bedeckt München 19°

Loveparade-Gründer Dr. Motte:"Die Veranstalter sind schuld"

Nach der Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg mit Toten und Verletzten wird Kritik an Veranstaltern und Polizei laut. Loveparade-Gründer Dr. Motte wirft den Organisatoren "Profitgier" vor.

Lange Jahre war Berlin der Austragungsort der Loveparade. In diesem Jahr fand das große Techno-Spektakel unter dem Motto "The Art of Love" erstmals in Duisburg statt - und endete in einer Tragödie. Der Erfinder der weltberühmten Raver-Parade, Dr. Motte, sieht die Schuld für die Katastrophe mit zahlreichen Toten bei den Veranstaltern. "Die haben einen krassen Management-Fehler begangen. Wie kann man denn Menschen nur durch einen einzigen Zugang auf das Gelände lassen. Das ist ein Skandal", sagte der DJ, der sich 2006 aus dem Organisationsteam der Loveparade zurückgezogen hatte, dem Berliner Kurier.

Tote bei Loveparade 2010 in Duisburg

Der Gründer der Loveparade, der Berliner DJ Dr. Motte, gibt den Veranstaltern die Schuld an der Katastrophe mit zahlreichen Toten und Verletzten.

(Foto: dpa)

Für ihn sei die Frage nach der Verantwortung klar. "Die Veranstalter sind schuld!" Sie hätten aus "reiner Profitgier" gehandelt. "Die haben doch gewusst, dass es voll wird. Was also haben Zäune und Security da zu suchen?" Auf seinem Blog bezeichnete der Techno-Guru die Abriegelung des Festgeländes als "Fehler". "Die Loveparade war immer offen für alle in Berlin, mit Rückzugsmöglichkeiten in den Tiergarten. Ein einziger Zugang durch einen Tunnel birgt die Katastrophe in sich."

Das Krisenmanagement nach dem tödlichen Vorfall auf dem Festgelände kritisierte der Ex-Initiator der Loveparade als pietätlos. Dass die Techno-Party nach dem Unglück weitergegangen sei, finde er "ekelhaft". Ein Sprecher der Stadt Duisburg hatte argumentiert, man habe sich aus Sicherheitsgründen entschieden, die Party vorerst weiterlaufen zu lassen.

Indes belasten auch Augenzeugen Organisatoren und Polizei. Die Veranstalter seien vermutlich nicht richtig auf die Menschenmassen vorbereitet gewesen, sagte ein Partybesucher dem Fernsehsender n-tv . "Das war programmiertes Chaos." Ein anderer berichtete, er habe die Polizei noch kurz vor Ausbruch des tödlichen Gedrängens vor einer Massenpanik gewarnt. Die Beamten hätten jedoch nicht reagiert.

Oberbürgermeister: "Stichhaltiges Sicherheitskonzept"

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) betonte dagegen, man habe mit dem Veranstalter und allen beteiligten Partnern ein "stichhaltiges Sicherheitskonzept" gehabt. Es werde Ermittlungen geben, um den genauen Hergang zu klären. Er wertete das Unglück als "eine der größten Tragödien der jüngeren Stadtgeschichte". "Ich bin zutiefst erschüttert", sagte Sauerland.

Bundespräsident Christian Wulff (CDU) hat eine rückhaltlose Aufklärung der tragischen Ereignisse gefordert. "Eine solche Katastrophe, die während eines friedlichen Festes fröhlicher junger Menschen aus vielen Ländern Tod, Leid und Schmerz verursacht, ist furchtbar", sagte das Staatsoberhaupt.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) reagierte mit Bestürzung und Trauer auf die Katastrophe. SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte: "Es ist entsetzlich, dass junge Menschen, die friedlich feiern wollten, plötzlich aus dem Leben gerissen wurden." Bundesinnenminister Thomas de Maizére (CDU) sagte: "Wo die Kräfte des Bundes helfen können, helfen sie."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich ebenfalls tief bestürzt über den tödlichen Ausgang der Mega-Party: "Zum Feiern waren die jungen Menschen gekommen, stattdessen gibt es Tote und Verletzte. Ich bin entsetzt und traurig angesichts des Leids und des Schmerzes."

Auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso drückte den Angehörigen sein Beileid aus. "Ich habe mit tiefer Trauer von diesem tragischen Ereignis erfahren", sagte Barroso in Brüssel. "Auch im Namen der gesamten Europäischen Kommission möchte ich Deutschland, dem Bundesland Nordrhein-Westfalen und den Familien der Opfer mein Beileid ausdrücken." Er wünsche allen Verletzten eine rasche Genesung, fügte Barroso hinzu.

Die neue nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft kondolierte den Opfern und ihren Angehörigen. "Unser Entsetzen über das schreckliche Unglück bei der Loveparade in Duisburg lässt uns verstummen", erklärte die SPD-Politikerin in Düsseldorf. "Das ganze Land trauert um die jungen Frauen und Männer, die friedlich feiern wollten und bei diesem grauenhaften Drama ihr Leben verloren haben. Unsere Gedanken sind jetzt bei den Familien, Angehörigen und Freunden der Toten und der Verletzten."

© dpa/jobr/bön

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite