Düsseldorf Gericht hält Einstellung von Loveparade-Prozess für denkbar

Der Vorsitzende Richter Mario Plein (4.v.l.) steht in der zum Gerichtssaal umfunktionierten Messehalle Düsseldorf beim Loveparade-Strafprozess.

(Foto: dpa)

Verteidiger, Staatsanwälte und Nebenklage-Anwälte beraten über das weitere Vorgehen. Die juristische Aufarbeitung der Katastrophe, bei der 21 Menschen starben, könnte nun enden.

Fast 100 Tage hat das Landgericht Duisburg verhandelt, mehr als ein Jahr lang hat sich der Prozess bisher hingezogen, fast 60 Zeugen sind vernommen worden - und doch könnte ein sehr unbefriedigendes Ergebnis am Ende des Loveparade-Prozesses stehen, kaum zu ertragen insbesondere für die Menschen, die bei der verheerenden Massenpanik auf dem Festivalgelände einen geliebten Menschen verloren haben. 21 Menschen kamen damals ums Leben, mehr als 650 wurden verletzt, als es in einem Zugangstunnel zu einem Gedränge kam.

Eine Einstellung des Verfahrens steht im Raum, eine Einstellung deshalb, weil es zunehmend wahrscheinlich erscheint, dass keinem der Angeklagten eine strafrechtlich ins Gewicht fallende Schuld klar nachgewiesen werden kann.

An diesem Mittwoch hat es nun ein sogenanntes Rechtsgespräch gegeben. Rechtsgespräch heißt, dass der Richter Staatsanwaltschaft, Verteidiger und Nebenklage-Anwälte an einen Tisch bringt, um über den Fortgang des Verfahrens beraten.

Die Ergebnisse dieser nicht öffentlichen Zusammenkunft will das Landgericht erst am Donnerstagnachmittag bekanntgeben. Mehrere Anwälte berichteten, der Vorsitzende Richter habe eine Einstellung nach bisheriger Beweisaufnahme als sachgerechte Lösung aufgezeigt. Demnach sieht das Gericht bei sieben Angeklagten keine Grundlage für eine Verurteilung. Darunter seien sechs städtische Bedienstete, sowie ein Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent. Bei drei anderen Angeklagten der Firma sieht das Gericht eine "mittlere" Schuld. Auch hier wurde offenbar vorgeschlagen, das Verfahren einzustellen, allerdings unter Auflagen. Unklar ist, zu welchem Zeitpunkt genau das Verfahren eingestellt werden könnte.

Sowohl Verteidiger und Staatsanwälte müssten zustimmen. Die Staatsanwaltschaft hatte schon zuvor erklärt, dass sie ihre Zustimmung zum weiteren Vorgehen nicht an diesem Mitwoch geben wird und sich Bedenkzeit nehmen will.

Zehn Personen sitzten bei dem Prozess auf der Anklagebank, sechs von ihnen waren zum Tatzeitpunkt Mitarbeiter der Stadt, vier Angestellte des Veranstalters Lovapent. Ihnen wird fahrlässige Tötung und Körperverletzung vorgeworfen. Aufgrund der Größe des Prozesses und der Zahl der Nebenkläger wird nicht im Gericht in Duisburg verhandelt, sondern in der Messehalle in Düsseldorf.

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