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Entsorgung von Kaugummi:Zähe Angelegenheit

Können bunte Smiley-Boxen den Kaugummi-Vandalismus in deutschen Städten zähmen? Die Stadt Limburg glaubt: ja.

So sehen die Kästen für Kaugummis in Limburg aus. Aber klebt da auch jemand einen hin?

(Foto: Stadt Limburg)

Hat sich eigentlich irgendein Wissenschaftler schon mal die Mühe gemacht, die wirklich wichtigen Dinge im Leben empirisch zu untersuchen? Fußballtore im Pinkelbecken zum Beispiel: Erhöhen solche Formen spielerischen Lernens die prozentuale Treffsicherheit in sanitären Einrichtungen? Gut, diese Frage soll hier nicht beantwortet, vielmehr eine andere aufgeworfen werden: Können bunte Smiley-Boxen den Kaugummi-Vandalismus in deutschen Städten zähmen?

Im hessischen Limburg nämlich hat die Stadt gerade zwölf sogenannte Gum Walls aufgestellt, kleine rote Boxen, die Menschen dazu bringen sollen, ihre Kaugummis vorschriftsmäßig zu entsorgen. Eingespannt in der Box ist ein Papier mit Smileys und dem Hinweis: "Kaugummi bitte auf die Bilder drücken". Man hofft, vergleiche Fußballtor im Pissoir, auf einen Spaß-Effekt mit pädagogischer Wirkung. Klaus Kunz, Leiter und Empiriker vom Städtischen Betriebshof, berichtet: Nach nur acht Tagen klebten schon "relativ viele" Kaugummis in den Boxen.

In Seattle gilt eine Gum Wall übrigens als Sehenswürdigkeit

Falsch entsorgte Kaugummis ekeln die Limburger besonders an, wurde die Fußgängerzone doch gerade erst neu gestaltet. Regelmäßig muss eine Reinigungsfirma das Pflaster entkaugummisieren, Kostenpunkt für die Stadt: 2000 Euro pro Monat. Mit Gum Walls, verspricht die Herstellerfirma, würden 40 bis 60 Prozent weniger Kaugummis auf dem Boden landen, so die Erfahrungswerte aus anderen Städten, wobei die wissenschaftlichen Gütekriterien der Erhebung womöglich zu hinterfragen wären. Aber gut, was hat Willy Brandt mal gesagt? Die Zukunft wird nicht gemeistert von denen, die am Vergangenen kleben.

Touristen schießen Selfies vor Seattles klebriger Sehenswürdigkeit: Der Gum Wall.

(Foto: AP)

In Seattle gilt eine Gum Wall übrigens als Sehenswürdigkeit. Was Schauspieler an der Außenwand eines Theaters als Improvisation begannen, hat sich längst verselbstständigt zu einer Melange aus Vandalismus und Kunst: Heute kleben Touristen Kaugummis an die Ziegelsteinwand, die aussieht wie ein Werk von Jackson Pollock. Mehrmals hat die Stadt die Wand wieder freigekratzt, danach geht das Pappen aber wieder von vorne los. Alles in allem also auch hier: eine zähe Angelegenheit.

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