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Mafia in Italien:Das Gedächtnis der Camorra

Schockierende Bilder: Der in Neapel von Kameras gefilmte Mafia-Mord war offenbar ein Racheakt. Der Auslöser dafür liegt 33 Jahre zurück. Damals war der Täter noch gar nicht geboren.

Die schockierenden Bilder gingen um die Welt: Aufnahmen der Überwachungskameras einer Bar in Neapel vor drei Wochen, die zeigen, wie die Camorra tötet. Ein Mann wird vor einer Bar quasi im Vorübergehen von einem Killer erschossen, der sich dann seelenruhig entfernt. Passanten gehen wie gleichgültig vorbei, steigen gar über den Toten auf dem Trottoir. Nun sieht es aus, als sei der Mörder gefasst. Die Polizei in Neapel hat die Festnahme des 28-jährigen Costanzo A. bekanntgegeben.

Eine Überwachungskamera hat den Mord gefilmt - offenbar ein Racheakt der Mafia.

(Foto: Foto: AP)

Der Mord vom Nachmittag des 11. Mai im Sanita'-Viertel war, wie erwartet, offenbar ein Racheakt. Die Ermittler gehen davon aus, dass der getötete Mariano Bacio Terracino das letzte Opfer einer Mordserie ist, mit der ein Clan Vergeltung an den Angehörigen eines anderen Clans geübt hat. Dann würde der Fall erneut zeigen, dass die Camorra ein gutes Gedächtnis hat und es auf ihrer Todesliste keine Verjährungsfristen gibt.

33 Jahre liegt dem Corriere della Sera zufolge der Ursprung des Rachefeldzuges zurück. Da war der Killer Costanzo A. noch gar nicht geboren. Er verdiente seinen Lebensunterhalt als Drogendealer eines lokalen Clans im napoletanischen Stadtteil Scampia. Er ist verheiratet, seine Frau soll schwanger sein. Warum gerade dieser kleine Rauschgifthändler für den Mord ausersehen wurde, ist noch nicht bekannt.

Das Opfer Bacio Terracino hatte vor Gericht gestanden, weil er 1976 an der Ermordung des damaligen Oberhauptes des Moccia-Clans beteiligt gewesen sein soll. Bacio Terracino war jedoch in zweiter Instanz freigesprochen worden. Im Lauf der Jahre wurden dann sechs Männer ermordet, die wie Bacio Terracino zu dem Killerkommando gehört haben sollen, das den Clan-Boss erschoss.

Der Vollender der Vendetta für diesen Mord hatte sich nach Veröffentlichung des Videos ins Haus seiner Mutter in Castel Volturono in der Provinz Caserta zurückgezogen. Die Polizei begann nach einem Tipp, den Ort zu überwachen und Telefone abzuhören. Dabei erhärtete sich der Verdacht gegen Costanzo A. Er ließ sich von Carabinieri widerstandslos festnehmen.

Die Staatsanwaltschaft von Neapel, die wegen der Veröffentlichung des grausamen Videos auch angegriffen worden war, sagte, die Aufnahmen hätten entscheidend zur Festnahme beigetragen. Allerdings hätten nicht normale Bürger Hinweise gegeben. Es war ein V-Mann, dem der entscheidende Zusammenhang einfiel.

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