Nordfrankreich:Mann erschießt Baby und vier Erwachsene

  • Bei einer Schießerei in Nordfrankreich sind vier Menschen getötet und drei weitere schwer verletzt worden.
  • Die Tat ereignete sich in einem Lager von Sinti und Roma in der Gemeinde Roye.
  • Ersten Berichten zufolge ging der Schießerei ein heftiger Streit voraus. Der Täter stand womöglich unter Alkoholeinfluss.

Mann erschießt Baby

Ein 73-jähriger Mann hat in Nordfrankreich ein sechs Monate altes Kleinkind und vier Erwachsene erschossen, darunter einen Polizisten; drei weitere Menschen wurden bei der Schießerei schwer verletzt. Die Schießerei ereignete sich in einem Lager von Sinti und Roma in der Gemeinde Roye, wie die Präfektur des Département Somme mitteilte.

Innenminister Bernard Cazeneuve sprach von einer "absolut dramatischen" Tat, die sich in einem Lager von Menschen abspielte, die in Frankreich von den Behörden als "Fahrende" bezeichnet werden.

Beamter erliegt seinen Verletzungen

Der Mann habe auf dem Gelände des Lagers "kaltblütig" einen Mann, eine 19-jährige Frau und ihr Baby und ihren Schwiegervater erschossen, sagte Cazeneuve. Ein dreijähriges Kind und zwei Polizisten, die ihn stoppen wollten, wurden ebenfalls getroffen. Ein 44-jähriger Beamter erlag später seinen Verletzungen, wie die Präfektur des Departements Somme der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Den Behörden zufolge wurde das verletzte Kleinkind nach einem Herzstillstand künstlich beatmet.

Nach ersten Berichten ging der Schießerei am Nachmittag ein heftiger Streit voraus. Schließlich eröffnete der Täter womöglich unter Alkoholeinfluss mit einem Jagdgewehr das Feuer, hieß es von der Präfektur. Nach Angaben eines Sprechers schossen die Polizisten auf den Täter, um ihn außer Gefecht zu setzen - dieser wurde ebenfalls schwer verletzt. Sein Zustand wurde nach einer Operation als "stabil" beschrieben. Operiert wurde auch der verletzte dreijährige Sohn der getöteten Mutter, auch sein Zustand war stabil.

Angespannte Stimmung im Ort

Die genauen Hintergründe der Schüsse sind noch unklar. Nach dem Vorfall war die Stimmung rund um das Lager an der Autobahn Paris-Lille stark angespannt. Die Bewohner verlangten von der Polizei, zurück in das abgesperrte Lager gelassen zu werden. Zwei Journalisten wurden am Rand des Camps angegriffen. Vor Ort präsente Polizisten brachten die Reporter zu einem nahegelegenen Polizeiposten.

Ein Auto versuchte zudem, die Absperrungen zu durchbrechen, wie ein Vertreter der Stadtverwaltung sagte. Am Abend entspannte sich die Situation. Wie die Präfektur mitteilte, wohnen in dem Lager seit mehreren Jahren etwa 40 Menschen in Wohnwagen. Bisher habe es keine Probleme gegeben, hieß es.

Innenminister Cazeneuve sprach der Gemeinschaft der "Fahrenden" (Französisch: "gens du voyage") sein Mitgefühl aus. Premierminister Manuel Valls schrieb auf Twitter: "Meine Gedanken sind bei den Familien, bei den Opfern und bei dem Polizisten, der im Dienst für Frankreich erschossen wurde."

© SZ.de/AFP/dpa/fie
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