Namen Spanien revolutioniert den Familiennamen

Ein Mädchen beim Fest "Las Mayas", das den Frühlingsanfang in Spaniens Hauptstadt Madrid markiert.

(Foto: AP)
  • Offiziell hat jeder Spanier zwei Familiennamen; bislang stand der des Vaters automatisch an erster Stelle.
  • Deshalb gibt es in Spanien eine so hohe Dominanz weniger Namen wie in keinem anderen europäischen Land.
  • Zehn Namen sind jeweils mehr als eine Million Mal vertreten, 38 Prozent der Spanier haben einen von ihnen in ihren Papieren stehen
Von Thomas Urban, Madrid

Eigentlich ist es bloß eine unscheinbare neue Verwaltungsvorschrift für die Standesämter, aber für Spanien bedeutet es eine kleine Revolution: Vom kommenden Monat an sollen die Eltern für ihre neugeborenen Kinder entscheiden, ob zuerst der Familienname des Vaters oder der Mutter aufgeführt wird. Denn offiziell hat jeder Spanier zwei Familiennamen; bislang stand der des Vaters automatisch an erster Stelle.

Doch das ist jetzt Vergangenheit. Schon seit ein paar Jahren durfte auch der Name der Mutter an erster Stelle stehen, aber nur, wenn das eigens beim Familiengericht beantragt wurde. Getan haben das weniger als ein Prozent der Eltern im Land. Ab nun kommt auf Eltern die neue staatsbürgerliche Pflicht zu, innerhalb von drei Tagen eine Entscheidung zu treffen. Werden sie sich nicht einig, entscheidet das Standesamt, was zwar angefochten werden kann - aber nur von beiden Eltern gemeinsam. Spätestens dann müssen sie sich also zusammenraufen.

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Statistiker sprechen von einer kleinen Revolution, weil die Neuerung mittelfristig eine festgefügte Ordnung aufbrechen dürfte: die Hitliste der spanischen Familiennamen, seit Generationen fest zementiert, wie Historiker anhand der Tauf- und Sterberegister nachgewiesen haben.

Zehn Namen sind jeweils mehr als eine Million Mal vertreten, 38 Prozent der Spanier haben einen von ihnen in ihren Papieren stehen. Eine so hohe Dominanz weniger Namen gibt es in keinem anderen europäischen Land. Schuld daran ist die Tradition der Doppelnamen, weitergegeben von Generation zu Generation.

Mehr als drei Millionen Spanier tragen den Familiennamen García. Bei einer Einwohnerzahl von insgesamt 46 Millionen macht dies gut 6,6 Prozent der Bevölkerung aus. Der inflationäre Nachname stammt vom baskischen Begriff "gartzea" ab, der "jung" bedeutet. Dabei leben die Basken nur in einer kleinen Ecke im Norden des Landes, und weniger als eine Million Menschen spricht heute noch Baskisch; wie sich der Name derart verbreiten konnte, ist also ein Rätsel, das bislang noch niemand gelöst hat.

Weniger rätselhaft ist die Geschichte von häufigen Familiennamen, die germanischen Ursprungs sind: Gonzalo - der Kämpfer, Fernando - der Tapfere, Rodrigo - der Glorreiche, Gomo - der Recke. Die altspanische Endung -ez steht für "Sohn des", wie das skandinavische -sen oder das slawische -ow. Alle diese Namen haben die Goten mitgebracht, die im Laufe der großen Völkerwanderung am Ende der Römerzeit ins Land strömten, die Namen beziehen sich auf die Lieblingsbeschäftigung dieses Volkes, nämlich fremde Länder mit Krieg zu überziehen.

Gerne und häufig verweisen Kulturwissenschaftler auf die Unterschiede zu anderen Ländern: Während in Spanien, dessen ganzes Mittelalter die Kämpfe zwischen Christen und Mauren prägten, der Krieger offenbar das ideale Mannsbild war, ging es nördlich der Alpen viel bodenständiger zu. Im deutschen Sprachraum beziehen sich Familiennamen auf das ehrbare Handwerk wie bei Müller, Schmidt, Schneider, Fischer, Weber sowie Rechtsstellungen wie bei Meier und Hoffmann.

SZ-Grafik; Quelle: Instituto Nacional de Estadística (INE)

In Spanien haben auch die Römer ihre Spuren hinterlassen: Martinez ist der Sohn Martins und dieser wiederum der Sohn des Mars. Umstritten ist dagegen der Ursprung von Sánchez. Linguisten leiten ihn vom lateinischen sanctus ab - "heilig". Christlichen Ursprungs ist Pérez: Petrus. Unchristlich verhält es sich dagegen mit López: lobo heißt Wolf.

Nicht zu erwarten ist erst einmal, dass die spanische Hitliste weiblicher wird. Auch Frauen tragen ja die Namen der väterlichen Linie. Aber sie werden sich besser verteilen, so die Statistiker, die Anteile der dominierenden Gruppen werden von Generation zu Generation kleiner werden. Immerhin, denn letztendlich hilft das auch den Behörden, die gelegentlich bei all den Garcías und González den Überblick verlieren.

Nur einem Nachnamen-Effekt trauert schon jetzt ganz Spanien hinterher, man konnte ihn besonders beim früheren Regionalpräsidenten von Madrid beobachten, der gerade übrigens wegen Korruption einsitzt. Der Mann heißt González González, was für spanische Ohren ungefähr so klingt wie für die Deutschen Meier-Meier.