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Bewaffneter Mann auf der Flucht:Ausnahmezustand in Oppenau

Ein Mann mit Pfeil und Bogen entwaffnet vier Polizisten. Seit Sonntag ist er mit ihren Dienstwaffen auf der Flucht. Hunderte Beamte suchen in den Wäldern nach ihm, Schulen und Kindergärten in der Kleinstadt bleiben geschlossen.

Von Anna Fischhaber

"Bei uns ist ganz schön was los!" So bewirbt die Stadt Oppenau am Eingang zum Nationalpark Schwarzwald auf ihrer Homepage sich selbst. An diesem Montag herrscht in der Kleinstadt im Renchtal allerdings ein Ausnahmezustand anderer Art. Überall seien Polizisten unterwegs, berichtet Bürgermeister Uwe Gaiser am Telefon. Kindergärten und Schulen seien geschlossen worden ebenso wie das Freibad, die Bürger wurden gebeten daheim zu bleiben. Gaiser spricht von einer "Ausnahmesituation für die kleine Gemeinde". "Ich hoffe nur, dass sie ihn schnell finden und niemand zu Schaden kommt", sagt er.

Die Rede ist von Yves R., 31. Seit Sonntagmorgen ist der bewaffnete Mann in Oppenau auf der Flucht. Gegen halb zehn Uhr hatte sich ein Zeuge bei der Polizei gemeldet, dass sich an einer verlassenen Waldhütte oberhalb der Altstadt ein verdächtiger Mann in Tarnkleidung aufhalte - mit Pfeilen und Bogen bewaffnet. Als vier Beamte dort eintrafen, stellten sie zudem fest, dass Yves R. ein Messer und eine Pistole bei sich hat. Er soll sich zunächst kooperativ gezeigt haben.

"Plötzlich und für die Beamten völlig unvermittelt zog er eine Schusswaffe und bedrohte die Ermittler, so dass diesen keine Zeit blieb, auf die gefährliche Situation zu reagieren", teilte die Polizei mit. Dann soll der Mann sie massiv bedroht und aufgefordert haben, ihre Pistolen auf den Boden zu legen. Anschließend ergriff er die Flucht, "vermutlich mit den Dienstwaffen". Verletzt wurde niemand. Die Beamten würden intern vernommen, um den Ablauf zu rekonstruieren. Von Yves R. und den Waffen fehlt noch immer jede Spur.

Hunderte Polizisten und mehrere Hubschrauber sind im Einsatz

Verstecke gibt es in Oppenau genug. Die Stadt hat nur 4700 Einwohner, aber 7300 Hektar Fläche. Etwa 80 Prozent sind bewaldet, die Polizei spricht von einem "überwiegend unübersichtlichen Gelände". Sie sucht hier mit einem Großaufgebot nach Yves R. Auf dem Vereinsgelände des TuS Oppenau haben die Ermittler eine Einsatzzentrale eingerichtet. Bergwacht, Feuerwehr und Sanitäter sind vor Ort, mehrere Hunderte Polizisten durchkämmen seit Sonntag die Wälder, mehrere Hubschrauber und eine Hundestaffel helfen bei der Suche - bislang ohne Erfolg.

Großaufgebot der Polizei sucht bewaffneten Mann

Verstecke gibt es in Oppenau, nur 4700 Einwohner, aber 7300 Hektar (Wald-)Fläche, genug.

(Foto: Philipp von Ditfurth/dpa)

Am Montag veröffentlichte die Polizei ein Foto des Gesuchten. Es zeigt einen jungen Mann mit Glatze, Kinnbart und schwarzem T-Shirt. Der Mann sei in Oppenau aufgewachsen, berichtet Bürgermeister Gaiser. Mit seinem langen schwarzen Mantel, den er oft trug, sei er eine ungewöhnliche Erscheinung in der ländlichen Gemeinde gewesen. Sein Motiv sei völlig unklar, heißt es bei der Polizei. Fest steht: Der 31-Jährige ist polizeibekannt wegen Verstößen gegen das Waffengesetz. 2010 war der Flüchtige zu einer Jugendstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt worden. Er hatte im Jahr zuvor mit einer Sportarmbrust auf eine Frau geschossen und diese schwer verletzt, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Pforzheim sagte. Nun führt die Staatsanwaltschaft Offenburg ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen des Verdachts der besonders schweren räuberischen Erpressung.

"Bleiben Sie möglichst zu Hause und nehmen Sie keine Anhalter mit"

Auf Anfrage der SZ teilten die Beamten am Montagmorgen mit, man gehe davon aus, dass Yves R. weiter zu Fuß auf der Flucht sei, deshalb konzentriere man die Suche nach wie vor auf die Waldgebiete nördlich von Oppenau. Der Mann ohne festen Wohnsitz sei bereits in den Wochen zuvor in dem Wald abgetaucht. Die Polizei geht deshalb davon aus, dass sich Yves R. dort sehr gut auskennt.

"Bleiben Sie möglichst zu Hause und nehmen Sie keine Anhalter mit", sagte eine Polizeisprecherin. Es könne nicht genau beurteilt werden, welche Gefahr von dem Mann ausgehe. Verschiebbare Tätigkeiten im Freien sollten möglichst unterlassen und die Waldgebiete in der Tourismusregion, in der normalerweise viele Wanderer und Mountainbiker unterwegs sind, gemieden werden.

Die Polizei warnte zudem, dass es im Berufsverkehr erneut zu Straßensperrungen kommen könnte. Zudem erließ die Deutsche Flugsicherung am Montag mit sofortiger Wirkung ein Durchflugverbot mit einem Radius von drei nautischen Meilen (etwa 5,5 Kilometer) rund um Oppenau. Dieses Verbot umfasst auch Drohnen.

© SZ/dpa/lot/mkoh
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