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Buchenwald:Massengräber als Rodelbahn

Gedenkstätte Buchenwald

Ein Zaun des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald.

(Foto: picture alliance / Jan Woitas/dp)

Wintersportler haben die trichterförmigen Grabstätten der KZ-Gedenkstätte zum Schlittenfahren genutzt. Weitere Verstöße gegen die Totenruhe sollen nun angezeigt werden.

Von Juri Auel

Am Mahnmal des früheren Nazi-Konzentrationslagers Buchenwald sind offensichtlich mehrere Menschen Schlitten gefahren und haben dabei Massengräber als Rodelbahnen benutzt. Aus diesem Grund, so teilte die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora mit, würden die Sicherheitsvorkehrungen nun verstärkt.

Die Stiftung bittet nun ausdrücklich darum, die Würde der Toten zu wahren und jeglichen Wintersport im gesamten Bereich des ehemaligen Lagers und der Friedhöfe zu unterlassen. "Für die Winterzeit bitten wir die Besucherinnen und Besucher der Mahnmalsanlage um ein Verhalten, das der Würde des Ortes angemessen ist. Verstöße gegen die Besucherordnung können wir an diesem Ort nicht dulden. Insbesondere Fälle von Störungen der Totenruhe durch Wintersportaktivitäten nahe der Grabanlagen werden wir zur Anzeige bringen", heißt es in einer Mitteilung.

"Letztes Wochenende war viel los, viele Schlittenspuren wurden auf den Gräbern gefunden und der Parkplatz war voll", sagt Historiker Rikola-Gunnar Lüttgenau, bei der Stiftung für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, der Süddeutschen Zeitung. Bei den Grabstätten handele es sich um Massengräber, die als sogenannte Ringgräber gestaltet seien. Erdtrichter also, in denen die SS Tausende Leichen verscharrt habe.

Immer wieder verhalten sich Menschen in den Gedenkstätten unangemessen und gehen dort zum Beispiel mit ihren Hunden Gassi. Lüttgenau berichtet im Gespräch mit der SZ, dass der Ort schon seit 1945 immer wieder missbräuchlich genutzt oder geschändet werde. Sportliche Aktivitäten seien in der Besucherordnung inzwischen explizit verboten. Spazierengehen sei in Ordnung - auch dabei reden oder diskutieren stelle kein Problem dar. "Nur mit seinem Pferd durch das Lagergelände zu reiten oder Mountainbike-Strecken anzulegen ist eben kein angemessenes Verhalten", sagt der Historiker.

Wichtig sei, so erklärt Lüttgenau, immer wieder daran zu erinnern, was der Charakter dieses Ortes sei. Der Umgang damit könne sich durchaus wandeln und neue Formen annehmen, wenn der Blick auf die Besonderheit des Platzes erhalten bleibe. So sei es zum Beispiel legitim, Selfies von sich in der Gedenkstätte zu schießen - wenn damit die Botschaft einherginge, wie wichtig es sei, einen solchen Ort wie das Mahnmal zu besuchen.

Das 1958 eingeweihte Mahnmal ist Teil der Gedenkstätte auf dem Gelände des einstigen NS-Konzentrationslagers Buchenwald in Weimar. Der Stiftung zufolge war Buchenwald am Ende des Zweiten Weltkriegs das größte KZ im Deutschen Reich. Mehr als 56 000 Menschen starben dort an Folter, medizinischen Experimenten und Auszehrung.

© SZ/afis
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