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Italien:Friedhof stürzt ins Meer

Italien: Särge des Friedhofs von Camogli treiben im Meer

Nach einem Erdrutsch schwimmen etwa 200 Särge im Golfo Paradiso. Zuvor war ein Teil des Friedhofs von Camogli ins Meer gestürzt.

(Foto: VVFF/ROPI/ROPI)

Nach einem Erdrutsch schwimmen im Golfo Paradiso in Camogli bei Genua 200 Särge im Wasser - dabei war das Unglück vorhersehbar.

Von Oliver Meiler, Rom

Plötzlich hoben die Möwen ab, die auf den Dächern des Westflügels saßen, hoch über dem Golfo Paradiso. Das war ein untrügliches Zeichen, eine makabre Ankündigung. Ein Arbeiter filmte mit seinem Handy, es ging ganz schnell, dann stürzte mit einem lauten Knall der vordere Teil des alten Friedhofs von Camogli mit seiner siebenstöckigen Urnenwand und vier Familienkapellen runter ins Meer. 200 Särge rutschten dabei am Montag ins Wasser, manche schaukelten auf den Wellen. Im Geröll und im Schlamm endeten auch Grabsteine und Urnen. Eine apokalyptische Szene im schönen Golfo Paradiso an der ligurischen Küste, nicht weit von Genua.

Besucher waren keine auf dem Friedhof, als passierte, was irgendwann hatte passieren müssen. Montags ist dieser Teil geschlossen. Seit einiger Zeit wagten sich viele Menschen aber ohnehin nicht mehr hin, um Blumen niederzulegen für ihre Lieben. Man wusste um den fragilen Boden unter dem spektakulär gelegenen Friedhof, erbaut vor mehr als 150 Jahren, letzte Ruhestätte von Seefahrern, Schiffsbauern und Fischern - von Menschen des Meeres.

Für den Bürgermeister war der Felssturz nicht vorhersehbar

Unter den Grabstätten erodierte die Erde schon länger. In den vergangenen Jahren peitschten oft Sturmfluten gegen die Felsen, wie man sie hier früher nicht erlebt hatte. Und dann regnete es in diesem Winter auch noch unablässig, zuweilen wochenlang. Der Bürgermeister von Camogli, Francesco Olivari, sagt dennoch: "Ein solcher Felssturz ist nicht vorhersehbar." Olivari, muss man dazu wissen, ist Geologe. Aber natürlich hatte auch er das Ereignis vorausgeahnt.

Seit vergangenem Herbst wurde an der Befestigung des Felsvorsprungs gearbeitet, der italienische Staat hatte eine Millionenhilfe versprochen. Es ist ja nicht nur die Natur, die an der beliebten Küste nagt und zerrt. Jahrzehntelange Bauspekulation verheert die Gegend, die Bauten drücken mit Tonnenlast auf den brüchigen Boden, oft wurden auch Flussbette zubetoniert, um mehr Platz für Immobilien zu schaffen.

Camogli ist ein pittoresker, kleiner Ort mit bunten Häusern und einem alten Fischerhafen, der sich im Sommer jeweils mit Zweitwohnungsbesitzern aus Mailand und Turin und mit Touristen aus dem Ausland zu einer mittelgroßen Stadt aufpumpt. Nun schwemmte es Särge in den hübschen Hafen. Bis zum Montagabend konnten nur zehn an Land gebracht werden, man stapelt sie auf dem Pier. Die Küstenpolizei legte sofort Ölsperren in den Golf, wie man sie jeweils nach Umweltkatastrophen für die Eingrenzung ausgelaufenen Öls einsetzt. Die Sperren sollen die Särge abfangen, die sonst aufs offene Meer treiben - mit den Gebeinen von Menschen, die ihr Leben auf See verbracht hatten.

© SZ/lot
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