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Psychologe zum Fall Boetticher:"Ein unglaublich unreifer Mensch"

Was will ein 40-Jähriger von einem Teenager? Seit dem Rücktritt des CDU-Landeschefs von Boetticher in Schleswig-Holstein wird viel über dessen Beziehung zu einer 16-Jährigen diskutiert - politisch, aber auch moralisch. Der Familienpsychologe Wolfgang Hantel-Quitmann über narzisstische Beziehungen auf Augen- beziehungsweise Lendenhöhe.

Was will ein 40-jähriger von einem Teenager? Seit dem Rücktritt des CDU-Politikers Christian von Boetticher diskutieren viele Menschen über dessen Beziehung zu einer 16-Jährigen. Die SZ sprach darüber mit Wolfgang R. Hantel-Quitmann. Er ist Professor für Klinische und Familienpsychologie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg.

Christian von Boetticher tritt zurück

Bewundern und bewundert werden: Christian von Boetticher trat wegen seiner Beziehung zu einer 16-Jährigen zurück.

(Foto: dpa)

Dass angesichts der Affäre so getan werde, als gebe es feste moralische Standards, empfindet Hantel-Quitmann als "scheinheilig", gehe es doch eher um die Frage "warum ein 40-Jähriger, promoviert und politisch erfolgreich, auf die Bewunderung einer 16-Jährigen hereinfällt". Er erklärt das mit dem psychologischen Alter, das nicht immer mit dem biologischen Alter übereinstimme.

Hantel-Quitmann glaubt, dass es in derartigen Beziehungen vor allem um das "Bewundern und das Bewundertwerden" geht: Der sehr viel ältere Mann fühlt sich in seiner Männlichkeit bestärkt, weil er von einer jungen Frau begehrt wird - sie fühlt sich aufgewertet, weil sich ein erfolgreicher Mann für sie interessiert. Die Bewunderungsfassade solcher narzisstischen Beziehungen breche aber bei der ersten Krise zusammen.

Von Boettichers Beteuerung, es sei "schlichtweg Liebe" gewesen, hält der Hamburger Psychologe für eine politisch motivierte Aussage, mit der sich der Politiker aus der Verantwortung ziehen wolle.

Auf die Frage, ob ein Mann mittleren Alters auf Augenhöhe - oder doch eher auf "Lendenhöhe" - mit einem Teenager zusammen sein könne, sagt Hantel-Quitmann: "Wäre er auf Augenhöhe, dann würde das Fragen aufwerfen nach seiner persönlichen Reife. Man müsste unterstellen, dass er zumindest in Liebesdingen ein unglaublich unreifer Mensch ist."

Das Interview mit Wolfgang Hantel-Quitmann lesen Sie in der Süddeutschen Zeitung vom 17.08.2011.

© SZ vom 17.08.2011/liv
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