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Krawalle in London:Baseballschläger werden in Großbritannien zum Verkaufsschlager

60 Zentimeter lang, 400 Gramm schwer, im Sonderangebot und auch als Geschenk verpackt: Auf der britischen Seite des Onlineversandhandels Amazon explodieren die Verkaufszahlen von Baseballschlägern. Der Absatz von Schlagstöcken ist gar um das 400-fache gestiegen. Mittlerweile hat das Unternehmen reagiert - halbherzig.

In der Liste der meistgeklickten Produkte bei Amazon Großbritannien steht er am Donnerstag an zweiter Stelle: ein Aluminium-Baseballschläger des niederländischen Sportartikelherstellers Rucanor, 60 Zentimeter lang, 400 Gramm schwer - und auch noch im Sonderangebot: 17,15 britische Pfund (umgerechnet knapp 20 Euro) statt 21 Pfund. Für einen kleinen Aufpreis verschickt Amazon die Schläger auch als Geschenk verpackt.

Baseballschläger bei Amazon

Reißenden Absatz finden derzeit Baseballschläger und Schlagstöcke bei Amazon Großbritannien. Zumindest letztere hat der Versandriese mittlerweile aus dem Sortiment genommen.

(Foto: www.amazon.co.uk)

Der Absatz von Prügelhilfen aller Art ist in Großbritannien seit dem Ausbruch Krawalle drastisch gestiegen. Davon hat auch Amazon profitiert, der weltweit führende Internetversand. Während sich der Sportschläger hier weiter großer Beliebtheit erfreuen darf, sind andere Schlagwerkzeuge mittlerweile aus dem Sortiment genommen.

Der Absatz von zwei verschiedenen Schlagstöcken, wie sie Polizisten verwenden, ist nach Angaben des Guardian um mehr als das 400-Fache gestiegen. Vorübergehend landeten die Knüppel in der Liste der meistverkauften Artikel in der Kategorie "Sport & Freizeit". Um 50 Prozent sei der Verkauf eines Schlagstock-Modells aus Aluminium innerhalb von 24 Stunden gestiegen.

"Billige und schnelle Waffe"

Wer nach dem entsprechenden Schlagwort sucht, bekommt im Sport-Segment noch einen Treffer: Mit einem "Truncheon Belt Carry Strap Holder" kann der geneigte Käufer sein Schlagutensil am Gürtel befestigen.

Im Produktbewertungsbereich von Amazon wird indes heftig darüber diskutiert, wer für den reißenden Absatzes der echten Schlagwerkzeuge verantwortlich ist. Dabei sind die Meinungen geteilt, ob der Verkaufsanstieg den randalierenden Jugendlichen zuzuschreiben ist oder doch eher all jenen, die als Reaktion auf die Krawalle nach Selbstverteidigungswaffen suchen.

"Dieser Artikel wird offensichtlich als billige und schnelle Waffe in den Londoner Unruhen missbraucht. Verbannt ihn sofort", zitiert der Guardian den Amazon-User Patrick Hoelscher. Der Appell hat offenbar gewirkt: Das betreffende Produkt ist inklusive aller Kommentare mittlerweile von der Amazon-Seite verschwunden.

Der Nutzer Right Thinking Chap gibt dagegen eine Verkaufsempfehlung für einen Aluminium-Baseballschläger: "Für diejenigen unter uns, die es nicht schätzen, von einem Arbeitslosen mit einem Schal ums Gesicht und einer Vorliebe für Plasma-Fernseher aufgesucht zu werden, ist dies das richtige Produkt."

Das amerikanische Online-Magazin Slate wundert sich, warum die Briten - Randale hin, Selbstverteidigung her - Baseball- und nicht Cricket-Schläger kaufen. Schließlich ist das der britische Nationalsport. Die Vermutung: Baseballschläger seien als Gewaltwerkzeug in Filmen populärer als Cricket-Schläger und außerdem leichter und damit besser zu schwingen.

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