Brand in Notre-Dame Großteil der Kunstwerke ist in Sicherheit

  • Der größte Teil der Kunstschätze in der Pariser Kathedrale konnte wohl unversehrt gerettet werden.
  • Das liegt auch daran, dass der Evakuierungsplan minuziös befolgt wurde.
  • Der Direktor von Notre-Dame möchte für die Zeit der Schließung eine Holzkirche auf dem Vorplatz der Kathedrale errichten.

Etwa 90 Prozent der Kunstwerke konnten bei dem Brand der Pariser Kathedrale Notre-Dame am vergangenen Montag gerettet werden. Davon geht Michel Honore aus, der den Domschatz im Auftrag eines Versicherers vor Ort begutachtet. Dass so viele Kunstgegenstände vor den Flammen bewahrt werden konnten, liegt auch daran, dass der Evakuierungsplan minutiös befolgt wurde. "Der Plan selbst hat perfekt funktioniert, und deshalb sind die Verluste nicht so groß, wie man hätte befürchten können," sagte Honore der Nachrichtenagentur Reuters. Hilfskräfte hatten die Kunstschätze mit einer Menschenkette in Sicherheit gebracht.

Der Kunstschatz von Notre-Dame besteht aus 1000 bis 1200 Gegenständen. Darunter befinden sich wertvolle Kelche, historische Kirchengewänder und großformatige Gemälde. "Zu den ersten Stücken, die gerettet wurden, gehörten die Dornenkrone und der Nagel vom Kreuz", sagte Honore. "Sie standen ganz oben auf der Liste und wurden vorschriftsgemäß herausgebracht." Die meisten der Gemälde sähen auf den ersten Blick unversehrt aus, ein endgültiges Urteil über ihren Zustand müssen aber Restauratoren fällen. Honore zeigte sich zuversichtlich, dass auch die Orgel den Brand ohne größeren Schaden überstanden habe. Die geretteten Kunstwerke befinden sich zurzeit im Pariser Rathaus, sollen aber in den Louvre gebracht werden. Dort können sie sicher aufbewahrt werden.

Direktor will temporäre Holzkirche bauen

Unterdessen schlug der Direktor von Notre-Dame vor, eine temporäre Holzkirche auf dem Vorplatz der Kathedrale zu errichten. "Wir dürfen nicht sagen, die Kathedrale ist für fünf Jahre geschlossen und das war's," sagte Patrick Chauvet dem Sender CNews. Die Holzkirche soll dazu dienen, Touristen willkommen zu heißen, die eigentlich Notre-Dame hätten besuchen wollen. Noch ist völlig unklar, wie lange die Kathedrale geschlossen bleibt. Sollte die Sicherheit des Gebäudes gewährleistet sein, sei eine baldige Wiedereröffnung möglich, sagte eine Sprecherin der Pariser Diözese.

In der Pariser Kathedrale Notre-Dame war am Montag bei Renovierungsarbeiten ein Großbrand ausgebrochen. Ein Grund für das Feuer ist noch nicht bekannt, die Staatsanwaltschaft geht aber nicht von Brandstiftung aus. Während das Feuer hauptsächlich den Dachstuhl der Kathedrale zerstört hat, ist das Innere weitgehend erhalten geblieben. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte in Aussicht gestellt, Notre-Dame innerhalb von fünf Jahren wiederaufbauen zu wollen. Notre-Dame gehört seit 1905 dem französischen Staat.

Brand in Notre-Dame Notre-Dame im Vorher-Nachher-Vergleich

Feuer in Kathedrale

Notre-Dame im Vorher-Nachher-Vergleich

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