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JVA Aachen:Ausbrecher fliehen in gestohlenem BMW

Die Polizei fahndet weiter nach den aus der JVA Aachen geflohenen Schwerverbrechern. Sie sind in einem schwarzen BMW unterwegs, den sie in Essen gestohlen hatten.

Nach ihrem spektakulären Ausbruch aus dem Aachener Gefängnis sind die beiden bewaffneten Schwerverbrecher Peter Paul Michalski (46) und Michael Heckhoff (50) weiter auf der Flucht. Die Polizei sucht nun nach einem schwarzen BMW der 5er-Reihe.

Ein Mannschaftswagen der Polizei im Essener Stadtteil Kettwig

(Foto: Foto: dpa)

Die beiden Ausbrecher hätten das Auto mit dem amtlichen Kennzeichen E - PS 1010 im Laufe des Samstages von einem Ehepaar in Essen entwendet, teilte die Polizei in Köln mit. Die Täter seien mit dem Wagen auf der Flucht. Eine Großfahndung sei eingeleitet worden. Die Eheleute sind nach Angaben der Polizei unverletzt.

Einen Bericht der Bild-Zeitung, wonach die beiden Ausbrecher das Ehepaar überfielen und sich am Samstag stundenlang von ihren Opfern in deren Auto herumfahren ließen, wollte ein Polizeisprecher nicht kommentieren. Nach Angaben der Zeitung war das Ehepaar gegen 19 Uhr in Mülheim-Saarn freigelassen worden. Die Ausbrecher seien mit dem Auto, 200 Euro ihrer Opfer und Karten für die Niederlande weitergeflüchtet.

Einer der Täter habe nach Angaben der Zeitung eine Schiebermütze, der andere einen "Völkl"-Rucksack getragen. Nach der Freilassung des Ehepaares seien sie zunächst auf einem Parkplatz an der Ruhrtalbrücke der A 52, dann auf der A 40 an der Autobahnausfahrt Essen-Kray gesehen worden. Auch zu diesen Angaben wollte die Polizei sich nicht äußern. Die Ermittler wiesen nochmals auf die Gefährlichkeit der beiden Männer hin.

Haftbefehl gegen JVA-Bediensteten

Bei ihrem Ausbruch hatten die beiden Männer anscheinend fachkundige Hilfe: Ein Bediensteter der Justizvollzugsanstalt Aachen soll die Gefangenen "vorsätzlich aus der JVA herausgeschleust und mit schussbereiten Dienstwaffen nebst Munition ausgestattet haben", wie die Düsseldorfer Staatskanzlei mitteilte.

Der 40 Jahre alte Mann war bereits am Freitag festgenommen worden. Ein Richter erließ nun Haftbefehl. Zur Sache habe der Beschuldigte nichts ausgesagt. Ihm werden unter anderem Gefangenenbefreiung im Amt, Beihilfe zur Geiselnahme und Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Die Ermittler waren dem Mann nach einer Auswertung von Videoaufzeichnungen auf die Schliche gekommen.

Die für die Koordination der Fahndung zuständige Polizei in Köln rief die Bevölkerung erneut zur Vorsicht auf. Man sei zwar auf Hinweise angewiesen. Aber Leute, die etwas beobachteten, sollten auf keinen Fall den Helden spielen, sondern sich nichts anmerken lassen und schnellstmöglich über die Notrufnummer 110 die Polizei verständigen, sagte ein Polizeisprecher. Die beiden Männer seien schwer bewaffnet und höchstgefährlich.

Die beiden Flüchtigen - der wegen Mordes verurteilte Peter Paul Michalski und dem wegen Mordversuchs und Geiselnahme inhaftierte Michael Heckhoff - sind nach Auffassung des Aachener Polizeipräsidenten Klaus Oelze "hochgefährliche Männer - gewaltbereit, gewalttätig und bewaffnet". Gegen beide wurde Sicherungsverwahrung verhängt, so dass sie auch nach Verbüßung ihrer Haftstrafen nicht auf freien Fuß gekommen wären.

Die Schwerverbrecher flohen am Donnerstagabend aus der hochgesicherten Aachener Justizvollzugsanstalt. Dabei überwältigten sie einen Justizbeamten und brachten zwei Pistolen mit je acht Schuss Munition an sich. Zunächst flohen sie per Taxi nach Köln, wo sie am Freitagmorgen eine junge Frau zwangen, sie mit ihrem Auto nach Essen zu fahren.

Die Essener Polizei erklärte, zwei Männer hätten die 19-Jährige in ihre Gewalt gebracht und zu der Fahrt nach Essen gezwungen. An einer Brücke im Ortsteil Kettwig sei der Wagen wegen Spritmangels liegengeblieben. Die beiden Männer seien zu Fuß weiter geflüchtet; die Schülerin sei unverletzt geblieben und wieder frei.

Danach verlor sich ihre Spur für mehr als 24 Stunden. Die Polizei ging zahlreichen Hinweisen aus der Bevölkerung nach, durchkämmte Waldgebiete und ein Schwimmbad im Essener Süden. Auch aufgebrochene Gartenhäuser wurden durchsucht.