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Impfungen:Essener Kita nimmt nur geimpfte Kinder auf

Masernimpfung

Eine Ruhrgebiets-Kita schreibt die Impfpflicht der Kinder ab sofort vertraglich fest.

(Foto: Cortesía/dpa)
  • Wer sein Kind betreuen lassen will, muss in einer Essener Kita erst das Impfbuch vorlegen.
  • Der private Hort-Träger will damit die Verbreitung von Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps und Röteln eindämmen.
  • Die meisten Eltern befürworten die Entscheidung. In der Öffentlichkeit aber hat die Kita die Diskussion um das Für und Wider des Impfens neu entfacht.

Wer sein Kind anmelden will, muss das Impfbuch mitbringen. Bei einem privaten Kita-Träger im Ruhrgebiet ist das Pflicht. Die "Kinderkiste" in Essen, an die weitere vier Horte angeschlossen sind, will damit vor Krankheiten wie Maser, Mumps und Röteln schützen.

"So wie katholische Einrichtungen sich einen Taufschein vorlegen lassen, verlangen wir einen Impfnachweis von den Eltern", sagt Kita-Betreiberin Jutta Behrwind. Die Impfpflicht "wird Vertragsbestandteil", erklärte die 48-Jährige gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung.

"Wenn alle geimpft sind, sind auch alle geschützt. In unsere Kita kommen viele Geschwisterkinder mit und schwangere Mamas", erläutert Behrwind ihren Standpunkt. Probleme mit Krankheiten durch nicht geimpfte Kinder habe es bislang allerdings nicht gegeben.

Etwa 60 Kinder im Alter von vier Monaten bis drei Jahren besuchen die fünf Horte. Bislang war bei Anmeldegesprächen der Impfstatus der Kinder abgefragt worden. Gab es Lücken, wurde eine Impfberatung angeboten und den Eltern empfohlen, die Impfung freiwillig nachzuholen. Bereits seit vier Jahren aber soll sich Behrwind laut WAZ schon für die Einführung einer pflichtmäßigen Schutzimpfung eingesetzt haben. So lange habe sie bereits bei den Elternräten dafür geworben.

In diesem Jahr habe sich der 13-köpfige Rat erstmals einstimmig für die Pflicht ausgesprochen. Er halte die Impfpflicht "für notwendig und sinnvoll", sagt die Kita-Betreiberin. Viele weitere Eltern würden sich dieser Meinung anschließen. Während der laufenden Anmeldegespräche habe bislang nur ein einziger Vater Kritik an der neuen Regelung geübt.

Private Kitas dürfen Impfpflicht frei einführen

Nach Angaben der Stadt Essen brauchen private Kita-Träger für eine Vorgabe wie die Impfpflicht keine Genehmigung der Behörden, sagte eine Stadtsprecherin. Sie könnten ihre Verträge frei festlegen. Das Gesundheitsamt der Stadt Essen hält die Maßnahme der "Kinderkiste" aber für eine gute Idee. Für städtische Kitas sei allerdings keine Impfpflicht geplant, sagte Amtsleiter Rainer Kundt dem WDR.

Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. befürwortet die Idee. "Wir fordern so etwas für alle öffentlich geförderten Einrichtungen und wünschen uns eine entsprechende gesetzliche Regelung", sagte Sprecher Hermann Josef Kahl.

Impfgegner bezweifeln die Wirksamkeit von Impfungen, fürchten die Risiken und setzen auf die natürlichen Abwehrstoffe des Körpers gegen Erkrankungen. Diese Positionen werden aber von der Fachwelt fast einhellig als unzutreffend und unwissenschaftlich abgelehnt.

Das Robert Koch-Institut (RKI) spricht sich dennoch nicht für eine Impfpflicht aus. Sie sei vermutlich eher kontraproduktiv, hieß es. Forscher aus Aachen und Erfurt hätten herausgefunden, dass eine Verpflichtung die Bereitschaft zum Impfen bei den freiwilligen Impfungen deutlich verringere, schrieb der Präsident des RKI, Professor Lothar H. Wieler, 2017 in der Ärztezeitung.