Alpinismus:Diversität am Achttausender

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Alpinismus: Der Marsch zum Mount Everest soll People of Colour ermutigen - Träume zu haben, nach draußen zu gehen, auf den Berg zu steigen.

Der Marsch zum Mount Everest soll People of Colour ermutigen - Träume zu haben, nach draußen zu gehen, auf den Berg zu steigen.

(Foto: Tashi Sherpa/dpa)

Das erste Expeditionsteam mit ausschließlich schwarzen Bergsteigerinnen und Bergsteigern will den Mount Everest erklimmen - damit es für Schwarze im Alpinismus bergauf geht.

Von Titus Arnu

Der höchste Berg der Erde heißt auf Tibetisch Chomolungma, das bedeutet "Göttinmutter des Universums". In der westlichen Welt ist er nach einem alten weißen Mann benannt: George Everest, ein britischer Landvermesser, der den 8848 Meter hohen Gipfel nie gesehen und vermessen hat. Seit der Erstbesteigung im Jahr 1953 waren es vor allem reiche weiße Männer aus den USA, aus Europa, Japan und Indien, die mit Hilfe nepalesischer Sherpas den Mount Everest erklommen.

Wer die Teilnehmerlisten der Expeditionen durchschaut, die sich momentan zum Start der Saison im Himalaja in den Basecamps befinden, stellt fest: Höhenbergsteigen ist nicht besonders divers. Mehr als 7000 Personen haben den Gipfel des Everest bisher erreicht, nur elf Prozent davon waren Frauen. Die einheimischen Sherpa-Teams, die den Touristen beim Tragen und Klettern helfen, sind fast zu 100 Prozent männlich. Und nur neun Personen, die im Lauf der Jahre den höchsten Punkt der Erde erreichten, waren Schwarze - der erste von ihnen war der Südafrikaner Sibusiso Vilane im Jahr 2003.

Doch nun soll auch der Alpinismus diverser werden. 2018 gelang sechs Nepalesinnen der erste Aufstieg eines reinen Frauenteams auf den Everest. Die "Womens Empowerment Everest Expedition" wollte damit ein Zeichen setzen gegen Ausbeutung von Frauen und Menschenhandel in Asien. "Ich muss den Everest besteigen, damit die Leute auf mich hören", sagte die Nepalesin Kanchhi Maya Tamang zur Begründung. 2019 hisste die US-amerikanische Alpinistin Caroline Gleich auf dem Gipfel eine Flagge mit der Aufschrift #ClimbforEquality, um auf das Gender-Ungleichgewicht beim Spitzenbergsteigen aufmerksam zu machen.

Geringer Anteil schwarzer Menschen im Bergsport

Nun ist ein Team mit ausschließlich schwarzen Bergsteigern und Bergsteigerinnen am Everest unterwegs. Die Full Circle Everest Expedition besteht aus drei Frauen und acht Männern im Alter von 29 bis 60 Jahren, sie kommen aus den USA und Kenia. "Der Everest ist eine Ikone", sagt Philip Henderson, 58, Leiter der Expedition und einer der wenigen schwarzen Ausbilder am Khumbu Climbing Center (KCC) in Nepal. Er erhofft sich von der Aktion eine größere Vielfalt im Bergsport. Keiner der Teilnehmer ist Profi-Bergsteiger, aber alle haben alpinistische Erfahrung. James Kagambi aus Kenia war der erste schwarze Afrikaner, der den Denali in Alaska und den Aconcagua in Argentinien bestieg. Philip Henderson leitete 2018 eine rein afroamerikanische Expedition auf den Kilimandscharo.

Die Teilnahme an einer Everest-Expedition kostet 40 000 bis 130 000 Euro, je nach Service. Henderson macht dementsprechend auch mangelnde wirtschaftliche Möglichkeiten verantwortlich für den geringen Anteil schwarzer Menschen im Bergsport. In den USA wird das Thema schon länger unter dem Schlagwort "Adventure Gap" diskutiert. Anders als im Fußball, in der Leichtathletik und im Basketball gibt es im Alpinismus noch keine schwarzen Leitfiguren. Die Mitglieder von Full Circle Everest hoffen, dass sich das durch ihre Unternehmung ändert - und es für Schwarze bald erfolgreich bergauf geht. Es muss ja nicht unbedingt der Everest sein, findet Expeditionsleiter Henderson: "Wir glauben, dass unser Projekt People of Color ermutigt, nicht nur große Träume zu haben, sondern einfach nach draußen zu gehen."

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