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Ig-Nobelpreise:Dankesrede von der Toilette

Marc Abrahams

Die Ig-Nobelpreise wurden dieses Jahr zum 30. Mal verliehen.

(Foto: Elise Amendola/AP)

In den USA sind die Spaßnobelpreise verliehen worden - unter anderem für die wissenschaftliche Erkenntnis, dass Messer, die aus menschlichem Kot hergestellt sind, nicht besonders gut schneiden.

Narzissten-Augenbrauen, Insektenforscher mit Angst vor Spinnen und ein Alligator, der Helium inhaliert: Zehn wissenschaftliche Studien, die "erst zum Lachen und dann zum Denken anregen sollen", sind in den USA mit "Ig-Nobelpreisen" ausgezeichnet worden (gesprochen "ignoble", was übersetzt etwa unwürdig heißt). Wegen der Coronavirus-Pandemie wurde die traditionell schrille Gala in der Nacht zum Freitag diesmal erstmals ausschließlich im Internet gefeiert. Die bereits zum 30. Mal verliehenen undotierten Auszeichnungen sollen nach Angaben der Veranstalter "das Ungewöhnliche feiern und das Fantasievolle ehren".

So bekamen unter anderem Wissenschaftler aus Kanada und den USA die Auszeichnung in der Kategorie Psychologie für die Entwicklung einer Methode, Narzissten anhand der Untersuchung ihrer Augenbrauen zu identifizieren. Ein Forscher aus den USA erhielt den Preis dafür, dass er Beweise dafür sammelte, dass Entomologen - Wissenschaftler, die Insekten erforschen - Angst vor Spinnen haben, die ja keine Insekten sind. "Für diese Menschen machen die zwei Beine mehr einen echten Unterschied", sagte der Forscher Richard Vetter in seiner Video-Dankesrede, die wie alle anderen auch vorab aufgezeichnet worden war.

Wissenschaftler aus Österreich, Schweden, Japan, den USA und der Schweiz bekamen eine Ehrung in der Kategorie Akustik dafür, dass sie einen weiblichen China-Alligator dazu bewegen konnten, in einer mit Helium gefüllten luftdichten Kammer zu grölen. "Alligatoren klingen komisch, wenn sie einen Party-Ballon einatmen", fassten die Forscher ihre Studie zusammen. "Herzlichen Glückwunsch", sagte der Physik-Nobelpreisträger Andre Geim, der ihnen den Preis online überreichte. "Macht es vielleicht noch ein bisschen besser nächstes Mal - vielleicht ohne das Ig."

Je ungerechter, desto mehr Küsse

In der Kategorie Physik wurden Forscher aus Australien, der Ukraine, Frankreich, Italien, Deutschland, Großbritannien und Südafrika geehrt dafür, dass sie experimentell herausgefunden hatten, was mit einem lebenden Regenwurm passiert, wenn man seinen Körper mit hoher Frequenz vibrieren lässt. Wissenschaftler aus Schottland, Polen, Frankreich, Brasilien, Chile, Kolumbien, Australien und Italien bekamen die Auszeichnung in der Kategorie Wirtschaft für den Versuch, die Beziehung zwischen der Einkommensungerechtigkeit eines Landes und der durchschnittlichen Häufigkeit von Küssen auf den Mund zu quantifizieren. "Menschen aus weniger gerechten Ländern haben berichtet, dass sie ihre Partner öfter küssen", fassten die Autoren ihre Studie zusammen.

In der Kategorie Medizin ging der Spaßpreis an Forscher aus den Niederlanden und Belgien für die Diagnose eines bislang noch nicht erkannten medizinischen Befunds bei Misophonie, dem Hass auf Geräusche, genauer bei der Verzweiflung beim Hören der Kau-Geräusche von anderen Menschen. Wissenschaftler aus den USA und Großbritannien bekamen die Ehrung in der Kategorie Materialwissenschaften für den Nachweis, dass aus menschlichem Kot gemachte Messer nicht gut funktionieren. Ihre Video-Dankesreden hatten sie auf dem Klo sitzend aufgenommen.

In der Coronavirus-Pandemie ließen sich die Organisatoren der Spaßpreise auch einen politischen Seitenhieb nicht entgehen: So wurden die Staats- beziehungsweise Regierungschefs von Brasilien, Großbritannien, Indien, Mexiko, Belarus, Russland und Turkmenistan sowie der USA und der Türkei in der Kategorie Medizinische Bildung dafür ausgezeichnet, "dass sie die Coronavirus-Pandemie dafür genutzt haben, der Welt beizubringen, dass Politiker einen unmittelbareren Einfluss auf Leben und Tod haben können als Wissenschaftler und Ärzte". In all diesen Ländern wurde mitunter die Bedeutung der Pandemie heruntergespielt.

Online-Preisverleihung anstatt Live-Spektakel

Normalerweise verfolgen mehr als 1000 Zuschauer die Gala live in einem Theater der Elite-Universität Harvard. "Wo zur Hölle sind denn alle?", fragte die Wissenschaftlerin Jean Berko Gleason gleich zu Beginn bei ihrer traditionellen Willkommensansprache - alleine vor ihrem Computer. Die Ticketeinnahmen finanzieren normalerweise das Spektakel, weswegen die Veranstalter diesmal um Spenden baten. Aber auch bei der gut anderthalbstündigen Online-Preisverleihung, die diesmal unter dem Oberthema "Insekten" stand, flogen Papierflieger, es gab Sketche und bizarre Kurz-Opern.

"Wir hoffen, dass die Pandemie bis nächstes Jahr gezähmt ist und wir unsere 31. Verleihung wieder auf einer Bühne machen können", sagte Moderator Marc Abrahams, Herausgeber einer wissenschaftlichen Zeitschrift zu kurioser Forschung, bevor er die Gala wie immer mit seinen traditionellen Abschlussworten beendete: "Wenn Sie dieses Jahr keinen Ig-Nobelpreis gewonnen haben, und besonders dann, wenn Sie einen gewonnen haben: mehr Glück im nächsten Jahr!"

© SZ/dpa/mkoh/nas
Woman hiking in the Chiricahua Mountains above Cave Creek Canyon near Portal; Arizona, United States of America PUBLICAT

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