Kinofilm Sesamstraße verklagt Nachmacher

Melissa McCarthy und Figuren, die aussehen, als seien sie aus der Sesamstraße verärgern deren Macher - die nun klagen.

(Foto: STX Entertainment)

In den USA läuft ein Film an, in dem Filzpuppen unerhörte Dinge sagen, tun und Sex haben. "The Happytime Murders" sehen aus, als seien sie aus der kinderfreundlichen Serie - sind aber nicht jugendfrei.

Von Kathrin Werner, New York

Was ist bloß aus der guten alten "Sesamstraße" geworden? Plötzlich gibt es bei den lustigen Puppen Flüche, Mord und Totschlag, Prostitution - und sogar Ejakulation. Aber ist das überhaupt die "Sesamstraße" oder schaut es nur verdächtig nach "Sesamstraße" aus? Der Trailer, der in den USA seit Kurzem zu sehen ist, gehört zum Film "The Happytime Murders", neben diversen Filzpuppen wirkt die Schauspielerin Melissa McCarthy mit. Im Sommer soll er in die Kinos kommen.

Bei den Machern der echten "Sesamstraße", einem gemeinnützigen Verein namens Sesame Workshop, kommt der Film nicht gut an. Vor allem der Werbespruch "No Sesame. All Street.", der groß auf die Plakate gedruckt ist, stößt den Machern der kinderseelenfreundlichen Sendung übel auf, schließlich verwendet er eindeutig ihren Namen. Sie haben nun vor einem Gericht in New York die Filmfirma STX wegen Beschädigung der Marke verklagt.

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"Zwei Puppen haben Sex, der in einer Szene gipfelt, in der eine Marionette reichlich ejakuliert", beschweren sich die "Sesamstraße"-Anwälte in der Klageschrift. Der Trailer solle die Zuschauer verwirren, damit sie glauben, die echte "Sesamstraße" habe den Film erlaubt oder sogar gebilligt. "Den Beklagten gehört die Marke SESAME STREET nicht und sie haben kein Recht, sie zu benutzen", schreiben die Anwälte. "Die Gefahr einer irreparablen Verletzung der Marke Sesam kann gar nicht höher eingestuft werden."

Die Figuren sehen tatsächlich aus, als habe sie Jim Henson erfunden. Henson schuf viele der ursprünglichen Puppen für die "Sesamstraße" und ist der Puppenmacher hinter der "Muppet Show". Die "Happytime Murders"-Puppen haben Muppets-ähnliche Gesichter, allerdings sehen sie böser und schmutziger aus. Das Krümelmonster, Bibo oder Kermit, der Frosch, tauchen in dem Kinostreifen nicht auf, die Rechte an den Figuren gehören inzwischen zum Teil zu Disney und zum Teil dem Sesame Workshop. Aber ganz losgelöst von den Muppets ist "The Happytime Murders" nicht: Brian Henson, der Sohn des Original-Puppenmachers, führte Regie, und die Jim Henson Company zählt neben STX zu den Produktionsfirmen.

"Wenn Kermit und Miss Piggy abends heim kommen und die Kinder nicht da sind, wird es schmutzig."

In "Happytime Murders" geht es, grob gesagt, um eine brutale Mordserie an der ehemaligen Besetzung einer beliebten Puppen-Fernsehshow. Der Film hat von der amerikanischen Jugendschutzbehörde das Siegel "R" bekommen, Kinder dürfen ihn also nicht schauen. Das überrascht nicht, schließlich zieht sich zum Beispiel der Charakter, den Melissa McCarthy spielt, ein glitzerndes Pulver per Zuckerstange in die Nase und bekommt diverse Angebote für Liebesdienste gegen Bezahlung von Figuren aus Filz.

Auf die Klage ließ STX übrigens Fred Esq. antworten, einen wuscheligen Puppenanwalt mit Krawatte. "Obwohl wir enttäuscht sind, dass die Sesamstraße den Spaß nicht teilt, sind wir von unserer Rechtslage überzeugt", schrieb er in einem Statement, nebst Porträtfoto. "Wir freuen uns darauf, den erwachsenen Kinobesuchern im Sommer unsere liebenswerten Charaktere vorzustellen, die keine Anstalten machen, sich für etwas zu entschuldigen."

Vor Gericht befassen sich echte Menschen mit der Klage, auch sie mit mäßigem Ernst. "Die Puppen sind Erwachsene, die sich tagsüber im Umgang mit Kindern gut benehmen, nachts aber, nun ja, ein sehr erwachsenes Privatleben haben", schrieb STX-Filmchef Adam Fogelson ans Gericht. Er sei sich mit Brian Henson einig: "Wenn Kermit und Miss Piggy abends heimkommen und die Kinder nicht da sind, wird es schmutzig."

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