Bei der Durchsuchung von mehr als 150 Objekten habe es mehr als 70 Festnahmen gegeben, wie verschiedene Behörden am Dienstag bekannt gaben. Die Ermittlungen liefen bereits seit ein paar Jahren, teilten Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, Bundeskriminalamt, das hessische Landeskriminalamt und das Zollfahndungsamt Frankfurt in der gemeinsamen Erklärung mit.

© SZ/rtr/dpa/jsa/berj
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