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Proteste wegen Ferguson:Große Hilfsbereitschaft und viele Spenden in Ferguson

In Ferguson selbst wird am Tag nach Thanksgiving weiter aufgeräumt. Freiwillige haben geholfen, die ausgebrannten und demolierten Geschäfte zu säubern und die Straßen gereinigt. Noch immer haben viele Besitzer ihre Fenster mit Brettern vernagelt - entweder weil sie weitere Ausschreitungen fürchten oder weil die Scheiben zu Bruch gingen. Doch überall auf der South Florissant Road werden die Holzbretter bemalt und mit Sprüchen verziert.

Die 26-jährige Darcy Edwin malt seit drei Tagen eine große Eiche in bunten Farbtönen an die Bretterfassade eines Optikers. "Ich wohne zwei Blocks weiter und habe nach der Gewalt in der Nacht von Montag auf Dienstag mit den Inhabern geredet und gefragt, wie ich helfen kann", sagt sie. Das Bild sei ein Zeichen, dass die Gesellschaft von Ferguson nicht aufgeben werde und trotz all der Wut und der Dauerbeobachtung durch die Medien stärker werden könne.

Während Darcy - gewärmt durch einen Heizstrahler - weitere Blumen malt, halten immer wieder Autofahrer an und rufen "Danke für die Kunst". "Ferguson ist ein schöner, ziemlich langweiliger Vorort", sagt Val. Er leistet seiner Schwägerin Darcy in der Kälte Gesellschaft und glaubt nicht, dass es hier schlimmer oder besser sei als im Rest von Missouri und im Mittleren Westen. Tragischerweise würden regelmäßig junge Schwarze von Polizisten erschossen, doch es sei Zufall, dass der Tod von Michael Brown so großes Aufsehen erzeugt. "Rassismus ist kein Problem von Ferguson allein, sondern eines der amerikanischen Gesellschaft. Wir werden Jahrzehnte brauchen, es zu überwinden", sagt Val. Auch er ist überzeugt, dass die community der Kleinstadt intakt genug ist, um wieder zusammenzufinden.

Viertelmillion Spenden für schwarze Bäckerin

Wie groß die Hilfsbereitschaft in der Gegend rund um Ferguson - und wohl auch im Rest der USA - ist, hat Natalie DuBose erfahren. Die alleinerziehende Mutter zweier Kinder betreibt seit Juni eine kleine Bäckerei in der South Florissant Road (mehr über ihre Geschichte beim St. Louis Post-Dispatch und bei Slate). Seit August war ihr Umsatz bereits zurückgegangen, doch die Afroamerikanerin hatte gehofft, dass die Protestierer ihren Laden im Fall von Ausschreitungen verschonen würden: "Zerstört meinen Laden nicht, ich kann sonst meine Kinder nicht ernähren." Es kam anders: In der Nacht auf Dienstag demolierten drei Teenager die Scheiben von "Natalie's Cakes and More".

Das Foto der weinenden Bäckerin, die kurz den Glauben in ihre Mitbürger verloren hatte, ging um die Welt. Nachbarn boten an, ihr Zutaten zu kaufen, abzuwaschen oder ihr Küchengeräte zu leihen. Am Mittwoch wurden zwei Aufrufe ins Internet gestellt, in denen um Spenden für Natalie DuBose gebeten wurde ( hier nachzulesen). Bis zum Samstagmorgen deutscher Zeit sind bereits mehr als 250 000 Dollar zusammengekommen.

Natalie DuBose

Das Foto der weinenden Bäckerin, die kurz den Glauben in ihre Mitbürger verloren hatte, ging um die Welt.

(Foto: AP)

In der allgemeinen Sorge, die Ferguson noch immer beherrscht, gibt es also Geschichten, die Mut machen. Doch noch immer ist die Lage angespannt und fragil: In der Nacht auf Samstag kam es zu mindestens 15 Festnahmen, nachdem linksradikale Provokateure vor dem Polizeigebäude in Ferguson aufmarschierten und kommunistische Fahnen schwenkten.