Spendenaktion Manche verdienen Millionen, andere werden vom Affen gebissen

Im Film „Pippi in Taka-Tuka-Land“ nimmt es Pippi Langstrumpf (rechts) zusammen mit ihren Freunden Annika und Tommy mit Seeräubern auf.

(Foto: MFA+)

Für die Pippi-Langstrumpf-Darstellerin Inger Nilsson war der Ruhm eher ein Fluch. Sie bekam im Anschluss lange kaum Rollen. Eine Niederländerin sammelt jetzt Geld für sie.

Interview von Regina Steffens

Wer an Pippi Langstrumpf denkt, der hat automatisch das Gesicht von Inger Nilsson vor Augen. Mit ihrer Rolle des eigensinnigen Mädchens aus der Villa Kunterbunt wurde die heute 59-Jährige Ende der 60er-Jahre berühmt - aber nicht reich, im Gegenteil. Der Ruhm war eher ein Fluch, sie bekam keine Rollen mehr, arbeitete lange als Sekretärin in einem Krankenhaus. Als Heleen Bosma und Marjan Tulp aus den Niederlanden das hörten, beschlossen sie, zu helfen und Geld im Internet zu sammeln. Nicht nur für Pippi, sondern auch für deren Freunde aus den Filmen, Tommy und Annika.

SZ: Frau Bosma, wie sind Sie darauf gekommen, dass Pippi, Annika und Tommy Geld brauchen?

Heleen Bosma: In unserer Tageszeitung, dem Algemeen Dagblad, stand ein Artikel über Inger Nilsson. Eine Reporterin hat sie in Schweden besucht und herausgefunden: Die Kinderschauspieler haben so gut wie kein Honorar bekommen, sie hatten keine Verträge, wurden nicht an Filmrechten oder Verkäufen beteiligt. Ich finde, sie hätten Millionen verdient gehabt, wie die Stars aus Harry Potter heute.

Aber so schlimm geht es Pippi, Annika und Tommy nun auch wieder nicht. Inger Nilsson spielt eine Rechtsmedizinerin in einer deutschen Krimiserie. Maria Persson, also Annika, ist als Krankenschwester nach Mallorca ausgewandert und Pär Sundberg alias Tommy hat seine Firma verkauft und lebt in Spanien.

Eigentlich ging es uns hauptsächlich darum, mit dem Crowdfunding einfach Danke zu sagen. Die ganze Welt hatte Spaß an Pippi, nur sie selbst nicht. Im Artikel stand, dass Inger oft Heimweh am Set hatte, dass der Affe "Herr Nilsson" sie gebissen hat. Nach Pippi Langstrumpf hat sie lange keine Rollen bekommen. Das hat mir das Herz gebrochen. Wir dachten, wir bekommen genug Geld zusammen, um den dreien einen Wochenendausflug zu schenken. Aber jetzt sind es schon mehr als 23 000 Euro.

Wie viel davon haben Sie selbst gespendet?

25 Euro kamen von mir, 25 Euro von meiner Mitsammlerin Marjan.

Haben Sie was von Inger Nilsson gehört?

Sie hat uns angerufen! Wir haben eine halbe Stunde telefoniert.

Wie war das?

Ich war sehr, sehr nervös. Sie war gerade bei Dreharbeiten auf der Insel Gotland, wo früher auch Pippi Langstrumpf gedreht wurde. Sie sagte, sie könne ihre Miete schon selbst zahlen. Trotzdem habe sie die Spendensammlung sehr bewegt. Sie liest alle Kommentare, die Fans auf der Spendenplattform im Internet hinterlassen.

Dort schreiben Leute in verschiedenen Sprachen Dinge wie "Danke an meine Kindheitshelden". Gibt es auch Leute, die Pippi und ihren Freunden das Geld nicht gönnen?

Ja, in ein paar Kommentaren hieß es, wir sollten besser Spenden für Obdachlose sammeln. Die Leute, die das schreiben, sollten vielleicht selbst die Initiative ergreifen.

Spielt Pippi Langstrumpf in Ihrem Leben noch eine Rolle?

Indirekt schon, sie hat Marjan und mich wieder zusammengebracht. Vor 20 Jahren haben wir beide bei einem Pferdemagazin gearbeitet. Ich fand Pferde nicht so toll, Marjan schon. Wir haben uns dann aus den Augen verloren. Als der Artikel über Inger Nilsson in unserer Zeitung stand, haben wir beide unabhängig voneinander etwas auf Facebook dazu gepostet - und so kam die Crowdfunding-Idee auf. Letzte Woche haben wir uns bei einem Fernsehauftritt das erste Mal wiedergetroffen.

Wie viel Geld wollen Sie denn eintreiben?

Wir planen keinen bestimmten Betrag. Eine Zeitung hatte die Idee, dass wir die drei Schauspieler zur Geldübergabe treffen sollen. Mal sehen, wie das wird.

Kino "Astrid" ist einer der schönsten Filme des Jahres

Kinofilm über Pippi-Langstrumpf-Autorin

"Astrid" ist einer der schönsten Filme des Jahres

Die Filmbiografie über die junge Astrid Lindgren erzählt, wie eine ungewollte Schwangerschaft die Schriftstellerin und ihr Werk geprägt hat.   Von David Steinitz