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Hongkong:"Little Sweeties" Lover geht leer aus

Ende eines spektakulären Erbstreits: Nach einer Affäre mit einer exzentrischen Milliardärin wollte ein Feng-Shui-Meister ans große Geld - deren Familie lief Sturm.

Tony Chan hat ein bewegtes Leben hinter sich. Der 50-jähriger Hongkonger arbeitete als Barkeeper, Wahrsager und seit längerem als erfolgreicher Berater in Sachen Feng-Shui. Außerdem war für einige Zeit der geheime Liebhaber der reichsten Frau Asiens, Nina Wang.

Streit um Milliardenerbe, AFP

So sehen Sieger aus: Die Hinterbliebenen der verstorbenen Milliardärin Nina Wang feiern die Entscheidung des Obersten Gerichts. Ihre Stiftung darf sich auf mehr als neun Millionen Euro freuen.

(Foto: Foto: AFP)

Die betuchte Dame wollte das Geheimnis der pikanten Affäre mit ins Grab nehmen. Doch weil Wang nach ihrem Ableben im Jahr 2007 Geld, viel Geld - umgerechnet 9,3 Milliarden Euro - hinterlassen hatte, ging Feng-Shui-Meister Chan mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit. Zudem zauberte er ein Testament hervor, auf dem die verstorbene Gönnerin verfügte, dass ihrem Liebhaber das Vermögen zustehe.

Einen wesentlichen Haken hatte das Testament jedoch: das Dokument ist eine Fälschung. Eine "außerordentlich geschickte Fälschung", wie der High Court der ehemaligen britischen Kronkolonie feststellte.

Der Oberste Richter Johnson Lam entschied in dem vielbeachteten Prozess, das die Erbmasse an die gemeinnützige Chinamen-Stiftung gehen solle. So hatte Nina Wang es in ihrem echten Testament von 2002 geregelt. Der weise Lehrer geht leer aus.

Ehemann spurlos verschwunden

Die Geschichte von Nina Wang, ihrem früheren Ehemann Teddy und dem Milliarden-Vermögen beherrscht in Hongkong seit Jahren die Schlagzeilen. Der Industrielle Teddy Wang war 1990 entführt worden. Obwohl seine Familie 33 Millionen Dollar Lösegeld zahlte, wurde er nie freigelassen. Seine Leiche wurde nie gefunden und sein Vermögen auf die Ehefrau übertragen.

Wahrsager Chan sollte Wang ursprünglich bei der Suche nach ihrem Mann helfen -bis mehr daraus wurde. Wang hatte wegen ihres mädchenhaften Aussehens den Spitznamen "Little Sweetie" (kleine Süße). Sie war dafür bekannt, dass sie sich trotz ihres Vermögens am liebsten von Fast Food ernährte und billige Kleidung trug. Die Milliardärin starb 2007 mit 69 Jahren an Krebs.

Geheime Liebschaft

Das Oberste Gericht sah es im Erbschaftsprozess zwar als erwiesen an, dass Wang und Chan ein Liebesverhältnis hatten. Die Milliardärin habe das Wissen um die Liebschaft aber geheim halten wollen und Wohltätigkeit stets als das höheres Gut betrachtet. Das Milliarden-Erbe werde daher der Chinachem-Stiftung zuerkannt.

Die Chinachem-Stiftung wird von Nina Wangs Hinterbliebenen verwaltet. Gemeinsam mit ihrem Mann Teddy hatte Nina Wang das Firmenimperium Chinachem aufgebaut, nach dem nun die Stiftung benannt ist. Die Chinachem-Gruppe hat in Hongkong mehr als 300 Hochhäuser gebaut.

© sueddeutsche.de/AFP/DAPD/kred/kat
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