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Menschenschlepper:Was treibt die Schleuser?

Am 19. Juli also sterben 60 Menschen im Mittelmeer, nicht weil sie ertrinken oder ihr Boot untergeht, sondern weil Schmuggler sie erstechen. Die Schmuggler suchen ihre Opfer willkürlich aus und werfen die Leichen anschließend ins Meer. Bereits vorher haben sie Dutzende Flüchtlinge davon abgehalten, den Frachtraum des Bootes zu verlassen - 29 von ihnen sind erstickt. Insgesamt sollen sich mehr als 700 Personen unter und auf dem Deck befunden haben.

Tourismus an Europas Grenzen

Menschen am Strand

Warum die Schmuggler in all diesen Fällen so grausam vorgehen, warum sie keine Bedenken haben, 600 Menschen auf Boote mit Platz für 300 zu stopfen, darüber lässt sich nur spekulieren. Flüchtlinge, die die irrwitzigen Überfahrten nach Europa überlebt haben, sprechen von Wilden oder Barbaren, wenn sie Schleuser meinen. Für diese seien Flüchtinge bloß Handelsware. Und da spielt es dann scheinbar keine Rolle, wenn zehn Prozent der Ware vom Boot fallen und nie wieder auftauchen.

"Low risk, high-profit business"

Was treibt die Schleuser? Tatsache ist: Ihr Motiv ist ein rein finanzielles. Menschenschmuggel ist ein Geschäft, mit dem in einem Jahr bis zu acht Milliarden Euro Einnahmen erzielt werden. Es ist, laut der Internationalen Organisation für Migration, ein "low-risk, high-profit business". Der Unterschied zum Menschenhandel besteht darin, dass die Flüchtlinge sich freiwillig den Schleusern anvertrauen. Sie wollen an einen anderen Ort und nehmen die Risiken dafür in Kauf.

Es kostet einen Flüchtling mehrere Tausend Dollar, um auf einem schäbigen Boot die Reise nach Europa anzutreten - am günstigsten soll es in Libyen sein, von wo die Überfahrt wegen der maroden Fahrzeuge aber gleichzeitig am gefährlichsten ist. Der Schmuggel funktioniert in manchen nordafrikanischen Ländern wie ein herkömmlicher Markt: Es gibt mehrere Wettbewerber, die Konkurrenz ist groß, nur die Ware wird wie Vieh behandelt. Körperliche Gewalt gegen Flüchtlinge ist keine Seltenheit.

Im Fall der 60 erstochenen Flüchtlinge hat die italienische Polizei fünf verdächtige Schmuggler festgenommen. Die allermeisten Schleuser hingegen entgehen einer Strafe, weil sie sich auf dem Mittelmeer fernab der westlichen Polizei und Justiz bewegen. In den nordafrikanischen Ländern wiederum haben sie Wege gefunden, im Untergrund zu agieren. Wie die Mafia organisieren die Schleuser ihr illegales Geschäft, nur selten werden sie ertappt.

Die "Migrants' Files" sollen die vielen Todesfälle von Flüchtlingen dokumentieren - nicht nur im Mittelmeer, sondern weltweit. In der Datenbank finden sich aber auch etliche Belege über die waghalsigen und menschenverachtenden Methoden der Schmuggler. Sie sind Teil der Tragödie.

© Süddeutsche.de
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