Katholische Kirche:Bistum Essen verspricht "größtmögliche Transparenz"

Dies allerdings könnte sich nun durch den Fall des verschwenderischen Bischofs Tebartz-van Elst ändern, mit moralischer Unterstützung des armutspredigenden Papstes in Rom. Erschrocken durch den Furor, der sich da erhoben hat, haben nun gleich mehrere Bistümer ihr bischöfliches Vermögen offen gelegt: Das Erzbistum München-Freising gibt die Bilanzsumme des Bischöflichen Stuhls mit 27,6 Millionen Euro an. Das Bistum Speyer nennt ein Vermögen von 46,5 Millionen, die Bistümer Essen und Münster geben 2,2 beziehungsweise 2,37 Millionen Euro an.

Das Geld in Essen stammt im Wesentlichen aus zwei Erbschaften. Das Erzbistum Hamburg will da nicht zurückstehen. Dort sind es 35 Millionen Euro minus 8,2 Millionen Euro Verbindlichkeiten. So viel Geld wie in Limburg steht also keinem Bischof zur Verfügung. Ansonsten sagen die Zahlen aber noch nicht sehr viel. Außer, dass es mit Ausnahme von München nun eher die armen und kleinen Bistümer sind, die mehr Transparenz praktizieren.

Noch wichtiger war der Schritt des Bistums Essen, die gesamten Finanzen im Stile einer Aktiengesellschaft auszuweisen, mit Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnungen. In Essen kann man längst nachlesen, woher das Geld kommt und wohin es fließt; wie hoch das Eigenkapital ist (125 Millionen Euro) und wozu es dient (Instandhaltung der Gebäude, Risikovorsorge und anderes). Jetzt kommen die Zahlen über den Bischöflichen Stuhl hinzu. "Größtmögliche Transparenz" sei nötig, sagt Overbeck.

Auch das Erzbistum München möchte von der kameralistischen Buchhaltung, bei der nur die Einnahmen und die Ausgaben zusammengezählt werden, auf die Bilanzbuchhaltung umstellen, bei der auch alles Vermögen und alle Schulden aufgelistet werden. Die evangelische Kirche in Deutschland hat bereits vor einiger Zeit angekündigt, dass ihre 20 Landeskirchen nach und nach echte Bilanzen veröffentlichen werden.

So könnte, am Ende der Affäre um den verschwenderischen Bischof, mehr Transparenz bei den Finanzen der katholischen Kirche stehen, was ein großer Fortschritt wäre: Nur wer offen mit dem Geld umgeht, wer sagt, woher er es hat und was er damit tut, kann auf das Vertrauen der Gläubigen und der Öffentlichkeit hoffen.

Zunächst einmal aber hat den Schaden die ganze Kirche, mitsamt ihren vielen Verbänden und Organisationen. Darunter die Caritas, die sich als "Anwalt der Armen" versteht. Das Spendenaufkommen sei in Gefahr, sagt Peter Neher, der Caritaspräsident. Er ist ein leiser Mensch; aber was in Limburg geschehen sei, mache ihn "traurig und wütend". Die Caritas veröffentlicht seit einiger Zeit einen transparenten Geschäftsbericht. Neher sagt, er finde den Kurs des Essener Bischofs Overbeck "beispielhaft für die Kirche in Deutschland".

Gelingt es nicht, das Vertrauen zurückzugewinnen, dass die Kirche insgesamt Gutes tut mit ihrem Geld, steht das gesamte Staat-Kirche-Verhältnis auf dem Spiel. Das wissen alle, auch die Bischöfe.

© SZ vom 16.10.2013/fran
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