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Missbrauchsfall in Lügde:Wie konnte das passieren?

Missbrauchsfälle in Lügde

Der Tatort: Der Wohnwagen und die dazu gehörige Baracke von Andreas V. auf dem Campingplatz Eichwald sind inzwischen abgerissen worden.

(Foto: dpa)

Zwei Männer haben mehr als 30 Kindern auf einem Campingplatz in Lügde jahrelang unfassbares Leid zugefügt. Obwohl es immer wieder Hinweise gab, wurden sie nicht gestoppt. Eine Chronologie der Ereignisse.

"Addi" war ein gern gesehener Bewohner auf dem Campingplatz "Eichwald" in Lügde in Nordrhein-Westfalen. Er half beim Hecke schneiden oder Holz hacken. Am liebsten aber spielte er mit den Kindern, die dort ihre Ferien verbrachten oder in der Umgebung wohnten. Er hatte ein Pony, auf dem sie reiten durften, es gab immer Süßigkeiten - und er versprach ihnen Handys und Notebooks. So lockte der Dauercamper Andreas V. Kinder in seine Behausung auf den Campingplatz, wo er sie sexuell missbrauchte.

Der Missbrauchsfall von Lügde gilt als bislang schwerster Fall von sexueller Gewalt gegen Kinder in der Geschichte Nordrhein-Westfalens. Dem 56-jährigen Andreas V. und dem 34-jährigen Mario S. aus Steinheim wird jahrelanger, teilweiser schwerer sexueller Missbrauch von mindestens 34 Kindern und Jugendliche in insgesamt 460 Fällen vorgeworfen. Das jüngste Opfer soll erst vier Jahre alt gewesen sein. Die beiden Männer sollen einige Gewalttaten auch gefilmt haben. Mehr als 5000 Bild- und Videodateien mit kinder- und jugendpornografischem Material stellten die Ermittler sicher. Am Donnerstag wurden die beiden Angeklagten zu hohen Haftstrafen und einer anschließenden Sicherungsverwahrung verurteilt.

Zum Skandal wurde der Missbrauchsfall auch deshalb, weil bei den Ermittlungen immer wieder Pannen auftraten und Beweismittel abhanden kamen. Auch sollen Polizei und Jugendämter über Jahre hinweg Hinweisen auf Andreas V. nicht nachgegangen sein. Vor drei Jahren wurde er gar als Pflegevater eines damals fünfjährigen Mädchens eingesetzt. Dieses Mädchen war dem Täter am längsten ausgeliefert und wurde von ihm auch als Lockvogel eingesetzt. Von Anfang stand bei der Aufklärung der Taten die Frage im Raum: Hätten die Behörden das verhindern können? Eine Übersicht der Ereignisse.

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