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Norwegen nach dem Breivik-Urteil:Ende der Einigkeit

Solche Fragen stellen sich unabhängig davon, ob man Breivik für unzurechnungsfähig hält oder für schuldfähig. Und ein Strafprozess kann sie nicht beantworten. Das kann nur die Gesellschaft. Das Urteil wird ein Wendepunkt in der Debatte um die Attentate Breiviks sein. Der Täter tritt ab. Jetzt muss es um Ursachen und Hintergründe der Tat gehen.

Urteil im Prozess gegen Breivik erwartet

69 Menschen ermordete der Attentäter Anders Behring Breivik im vergangenen Jahr auf der kleinen Insel Utøya im Tyrifjord. Zum Gedenken an die Opfer des Massakers haben Menschen Rosen ins Wasser geworfen.

(Foto: dapd)

Wie die Debatte ablaufen könnte, lässt sich bereits erahnen. Eine von der Regierung beauftragte Untersuchungskommission hat vor einigen Wochen schwere Vorwürfe gegen Polizei und Regierungsbehörden erhoben. Kurz darauf kamen die ersten politischen Forderungen, darunter der Ruf nach strengeren Waffengesetzen oder mehr polizeilicher Überwachung. Vereinzelt wurde aber auch der Rücktritt des Ministerpräsidenten gefordert.

Von der Einigkeit, die Norwegen nach den Anschlägen so eindrucksvoll zeigte, war nicht mehr viel zu spüren. Und das ist gut. Nur in einer Auseinandersetzung, die gegensätzliche Interessen und Meinungen berücksichtigt, lassen sich die richtigen Lehren aus den Anschlägen ziehen.

Es wird eine schmerzhafte Diskussion. Aber wenn Norwegen sie genauso sachlich und offen führt wie den nun beendeten Prozess, dann stehen die Chancen gut, dass die norwegische Demokratie am Ende stärker, sicherer und stabiler wird. Breivik wollte mit seinen Morden genau das Gegenteil erreichen.

© SZ vom 25.08.2012/jobr

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