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Ein Anruf bei:Hans Schalück, selbsternannter "Kippen-Killer"

Senioren sammeln Zigarettenkippen

"Wir können drei Stunden saugen": Hans Schalück (li.) und Hubert Rüthschilling posieren mit einem mobilen Akku-Staubsauger, mit dem sie eine Straße von Zigarettenkippen befreien.

(Foto: Friso Gentsch / dpa)

Zwei Rentner in Nordrhein-Westfalen entlasten die Stadtreinigung. Mit einem Staubsauger beseitigen sie Zigarettenstummel. Doch was treibt sie an?

Interview von Oliver Klasen

Mehr als 100 weggeworfene Zigarettenstummel pro Quadratmeter, das war die schlimmste Stelle, mit der es Hans Schalück, 78, und Hubert Rüthschilling, 71, zu tun hatten. Die beiden Rentner haben sich extra einen Staubsauger zugelegt und sind seit vier Wochen im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück unterwegs, um die giftige Hinterlassenschaft der Raucher zu beseitigen.

SZ: Herr Schalück, warum machen Sie das?

Hans Schalück: Wir sind eine der schönsten Städte in Nordrhein-Westfalen, mit einer traumhaften Altstadt, und es ist grausam zu sehen, wie die schönen alten Pflastersteine mit Kippen zugemüllt sind. Wir wollten uns engagieren, haben seit Februar getüftelt und diesen Staubsauger ein bisschen umgebaut.

Umgebaut?

Ja. Es ist ein ganz normaler Industriestaubsauger einer japanischen Firma. Die haben diese Staubsauger, den man auf den Rücken schnallen kann und mit Akkus betreibt. Eine tolle Lösung. Umbauen mussten wir ihn deshalb, weil diese Kippen haben ja vorne so leichte Haare. Deshalb pappen sie an den rauen Wänden der flexiblen Schläuche fest. Also haben wir einfach ein glattes Rohr genommen.

Und das klappt?

Ja, die Kippen floppen da rein wie nix.

Wie lang können Sie saugen?

Wir haben sechs Akkus, das heißt, wir können drei Stunden saugen. Wir werden jetzt auch angefordert von anderen Städten. Wenn nicht Urlaubszeit wäre, würden wir noch mehr arbeiten.

Woher kommt Ihr außerordentlicher Einsatz? Sie könnten sich ja auch zurücklehnen und Ihre Rente genießen.

Das ist nicht meine Art. Ich habe 1972 den zweiten Umweltschutzverein Deutschlands mitbegründet, ich war schon immer auf diesem Gebiet engagiert. Ich mache jetzt auch bei der Insektenkampagne mit, bei der es um Artenvielfalt geht. Ich habe selbst einen Insekten-Rettungswagen gebaut, aber da können wir mal später drüber reden.

Sehr gerne. Also zurück zu den Kippen. Schafft die Stadt das nicht alleine?

Nein, das geht nicht. Sie erreichen diese Kippen nicht mit dem Fegewagen der Stadtreinigung. Die verkriechen sich in den kleinen Pflastersteinen und sind teilweise so extrem eingetreten, wir müssen die immer mit einem Spezialhaken bearbeiten.

Was für ein Spezialhaken?

Das müssen Sie sich so vorstellen: An den Spezialhaken haben wir einen Kleiderhaken-Kopf drangemacht, Damit können wir in die Fugen gehen und dann ziehen wir die Kippen raus, gleichzeitig halten wir den Rüssel des Saugers dran und dann: flupp.

Verstehe.

Wir haben uns auch Staubbeutel zugelegt, die man öffnen und mehrmals verwenden kann. Auf einem Bollerwagen haben wir die Sammeleimer postiert und dann schicken wir das zu einer speziellen Recycling-Firma nach Köln.

Senioren sammeln Zigarettenkippen

Selbst die meisten Raucher, die sie ansprechen, reagieren positiv: Die beiden "Kippen-Killer" aus Rheda-Wiedenbrück.

(Foto: dpa)

Bekommen Sie denn von der Stadt eine finanzielle Anerkennung für Ihre Arbeit?

Nein, das ist rein ehrenamtlich. Wir haben für 250 Euro Staubsauger gekauft, wir haben die ersten Taschenaschenbecher gekauft für 100 Euro. Die verschenken wir an die Leute, wenn wir sehen, dass sie ihre Kippe wegwerfen. Und wir haben auch die ersten Sponsoren.

Ach wirklich?

Ja, die Recycling-Firma hat uns weitere 300 Taschen-Aschenbecher zur Verfügung gestellt.

Haben Sie selbst einmal geraucht?

Bis vor 30 Jahren. Ich war damals in der Ölbranche tätig und habe erlebt, wie sich langsam ein stärkeres Umweltbewusstsein entwickelte in der Gesellschaft. Heute macht zum Beispiel niemand mehr einen Ölwechsel im Hinterhof, so wie es früher noch üblich war. Bei den Zigaretten muss man dieses Bewusstsein eben noch schaffen.

Was sagen die Menschen in Rheda-Wiedenbrück, die Sie mit dem Staubsauger sehen?

Daumen hoch, sagen die. Selbst die meisten Raucher, die wir ansprechen, reagieren positiv. Und man sieht es auch schon: Unsere Stadt ist jetzt schon richtig schön sauber, aber ein paar Straßen fehlen noch.

Sie nennen sich "Kippenkiller". Warum so martialisch?

Man muss dem Kind ja auch einen Namen geben. Kippenkiller, das klingt einfach gut, fanden wir, und die Leute verbinden uns beide inzwischen damit.

© SZ.de/che
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