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Erdbeben in Kroatien:"Unsere Sachen flogen durch die Wohnung"

Weitere Erdbeben in Kroatien

Die Bewohner der kroatischen Hauptstadt Zagreb sind nach draußen geflüchtet, um sich vor dem Erdbeben in Sicherheit zu bringen.

(Foto: Filip Horvat/dpa)

Für viele Menschen in Kroatien kommt das Erdbeben nicht überraschend. Dennoch ist der Schock groß, als die Erde wackelt.

Von Marija Barišić und Theresa Crysmann

Nur zehn Kilometer unter der Erdoberfläche begann es am Dienstagmittag zu knirschen. Mit einer Wucht von 6,4 auf der Richterskala erschütterte ein schweres Erdbeben Kroatien und ließ auch in den Nachbarländern die Häuser wackeln. Sogar im oberbayerischen Rosenheim war das Beben noch zu spüren.

Etwa eine Autostunde südöstlich von Zagreb liegt das Epizentrum dieses stärksten Erdbebens seit mehr als 140 Jahren in der Region. Während Soldaten und Krisenteams des Kroatischen Roten Kreuzes dort nach Überlebenden suchen und sich um verletzte und obdachlose Menschen kümmern, sind die Bewohner in der Hauptstadt inzwischen in ihre Häuser zurückgekehrt.

Vid Hribar ist 27 Jahre alt und in Zagreb aufgewachsen. Mit seiner Verlobten lebt er in einer Wohnung in der Nähe des Stadtzentrums. Als es um halb eins "zu schaukeln" begann, wie er am Telefon erzählt, war das Paar gerade zu Hause und wollte Kaffee trinken: "Zuerst war es ein leichtes Schaukeln, dann wurde es immer stärker und unsere Sachen flogen durch die Wohnung."

Das Paar habe sich sofort an die tragende Wand der Wohnung gelehnt und die zwanzig Sekunden abgewartet - so lange habe das Beben in etwa gedauert, erinnert sich Hribar. Danach seien die beiden mit ihrem Hund über die Treppe nach draußen geflüchtet, wo die ganze Stadt zusammengekommen sei. "Alle, wirklich alle waren draußen, die Feuerwehr, die Rettung, die Polizei. Viele Menschen haben geweint, panisch herumgeschrien und verzweifelt versucht, ihre Liebsten zu erreichen." Immer wieder sei das Mobilfunknetz zusammengebrochen, was kurz darauf auch in kroatischen Medienberichten nachzulesen war.

"In Zagreb wird es früher oder später ein heftiges Erdbeben geben, das wussten wir alle"

Hribar und seiner Familie geht es im Moment gut, "Gott sei Dank", betont er. Am Wohnhaus sei nur ein bisschen Fassade abgebröckelt, mit Ausnahme des Lifts sei fast nichts beschädigt worden. "Das Gebäude wurde in den 1960er-Jahren gebaut, als es in der Bevölkerung schon ein größeres Bewusstsein für die stärkeren Erdbeben gab", erzählt er.

Schon in der Schule seien sie immer wieder darauf vorbereitet worden: "Ich kann mich gut daran erinnern, dass mir als Kind immer schon gesagt wurde: In Zagreb wird es früher oder später ein heftiges Erdbeben geben, das wussten wir alle." In der Stadt seien nun vor allem die Menschen, die in älteren Wohnhäusern leben, betroffen.

Noch mehr allerdings sind es die Bewohner der Stadt Petrinja bei Sisak, in deren Nähe das Epizentrum des Erdbebens liegt. Dort und in umliegenden Dörfern kommen mindestens sieben Menschen ums Leben. "Gerade dieses Städtchen, das ohnehin wirtschaftlich nicht gut dasteht", bedauert Hribar.

Für ihn wie für viele andere Bewohner aus Zagreb ist das Beben zwar schockierend, aber "nicht überraschend." Zwei Stunden lang sei er mit seiner Verlobten durch die Stadt spaziert, um sich vor einem möglichen Nachbeben zu schützen. "Jetzt sind wir zu Hause und sicher. Und hoffentlich bleibt das so."

© SZ/saul
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