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Millionenfund im Kloster Neresheim:Im Weinberg des Herrn

Schwäbische Alb Kloster Neresheim Mönch in der Abtei

Ein Mönch wandelt durch die Flure des Klosters Neresheim. Ist so ein Kloster nicht ein guter Ort, um etwas zu verstecken?

(Foto: Wilhelm Mierendorf/imago)

Ein Abt findet im Schlafzimmer seines verstorbenen Vorgängers Belege über ein Millionenvermögen. Niemand weiß, woher es stammt. Das nährt einen unchristlichen Verdacht: Half das Kloster bei der Geldwäsche eines dubiosen Anwalts?

Es muss ein bewegender Abschied gewesen sein damals, im April 2013. Ein schlichter Sarg, darauf Mitra und Hirtenstab. 800 Trauergäste in der mit weißen Chrysanthemen geschmückten Abteikirche des schwäbischen Benediktinerklosters Neresheim. Ein Knabenchor, der das Requiem verschönt. Ein Landrat, den Tränen nah, der sich "von meinem lieben Freund und unser aller Vater Abt" verabschiedet. Schließlich der Abtpräses, Dr. Albert Schmidt, der für seine Predigt sogar im Internet recherchiert hat und der Trauergemeinde berichtet: Er habe beim Googeln 80 800 Einträge gefunden zum Namen des Verstorbenen, und doch, so sagte er, "wissen wir oft wenig von dem Menschen, mit dem wir leben". Eine wahrhaft prophetische Bemerkung.

Was war das für ein Mensch, der Abt Norbert Stoffels, seit 1977 Klostervorsteher, Träger des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse und der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg, der am 24. April 2013 im Alter von 77 Jahren starb? Ein verdienter Arbeiter im Weinberg des Herrn? Oder ein Arbeiter im sogenannten Sondervermögen Weinberg - einem über Jahre hinweg gepflegten System der Steuerhinterziehung und der Geldwäsche?

Der Abt eines Benediktinerklosters kann schalten und walten, wie er will

Wie der Spiegel am Montag berichtete, fand sich im Nachlass des toten Abts unverhofft ein Millionenvermögen. Es handelt sich, wie man nun weiß, nicht nur um ein Konto bei der Deutschen Bank in Krefeld, auf dem ein Vermögen im Wert von drei Millionen Euro lagert. Das Konto hatte der Abt im Jahr 2010 gemeinsam mit dem Krefelder Anwalt Walter Marcelli angelegt, und zwar im Namen des "Benediktinerkloster Neresheim e.V." Der Anwalt verfügte über die uneingeschränkte Vollmacht über das Konto. Zu dem Finanzkonstrukt, das Abt und Anwalt gebastelt hatten, gehört außerdem ein Verrechnungskonto, auf dem Zinsen und Dividenden ausgeschüttet wurden. Und dann gibt es in Aalen noch ein weiteres Konto, darauf eine Million Euro. Woher das Vermögen stammt und wem es gehört, darüber ist ein heftiger Gerichtsstreit entbrannt zwischen dem Kloster und dem reichlich zwielichtigen Anwalt. Die Staatsanwaltschaft Krefeld jedenfalls ermittelt wegen des Verdachts der Geldwäsche. Die Akten lägen beim Landeskriminalamt Düsseldorf, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Wie auch immer die Affäre enden wird: Sie wird dem Ruf der katholischen Kirche weiter schaden. Wie die Kirche mit dem Geld der Gläubigen um sich wirft, dafür steht in den Augen vieler Kritiker der Fall des Limburger Bischofs Tebartz-van Elst. Um aber Geld zu verstecken, gibt es, zynisch gesprochen, kaum einen besseren Ort als ein Kloster, nicht wahr? Während Orden wie die Jesuiten und die Franziskaner über eine Ordenszentrale und entsprechend ein Kontrollsystem verfügen, kann der Abt eines Benediktinerklosters im Prinzip schalten und walten, wie er will.

Die Kongregation Beuron, zu der das Kloster Neresheim im Ostalbkreis mit seinen zehn Konventsmitgliedern gehört, schickte immerhin in unregelmäßigen Abständen Finanzprüfer dorthin. Aber die beiden Konten von Abt und Anwalt seien in keiner Bilanz aufgetaucht, darauf berufen sie sich nun in Neresheim. Niemand habe etwas gewusst von den Geschäften des Abtes mit dem Anwalt, den er angeblich schon seit Schulzeiten kannte. Norbert Stoffels war in Krefeld aufgewachsen.