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Kuriositäten des Konklaves:Christliche Chaostage

Papstwahl im Vatikan

Abstimmungen unter freiem Himmel und eine Taube als personifizierter Heiliger Geist (im Bild das Heilig-Geist-Fenster im Petersdom): Das Konklave lief nicht immer nach dem heutigen Schema ab.

(Foto: dpa)

Mit Taube, ohne Dach oder bei Wasser und Brot: Das traditionsreiche Konklave verlief nicht immer so zivilisiert, wie wir es heute kennen. Anekdoten aus vergangenen Jahrhunderten, von Zufallspäpsten bis zu Freiluft-Abstimmungen.

Stellen Sie sich vor, eine Taube lässt sich auf Ihrem Kopf nieder. Was würden Sie tun? Vermutlich würden Sie erschrecken, fluchend das Tier verscheuchen und hoffen, dass das dreiste Federvieh sich nicht auch noch auf Ihnen erleichtert hat. Anders war das im Jahre 236: Einer Legende nach landete während des Konklaves nämlich eine Taube auf dem Kopf eines Papstanwärters. Der Betroffene, der nicht gerade zum Kreis der Favoriten gezählt hatte, wurde ohne Umschweif einstimmig zu Papst Fabian I. erhoben - die Kardinäle waren der Meinung, dass es sich um ein eindeutiges Zeichen des Heiligen Geistes handelte. Die Regeln des Konklaves waren zu dieser Zeit noch flexibler.

Wesentlich zäher verlief hingegen die Wahl von Gregor X. im 13. Jahrhundert. Als eineinhalb Jahre nach dem Tod seines Vorgängers noch immer kein neuer Papst gewählt war, setzte der Bürgermeister der italienischen Stadt Viterbo die Kardinäle auf eine sehr einseitige Diät: Bis zur Bestimmung eines neuen Kirchenobersten sollten die Würdenträger nur noch mit Wasser und Brot versorgt werden. Weil dies die Einigung noch immer nicht beschleunigte, ließ er schließlich das Dach des Saales abdecken, in dem das Konklave abgehalten wurde. Erst als das Wetter sich drastisch verschlechterte, war man sich endlich einig und ernannte nach drei Jahren katholischer Führungslosigkeit einen neuen Papst. Nach diesem christlichen Chaos kein Wunder also, dass Gregor X. daraufhin den Ablauf erstmals schriftlich regelte und damit anno 1274 die Grundlage für das Konklave in seiner heutigen Form schuf.

Im Gegensatz dazu fiel die Papstwahl im Jahr 1978 durch ihre Kürze auf. Johannes Paul I. wurde - so wie auch Benedikt XVI. - innerhalb von nur 24 Stunden gewählt. Kurz darauf trafen die Kardinäle aber gezwungenermaßen erneut aufeinander: Johannes Paul I. starb nämlich nach nur 33 Tagen im Amt. Noch mehr Pech hatte Stephan II. im Jahr 752: Er verschied bereits vier Tage nach seiner Wahl, noch vor der offiziellen Weihe, und wird daher oft nicht als Papst mitgezählt.

Dass der strenge Speiseplan von Wasser und Brot aus dem 13. Jahrhundert nicht die Regel blieb, wurde den versammelten Kardinälen 1903 zum Verhängnis. Durch einen verunreinigten Kupferkessel, in dem eine warme Mahlzeit zubereitet wurde, erlitten beinahe alle Anwesenden eine Lebensmittelvergiftung. Kardinal Anton Gruscha, Erzbischof von Wien, blieb damals als Einziger verschont - er ließ sich seine Mahlzeit von der Schweizergarde kommen.

Während zu den Wahlversammlungen in den ersten Jahrhunderten des Christentums die Kardinäle noch an den Haaren ins Konklave-Gebäude geschleift und dort eingesperrt wurden - woher die Zusammenkunft auch ihren Namen bezieht -, kommen die Wahlberechtigten heute freiwillig und residieren im Gästehaus Domus Sanctae Marthae. Ebenfalls ausgestorben ist - zum Glück der Päpste - eine Volkstradition aus dem Spätmittelalter: Anstatt Jubel Zehntausender Menschen erwarteten einen neugewählten Pontifex Raub und Verwüstung. Diesem destruktiven Brauch nach plünderten die Römer nach der Namensverkündung Papstpalast und Konklavezelle des Neuen und rissen diese manchmal sogar komplett ab.

Wesentlich moderner, aber irgendwie so gar nicht im Sinne des Katholizismus ist die heutige Wettkultur, die auch auf die diesjährige Papstwahl übergreift: Britische Buchmacher nehmen bereits Wetten zum Konklave an, gesetzt werden kann auf jeden der teilnehmenden Kardinäle. Den Quoten zufolge ist Kardinal Peter Turkson aus Ghana der Favorit für den Stuhl des Pontifex.

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