Indien Frau besteigt erstmals bislang verbotenen Berg

  • In Indien hat erstmals eine Frau den Gipfel des Berges Agastya Mala bestiegen.
  • Bislang war Frauen der Zutritt zu der heiligen Stätte verboten, ein Gerichtsbeschluss von November 2018 erteilte ihnen die Erlaubnis.
  • Die 38-jährige Dhanya Sanal sagt, sie sei bei ihrem Aufstieg weder behindert noch gestört worden.

Als Dhanya Sanal auf dem Gipfel angekommen ist, hält sie ein Schild in die Kamera: "Thank you all", steht darauf. Es ist kein gewöhnliches Gipfelfoto. Die 38-Jährige ist die erste Frau, die den 1868 Meter hohen Berg Agastya Mala (auch Agasthyarkoodam) im Süden Indiens erklommen hat. Der Zeitung The Times of India gibt sie noch auf dem Berg per Telefon ein Interview, sagt, wie anstrengend der Aufstieg sei und dass sich jeder genau überlegen solle, ob er fit genug für so eine Reise sei.

Sanals Leistung ist aber nicht deshalb so besonders, weil sie körperlich so schwierig zu erbringen wäre. Sondern, weil es Frauen bislang untersagt war, den Gipfel des heiligen Agastya Mala zu betreten. Dem Glauben nach befindet sich dort der Sitz des hinduistischen Weisen Agastya (auch Agasti), der durch die Gegenwart von Frauen gestört werde. Sie durften daher bislang lediglich bis zum Basislager in Athirimala, sechs Kilometer unterhalb der Spitze, wandern.

Ein ähnlicher Fall machte Anfang Januar Schlagzeilen

Im November 2018 entschied jedoch das Oberste Gericht des Bundesstaates Kerala, in dem der Berg liegt, dass diese Praxis diskriminierend ist. Ein ähnlicher Fall machte Anfang Januar Schlagzeilen. Damals kam es zu heftigen Protesten, weil zwei Frauen in Kerala erstmals den Tempel Sabarimala betreten hatten, einer der wichtigsten Wallfahrtsorte der Hindus. Auch hier gilt ein alter Glaube, wonach die dortige Gottheit Ayyappan von Besucherinnen "verführt" werden könne. Religiöse Hardliner wollen daher Frauen "im Menstruationsalter" den Zutritt verwehren, obwohl das indische Verfassungsgericht bereits im September entschieden hat, dass Frauen den Tempel betreten dürfen.

Seitdem gab es immer wieder gewalttätige Zusammenstöße zwischen radikalen Hindu-Aktivisten und progressiven Kräften. Insgesamt gibt es jedoch nur noch wenige religiöse Stätten in Indien, die Frauen derart rigoros ausschließen. In den meisten Tempeln sind Frauen erlaubt, jedenfalls dann, wenn sie nicht gerade ihre Periode haben, weil dies im Hinduismus als unrein gilt.

Der Aufstieg von Sanal ist ohne Zwischenfälle verlaufen. Sie sei auf ihrem Weg zur Bergspitze weder gestört noch behindert worden, erzählt sie dem Sender BBC. Demnach war Sanal die einzige Frau in einer Gruppe von 100 Wanderern. In den kommenden Tagen wollen auch andere Frauen Sanals Vorbild folgen und den einst verbotenen Gipfel erklimmen. Mehr als 100 Frauen haben dafür in diesem Jahr bereits eine Lizenz beantragt.

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