Kicktipp zur Fußball-WM "Mit mehr Hintergrund würden wir bestimmt anders tippen"

Sandra N. (links) und Leah G. wurden von ihren Freunden zum WM-Tipp gedrängt - und überholten sie alle.

(Foto: oh)

Wie schafft man es beim WM-Tipp auf Platz eins? Bloß nicht zu viele Infos sammeln - und auf Cristiano Ronaldo setzen.

Interview von Max Sprick

Zwei Fragen beschäftigen gerade so ziemlich jeden, der sich halbwegs für Fußball interessiert: Wer wird Weltmeister? Und wie schaffe ich es, in meinem Tippspiel mehr Punkte zu machen? Fünf Millionen Menschen tippen allein beim größten deutschen Anbieter die WM-Spiele in Russland, vergleichen sich mit Freunden, Kollegen oder in einer offenen Tipprunde mit völlig Fremden. Besonders erfolgreich sind Sandra N. und Leah G. aus Coesfeld im Münsterland. Die beiden 16 und 17 Jahre alten Schülerinnen lagen in der offenen Runde mit mehr als 50 000 Teilnehmern an den ersten sechs Spieltagen auf Platz eins. Erst die Ergebnisse von Spanien und Portugal ließen sie zuletzt etwas abrutschen. Wie wird man so erfolgreich?

Seid ihr Fußballfans?

Sandra N.: Überhaupt nicht. Fußball hat uns bis zur WM kein bisschen interessiert.

Wie kamt ihr dann auf die Idee, die Spiele zu tippen?

Leah G.: Freunde von uns wollten eine Tipprunde eröffnen, hatten aber zu wenig Teilnehmer. Sie haben uns ständig gefragt, ob wir mitmachen wollen.

Sandra N.: Wir hatten eigentlich gar keine Lust. Ihnen zuliebe haben wir uns dann doch die App runtergeladen, sind in ihre Gruppe eingetreten und haben auch gesehen, dass es eine offizielle Runde gibt. Da wollten wir dann auch mittippen. Wenn schon, denn schon.

Leah G.: Am ersten Spieltag haben wir alle möglichen Bekannten um Hilfe gebeten. Wir kannten uns ja null aus.

Von den acht Spielen am ersten Spieltag habt ihr dreimal das richtige Ergebnis getippt, fünfmal die richtige Tendenz.

Sandra N.: Damit lagen wir mit einem Punkt Rückstand auf dem zweiten Platz. Natürlich hätten wir nie mit so vielen richtigen Tipps gerechnet - aber dann wollten wir oben dran bleiben.

Leah G.: Wir haben angefangen, jedes Spiel zu schauen. Wenn das wegen unserem Unterricht nicht geht, rennen wir in den Pausen raus und gucken sofort, wie es überall steht.

Habt ihr inzwischen eine Taktik beim Tippen?

Leah G.: Wir gucken die Spiele und vergleichen die vorherigen Ergebnisse mit der gegnerischen Mannschaft. Dann überlegen wir, welcher Mannschaft wir den Sieg zutrauen. Beim Ergebnis achten wir darauf, realistisch zu bleiben. So ein 6:1 passiert ja eher selten.

Ihr teilt euch einen Account - seid ihr auch mal uneins über einen Tipp?

Leah G.: Eigentlich sind wir oft einer Meinung. Falls wir uns gar nicht einigen können, fragen wir unsere Eltern, welchen Tipp sie besser finden, und nehmen den.

Beschafft ihr euch viele Informationen zu den jeweiligen Mannschaften?

Sandra N.: Wir lesen keinerlei Artikel zur WM. So sehr interessiert uns Fußball jetzt auch wieder nicht.

Leah G.: Vielleicht ist das unser Geheimnis. Wenn wir mehr Hintergründe über einzelne Teams und Spieler wüssten, würden wir bestimmt anders tippen.

Wie kommt euer Erfolg bei euren Freunden an?

Sandra N.: Dass wir so weit vorne liegen, glaubt uns erst mal niemand. Alle unterstellen uns, wir würden betrügen - dabei kann man das gar nicht. An den ersten sechs Spieltagen haben wir 83 Prozent der Ergebnisse richtig getippt. Die Mädels freuen sich für uns und unterstützen uns, die Jungs gönnen uns den Erfolg nicht und sind neidisch.

Leah G.: Viele fragen uns inzwischen, wie wir dieses oder jenes Spiel tippen würden. Aber unsere Tipps verraten wir nicht.

Dann aber wenigstens uns, bitte: Wer wird Weltmeister?

Sandra N.: Wir haben beim Turnierstart auf Portugal getippt. Da kannten wir wenigstens Cristiano Ronaldo.

Nahaufnahme Richtig getippt

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Richtig getippt

Janning Vygen, gebürtiger Duisburger, wollte eigentlich Jurist werden. Aber dann hat er mit dem Internet-Portal Kicktipp.de einen Coup gelandet.   Von Peter Eßer