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Mexiko:Polizei findet bei Razzia 23 entführte Kinder

32 PRISONERS ESCAPE FROM THREE DIFFERENT JAILS IN VERACRUZ, MEXIC

Die mexikanische Polizei hat in einem Haus mehrere entführte Kinder gefunden.

(Foto: Saul Ramirez/dpa)

Bei der Durchsuchung eines Hauses machen Polizisten die erschreckende Entdeckung: drei von den Kindern sind sogar noch Babys.

Die Polizei in Südmexiko hat 23 entführte Kinder aus einem Haus befreit. Die meisten seien zwischen zwei und 15 Jahre alt und dazu gezwungen worden, Schnitzereien und billige Schmuckstücke auf den Straßen in der bei Touristen beliebten Stadt San Cristóbal de las Casas zu verkaufen, teilte das Büro der Staatsanwaltschaft im Staat Chiapas am Dienstag mit.

Sogar drei Babys zwischen drei und 20 Monaten seien am Montag bei der Razzia in dem Haus gefunden worden. Drei Frauen seien im Zusammenhang mit dem Fall festgenommen worden. Ihnen drohe ein Strafverfahren wegen Menschenhandels und Ausbeutung.

Kinder mussten auf Pappdeckeln schlafen

Die Kinder seien durch körperliche und psychische Gewalt zum Straßenverkauf gezwungen worden, hieß es. Sie hätten Anzeichen von Mangelernährung gezeigt und unter gefährlichen Bedingungen ausharren müssen. Um überhaupt etwas zu Essen und einen Schlafplatz im Haus zu bekommen, so berichteten die Kinder, hätten sie vom Verkauf der Waren einen bestimmten Geldbetrag vorweisen müssen, ergänzte Staatsanwalt Jorge Llaven. Er und seine Kollegen präsentierten auch Videobilder vom Haus, in dem die Opfer festgehalten wurden. Zu sehen war, wie viele der Kinder offenbar auf Pappdeckeln und auf Decken auf einem Zementboden schliefen.

Die befreiten Jungen und Mädchen wurden an Jugendämter übergeben. Ein von den Behörden veröffentlichtes Foto zeigte einige der Kinder nach ihrer Rettung mit Lunchpaketen.

Auf ihre Spur kamen die Behörden bei der Suche nach einem zwei Jahre alten Jungen, der am 30. Juni verschwand, als er mit seiner Mutter auf einem Markt in San Cristóbal unterwegs war. Bilder einer Überwachungskamera eines Ladens zeigten, wie ein Mädchen im Teenageralter die Hand des kleinen Dylan Esaú Gómez Pérez ergreift und ihn wegführt. Das lässt vermuten, dass einige der verschleppten Minderjährigen womöglich dazu gezwungen wurden, andere Kinder zu entführen.

Nach dem Verschwinden des kleinen Jungen starteten dessen Mutter und Verwandte eine verzweifelte Suchkampagne. Ob Dylan unter den Kindern war, die aus dem Haus gerettet wurden, teilte die Staatsanwaltschaft zunächst aber nicht mit. Seine Mutter Juana Pérez sagte erst am Dienstag in einem Interview in Mexiko-Stadt vor dem Nationalpalast, dem Sitz der Regierung, dass ihr Behördenvertreter mitgeteilt hätten, dass ihr Sohn bisher nicht gefunden worden sei. "Keines von den geretteten Kindern ist mein Sohn", sagte Pérez schluchzend. "Ich habe überhaupt nichts über meinen Sohn gehört." Die Mutter war in die Hauptstadt gereist, um Präsident Andrés Manuel López Obrador um Hilfe zu bitten.

© SZ/AP/lot/mkoh

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