Letzte Papst-Audienz Benedikt XVI. sagt "Vergelt's Gott"

"Schwere See und Gegenwind": Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt als Papst nimmt Benedikt XVI. Stellung zu seiner Rücktrittsentscheidung. Er bedankt sich für die Unterstützung seiner Wegbegleiter - und ist gerührt vom Jubel der Gläubigen auf dem Petersplatz. Zehntausende sind gekommen, um sich von Benedikt zu verabschieden.

Die Generalaudienz zur Nachlese im Newsblog. Von Felicitas Kock

Es ist das letzte Mal, dass sich Benedikt XVI. in einer Generalaudienz an die Gläubigen gewandt hat. Und sein letzter öffentlicher Auftritt, bevor er sich am Donnerstag von den anwesenden Kardinälen verabschieden und mit einem Hubschrauber in die Sommerresidenz Castel Gandolfo fliegen wird. Die Menschen auf dem Petersplatz nahmen Abschied von einem Papst, der im Alter von 85 Jahren als erstes katholisches Kirchenoberhaupt der Neuzeit von seinem Amt zurücktreten wird.

  • Mehr als 100.000 Menschen sind zur letzten Generalaudienz Benedikt XVI. gekommen.
  • Wegen des hohen Andrangs wurde der Auftritt von der vatikanischen Audienzhalle auf den Petersplatz verlegt.
  • Der scheidende Papst bedankte sich bei den Gläubigen und allen, die ihn in den vergangenen acht Jahren unterstützt hatten.

13:33 Uhr Seehofer: Papst hat "aufgeräumten Eindruck" gemacht

Einen Eindruck von der Verfassung Benedikt XVI. konnte sich nach der Generalaudienz Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) machen. Bei einer kurzen Begegnung bedankte er sich bei dem scheidenden Papst für dessen Pontifikat. Bayern und Deutschland seien ihm "sehr, sehr dankbar". "Die Bayern sind aber auch traurig", fügte er hinzu. Er überbrachte dem Papst Grüße von Bundespräsident Joachim Gauck, den er tags zuvor in München getroffen hatte. Zudem lud er das Kirchenoberhaupt nach Bayern ein. "Die Antwort war ein sehr nettes Schmunzeln", berichtete Seehofer. Der Papst habe der Heimat alles Gute gewünscht und dabei einen "aufgeräumten Eindruck" gemacht.

13:09 Uhr Benedikts Rede im Wortlaut

Mehr als 100.000 Gläubige kamen zum letzten öffentlichen Auftritt des Papstes. Insgesamt haben mehr als fünf Millionen Menschen Benedikt XVI. bei seinen 348 Generalaudienzen besucht, wie die Präfektur des päpstlichen Hauses mitteilte. Bei seiner letzten Audienz sprach Benedikt XVI. mehrere Minuten zu den Anwesenden. Eine englische Übersetzung der Rede findet sich auf der Internetseite des Vatikanradios.

12:45 Uhr Freundlicher Abschied

(Foto: AFP)

Beim letzten öffentlichen Auftritt Benedikt XVI. war die Stimmung feierlich bis fröhlich. Die Sonne ließ den Petersplatz erstrahlen und den Gläubigen präsentierte sich ein freundlicher, bisweilen emotionaler Papst, der angesichts der vielen Besucher und des großen Zuspruchs sichtlich gerührt war. Immer wieder bedankte sich Benedikt XVI. für die Unterstützung seiner Mitarbeiter und der Gläubigen weltweit. Und immer wieder kam er auch auf seinen Rücktritt zu sprechen. Fast schien es, als wolle er sich dafür entschuldigen, zumindest rechtfertigen. Er habe die Entscheidung für die Kirche getroffen, nicht für sich selbst, betonte er.

12:30 Uhr Ein "Papst des Wesentlichen"

Der französische Kardinal Jean-Louis Tauran findet in einem Gespräch mit Radio Vatikan lobende Worte. Benedikt XVI. sei der "Papst des Wesentlichen", der die Gläubigen eingeladen habe, sich auf ihre "geistlichen Wurzeln" zu konzentrieren. Er habe "Glauben und Vernunft zusammengeführt". Kardinal Tauran wird die Aufgabe zufallen, nach der Wahl im Konklave der Kardinäle den Namen des künftigen Papstes bekanntzugeben.

11:58 Uhr "Benedetto, Benedetto"

Nachdem seine Rede in mehreren Sprachen wiederholt wurde, erhebt sich der Papst zum Gebet. Er segnet die Anwesenden und alle Gläubigen weltweit, dann geht seine letzte Generalaudienz zuende. Die Menschen, die sich vor dem Petersdom versammelt haben, brechen ein letztes Mal in Jubel aus. "Benedetto, Benedetto", schallt es über den Platz. Dann zieht sich der Papst zurück.

11:31 Uhr Grüße in die Heimat

Benedikt XVI. spricht einige Worte auf Deutsch - und richtet sich an die Gläubigen aus der Heimat: "Ein herzliches Vergelt's Gott sage ich meinen Brüdern und Schwestern deutscher Sprache. Und ich danke der Traunsteiner Blaskapelle, dass sie die Bayernhymne so schön gespielt hat." Noch einmal bedankt er sich auch bei allen, die ihm nach der Verkündung seines Rücktritts Verständnis entgegengebracht hatten.

11:18 Uhr Kein Rückzug ins Privatleben

(Foto: AFP)

Immer wieder kommt Benedikt XVI. auf seine Rücktrittsentscheidung zu sprechen. "Ich habe diesen Schritt getan im vollen Bewusstsein seiner schwere und seiner Novität. Die Kirche zu lieben bedeutet auch, den Mut zu haben, schwere, harte Entscheidungen zu treffen," sagt er. Nach seinem Rücktritt kehre er nicht ins Privatleben zurück. Er verlasse das Kreuz nicht, sondern bleibe "auf neue Art und Weise" beim gekreuzigten Herrn.

11:11 Uhr Ein Papst ist nie allein

Der Papst bedankt sich bei seinen Mitarbeitern, die ihm immer wieder geholfen hätten, die eine sichere und zuverlässige Unterstützung gewesen seien. Sie, aber auch die Gläubigen auf der ganzen Welt, hätten ihm bei seinen Gottesdiensten und Reisen gezeigt, dass er nie allein sei. "Alle fühlen sich dem Papst nahe".

11:10 Uhr Schöne und schwierige Momente

Benedikt kommt auf den Beginn seiner Amtszeit zu sprechen. Als er vor acht Jahren das Pontifikat angenommen hat, habe er gefragt: "Herr, warum forderst du das von mir und was forderst du?" Er habe das Amt als große Bürde betrachtet. Acht Jahre später könne er sagen, dass Gott ihn geleitet habe. Er habe Momente der Freude, aber auch schwierige Momente, "aufgewühlte See und Gegenwind" erfahren.

11:03 Uhr "Ich bin gerührt"

Papst Benedikt dankt den Gläubigen, dass sie zur letzten Generalaudienz seines Pontifikats zusammengekommen sind. "Ich bin gerührt", sagt der 85-Jährige. Seine Seele weite sich, um die gesamte Kirche zu umarmen.

10:53 Uhr Brief des Apostels Paulus an die Kolosser

Der Papst ist auf die Bühne getreten und hat die Gläubigen mit ausgebreiteten Armen begrüßt. Während in verschiedenen Sprachen aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser vorgelesen wird, nimmt Benedikt XVI. auf seinem Stuhl platz. Unter den Menschen auf dem Petersplatz ist Ruhe eingekehrt.

10:40 Uhr Benedikt XVI. auf dem Petersplatz

Benedikt der XVI. ist auf dem Petersplatz angekommen. Im Papamobil und von mehreren Sicherheitsleuten begleitet fährt der 85-Jährige an den Gläubigen vorbei. Immer wieder dreht er sich nach links und rechts und winkt den jubelnden Menschen zu. Zwischendurch wird ihm ein Baby gereicht, das er auf die Stirn küsst.

10:28 Uhr Strahlender Sonnenschein und gute Stimmung

(Foto: AFP)

Wenige Minuten vor dem Auftritt des Papstes ist der Petersplatz voll mit Menschen. In der Nacht, nachdem Benedikt XVI. seinen Rücktritt ankündigte, schlug der Blitz in den Petersdom ein. Jetzt strahlt die Sonne über dem zentralen Bauwerk des Vatikans. BBC-Reporter Jon Sopel ist vor Ort, er beschreibt die Atmosphäre auf dem Petersplatz als fröhlich und ausgelassen. Es werde viel gesungen, fast wie bei einem Fußballspiel.

10:10 Uhr Der deutsche Papst

"Wir müssen die letzte Gelegenheit ergreifen, unseren Papst noch einmal live zu sehen. Es war etwas besonderes, dass er aus Bayern ist", sagt ein Besucher auf dem Petersplatz einer Reporterin des ZDF. Unter den Menschen, die jetzt auf den Auftritt Benedikt XVI. warten, sind tausende Gläubige aus Deutschland, die nach Rom gereist sind, um sich von "ihrem" Papst zu verabschieden.

09:43 Uhr Mögliche Nachfolger

Der angesehene Kardinal Peter Turkson aus Ghana, der junge Erzbischof Odilo Scherer aus Brasilien oder doch der Ratzinger-Schüler Christoph Schönborn aus Wien? Seitdem Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt angekündigt hat, häufen sich Spekulationen über seine Nachfolge. Hier finden Sie einen Überblick über aussichtsreiche Kandidaten.

09:30 Uhr Konklave bereits vor 15. März möglich

Wer Benedikt XVI. als Heiliger Vater nachfolgen wird, werden die mehr als 100 Kardinäle des Konklaves entscheiden. Dieses kann schon früher beginnen als gedacht - bereits vor dem 15. März, wie Vatikansprecher Federico Lombardi verkündete. Normalerweise darf die Versammlung der wahlberechtigten Kardinäle erst 15 bis 20 Tage nach dem Beginn der Sedisvakanz ("leerer Stuhl Petri") zusammentreten. Da der Rücktrittstermin jedoch bereits seit Wochen bekannt sei, hätten die Kardinäle genügend Zeit  gehabt, sich auf eine Anreise vorzubereiten.

09:13 Uhr "Betet für mich"

Bereits bei seiner Audienz am 13. Februar hatte Benedikt XVI. den Gläubigen seine Rücktrittsentscheidung erklärt. Sie sei "in voller Freiheit" zum Wohle der Kirche gefallen. Er sei sich bewusst geworden, dass er das Pontifikat nicht mehr mit der dafür notwendigen Kraft fortführen könne. "Betet für mich", bat Benedikt die Anwesenden. Er ist das erste katholische Kirchenoberhaupt der Neuzeit, das sich mit einem Rücktritt aus dem Amt verabschiedet.

09:00 Uhr Vorbereitungen auf den Ansturm der Gläubigen

Vorbereitungen auf die letzte Generalaudienz Benedikt XVI.

Vorbereitungen auf die letzte Generalaudienz Benedikt XVI.

(Foto: Getty Images)

Seit Tagen haben Helfer die letzte Generalaudienz des amtierenden Papstes vorbereitet. Tausende graue Plastikstühle wurden aufgestellt, Gerüste mit Lautsprechern aufgebaut, Kameras installiert. Wegen des erwarteten großen Andrangs wurde der letzte öffentliche Auftritt Benedikt XVI. auf den riesigen Petersplatz verlegt - dennoch wird der Platz für die Masse an Gläubigen wohl nicht ausreichen.

Nach dem letzten öffentlichen Auftritt wird das achtjährige Pontifikat des deutschen Papstes offiziell am Donnerstag um 20 Uhr enden. Bereits einige Stunden zuvor will er sich mit dem Hubschrauber ausfliegen lassen, um die päpstliche Sommerresidenz zu beziehen.