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Besuch in Kalabrien:Papst geißelt Mafia als gottlos

Pope Francis speaks during a visit at the prison in Castrovillati, southern Italy

Papst Franziskus bei einem Besuch in einem Gefängnis bei Cassano allo Ionio in Kalabrien: Nie mehr darf ein Kind durch die Hände der Mafia sterben

(Foto: REUTERS)

Papst Franziskus greift die italienische Mafia scharf an: Mafiosi seien Anhänger des Bösen - und exkommuniziert.

"Jene, die in ihrem Leben dem Pfad des Bösen in solch einer Form folgen wie es die Mafiosi tun, leben nicht in Verbundenheit mit Gott. Sie sind exkommuniziert", sagte das Oberhaupt der Katholischen Kirche am Samstag vor zehntausenden Menschen in der süditalienischen Region Kalabrien.

"Wenn die Bewunderung für Gott durch die Bewunderung für das Geld ersetzt wird, dann öffnet sich die Straße der Sünde, der Eigeninteressen und der Unterdrückung", sagte der Pontifex weiter. Er rief die Jugendlichen auf, den Versuchungen des schnellen Geldes zu widerstehen. "Dieses Übel muss bekämpft werden, es muss aus dem Weg geschafft werden. Wir müssen 'Nein' dazu sagen." Die Kirche werde ihre ganze Kraft einsetzen, um Organisierte Kriminalität zu bekämpfen.

Franziskus sprach auch direkt die 'Ndragheta an, Kalabriens Variante der Mafia. "Die 'Ndragheta ist genau das - die Bewunderung des Bösen, die Missachtung des Gemeinwohls. Gegen dieses Böse muss angekämpft werden." Die 'Ndragheta gilt als eine der mächtigsten Organisationen der Unterwelt mit Milliardenumsätzen. Ihre Verbindungen reichen bis nach Nordeuropa, Südamerika und die USA.

Schon im März hatte Franziskus Mafiosi zur Umkehr aufgefordert. "Noch ist es möglich, der Hölle zu entkommen. Aber die wartet auf euch, wenn ihr Euren Weg nicht ändert", hatte er gesagt.

Viele Bereiche in Italien sind von der Mafia dominiert, Politiker werden bedroht. Die drei wichtigsten kriminellen Gruppen Italiens - die 'Ndrangheta aus Kalabrien, die Cosa Nostra aus Sizilien und die Camorra aus Neapel - haben nach Schätzungen der Vereinten Nationen zuletzt einen Umsatz von insgesamt 116 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Treffen mit etwa 200 Häftlingen

Zuvor hatte Franziskus das Leiden von Kindern unter der Mafia angeprangert. Bei einem Besuch in einem Gefängnis bei Cassano allo Ionio in Kalabrien sagte er, nie mehr dürfe ein Kind durch die Hände der Mafia sterben. Er bezog sich auf den gewaltsamen Tod des dreijährigen Nicola "Coco" Campolongo, dessen brutale Ermordung im Januar landesweit für Empörung gesorgt hatte. "Niemals wieder darf ein Kind solche Qualen erleiden."

Die Leiche des Kleinkindes war zusammen mit dem toten Großvater und dessen Lebensgefährtin in einem ausgebrannten Auto entdeckt worden. Hintergrund der Tat waren Streitigkeiten zwischen Mafia-Clans. Unter den Gefangenen in der Haftanstalt Castrovillari sind zahlreiche Mafia-Mitglieder. Auch der Vater "Cocos" ist wegen Drogendelikten in dem Gefängnis inhaftiert. Die Mutter saß während der Bluttat ebenfalls in Haft, steht inzwischen aber unter Hausarrest.

Es war der erste Besuch des Papstes in Kalabrien, einer der ärmsten italienischen Regionen. Im Mittelpunkt des Besuchs stand ein Gespräch mit etwa 200 Häftlingen. Es sei sein Anliegen, die "Nähe des Papstes und der Kirche gegenüber allen Männern und Frauen, die im Gefängnis sind, in allen Teilen der Welt" zum Ausdruck zu bringen, sagte Franziskus. Auch er mache "Fehler" und müsse "Buße tun". Zugleich betonte er die Bedeutung der Aufgabe einer gesellschaftlichen Reintegration von ehemaligen Straftätern.

Seit seinem Amtsantritt besuchte Franziskus bereits mehrfach Gefängnisse, am Gründonnerstag kurz nach seiner Wahl nahm er in einem Gefängnis in Rom eine symbolische Fußwaschung an jugendlichen Straftätern vor.

© SZ.de/dpa/AFP/Reuters/lala
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