Papst-Wahl Eiliges Konklave

Ab Dienstag werden 115 Kardinäle den Nachfolger Benedikts XVI. wählen. Im Vatikan laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: die Kardinäle klüngeln Bündnisse aus, der Schornstein auf der Sixtina wird präpartiert und das Bett für den neuen Papst gemacht. Bereits am Sonntag kommender Woche könnte er sein Amt antreten.

Von Andrea Bachstein und Matthias Drobinski, Rom

Das Warten auf den Termin zur Papstwahl hat ein Ende: Am kommenden Dienstag beginnt das Konklave, auf dem die 115 nach Rom gereisten Kardinäle der katholischen Kirche den Nachfolger des zurückgetretenen deutschen Papstes Benedikt XVI. wählen wollen. Damit machten die Kardinäle Gebrauch von einer Änderung der Papstwahlordnung durch Papst Benedikt, der zufolge das Konklave auch vor dem 15. Tag nach dem Ende des alten Pontifikats beginnen kann, wie es bislang Vorschrift war. Beobachter rechnen mit einem kurzen Konklave - am Sonntag kommender Woche dürfte aller Voraussicht nach der neue Papst feierlich in sein Amt eingeführt werden.

In ihrer siebten Zusammenkunft am späten Freitagnachmittag hat die Generalkongregation der Kardinäle den Termin festgelegt, und so ist zumindest eine der vielen Spekulationen beendet, die in diesen Tagen rund um den Vatikan kursierten. Die Spekulationen, wer nun der neue Papst wird, können natürlich ungebremst weitergehen.

Ein klarer Favorit für das höchste Amt der größten Glaubensgemeinschaft der Welt ist allerdings nach wie vor nicht in Sicht. Italienische Medien berichten von einem Bündnis der italienischen und lateinamerikanischen Kardinäle, das Stimmen für den 63-jährigen brasilianischen Kardinal Odilo Scherer sammeln soll, dessen Vorfahren aus Deutschland kommen. Gute Chancen werden allerdings auch Angelo Scola, dem Mailänder Kardinal, eingeräumt, die Namen der Kandidaten bleiben die gleichen - die Favoriten der Medien wechseln täglich.

Es gibt offensichtlich viel zu bereden in der Weltkirche

Zu den täglich wiederkehrenden Fragen in den 90-minütigen Pressekonferenzen des Vatikans gehört die, worüber die jetzt vollständig versammelten 151 Kardinäle - einschließlich der nicht wahlberechtigten über 80-Jährigen - eigentlich diskutieren. Doch der Schweigeschwur gilt auch für den Vatikansprecher Pater Federico Lombardi, der Zutritt hat zu den Beratungen; so kann er nur Ungefähres sagen: An diesem Freitag zum Beispiel, dass es in der Vormittagssitzung um den interreligiösen Dialog gegangen sei und auch die Rolle der Frau in der Kirche - passend zum Weltfrauentag am 8. März.

Es gibt offensichtlich tatsächlich viel zu bereden in der Weltkirche. Mehr als 100 Kardinäle, sagt Lombardi, hätten seit Montag das Wort ergriffen. Zu den Themen hätten auch Bioethik gehört, die weltliche Justiz, die Frage der Kollegialität der Bischöfe und die "positive Verkündigung" des Evangeliums. Weil sie sich Zeit genommen haben für ihr "Vorkonklave", die täglichen Zusammenkünfte im Gebäude der Audienzhalle, wird damit gerechnet, dass das Konklave selbst nicht länger als zwei oder drei Tage dauern wird.

Unterdessen gehen auch die handfesten Vorarbeiten voran. Den Schornstein, aus dem der weiße Rauch steigen soll, der anzeigt, ob ein Kandidat die Zweitdrittelmehrheit von 77 Stimmen auf sich vereinigen konnte, haben Arbeiter am Freitag begonnen auf dem Dach der Sixtina aufzubauen. Am Montagabend ziehen die Kardinäle um in ihre Unterkunft für die Dauer des Konklave. Auf sie wartet das Domus Santa Marta, das Gästehaus des Vatikans.

Des neuen Papstes Bett ist nicht aus Eisen

Am Freitag hat das Päpstliche Presseamt mittels Bildern des Vatikanfernsehens ein paar Einblicke gewährt in das Gebäude an der Piazza Santa Marta im Inneren der Vatikanstadt. Es ist im solide-biederen Kurien-Stil ausgestattet, den man in den vatikanischen Behörden findet. Wenn den Kardinälen sich die Schiebetür aus satiniertem Glas auftut, können sie auf eine weiß gestrichene Lobby mit spiegelnd blankem, grauem Marmorboden blicken.

Die Zimmer bekommen die Kardinäle per Los zugeteilt - so kann sich keiner beklagen, dass man ihm einen unsympathischen Nachbarn zugeteilt habe. Natürlich hängt ein Kruzifix über den mit ein paar schmiedeeiserne Schnörkeln gezierten Betthäuptern, und ein Nachttischchen haben die geistlichen Herrn auch. Und wie in den Kurienbüros sind Sessel und Stühle mit rotem oder grünem Velours bezogen, einem Stoff, der anderswo seit den siebziger Jahren kaum noch verwendet wird. Sollte einen Kardinal während der Wahl irgendein Sündenbewusstsein überkommen - Beichtstühle gibt es.

Der neue Papst bekommt dann eine bessere Unterkunft - die Suite im Domus Santa Marta - Zimmernummer 201. Dort ist mehr Platz, die Sessel sind blau bezogen, die Möbel sind teils mit Intarsien versehen und massiv. Des neuen Papstes Bett ist nicht aus Eisen, sondern aus Holz. Am Kopfende ist ein Jesus-Antlitz mit Dornenkrone geschnitzt.

Vakantes Papstamt

Wer Benedikt XVI. nachfolgen könnte