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Los Angeles:"Hollywood-Ripper" schuldig gesprochen

Mordprozess gegen ´Hollywood Ripper"

Michael Gargiulo (links), verfolgt mit seinem Verteidiger die Gerichtsverhandlung vor dem Los Angeles Superior Court.

(Foto: Al Seib/dpa)
  • Der 43-jährige Klempner Michael Gargiulo wurde des Mordes an zwei Frauen und des versuchten Mordes an einer weiteren Frau für schuldig befunden.
  • Unter den Opfern ist auch eine Bekannte des Schauspielers Ashton Kutcher. Auch weil dieser im Zeugenstand aussagte, hatte der Fall Schlagzeilen gemacht.
  • Derzeit läuft noch ein weiteres Verfahren gegen Gargiulo. Ihm wird vorgeworfen, dass er schon mit 17 Jahren den ersten Mord begangen haben soll.

Seine Messerattacken auf Frauen in Los Angeles waren derart brutal, dass die Presse ihn den "Hollywood Ripper" taufte. Jetzt befanden die Geschworenen den 43-jährigen Klempner Michael Gargiulo des Mordes an zwei Frauen und des versuchten Mordes an einem dritten Opfer schuldig.

Er habe seine weiblichen Opfer äußerst brutal und kaltblütig umgebracht, erklärte die Staatsanwaltschaft in dem seit Mai laufenden Verfahren. Es war das "planmäßige und systematische Abschlachten von Frauen". Kommende Woche will das Gericht über das Strafmaß beraten.

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Schon 1993 soll die Mordserie begonnen haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der damals erst 17-jährige Mann gezielt junge Frauen als Opfer aussuchte, sich in der Nähe ihrer Häuser aufhielt und darauf wartete, sie angreifen zu können. Wie die Los Angeles Times berichtet, nennt die Staatsanwaltschaft ihn den "Boy Next Door Killer" - den Jungen von nebenan, der immer höflich auftrat, im Alltag aushalf und der doch ein brutaler Serienmörder war. Seine Opfer habe er immer bei Nacht attackiert, immer in der Nähe ihrer Wohnungen.

Im August 1993 soll Gargiulo in Chicago die Schwester eines Freundes umgebracht haben. Es ist der erste von vielen Morden, der dem mutmaßlichen Serientäter zur Last gelegt wird. Die 18-jährige Tricia Pacaccio feierte in dieser Nacht ihren High-School-Abschluss. Ihr Vater fand sie mit Stichwunden übersät leblos auf den Treppenstufen vor der Haustür. Erst ein Jahrzehnt später konnten Ermittler die DNA auswerten, die unter den Fingernägeln der Schülerin gefunden wurde. Sie kamen Gargiulo auf die Spur. 2011 wurde er in Illinois angeklagt. Dieses Verfahren läuft noch.

Gargiulo, der mittlerweile nach Los Angeles gezogen war, soll in der Zwischenzeit weitergemordet haben. 2001 wurde die 22-jährige Ashley Ellerin in ihrem Haus mit 47 Messerstichen aufgefunden. Ellerin war eine Bekannte des Schauspielers Ashton Kutcher. Der 41-Jährige trat deshalb als Zeuge in dem Prozess auf. Ende Mai schilderte der Prominente, wie er in der Mordnacht Ellerin zu einer Party anlässlich der Grammy Awards ausführen wollte, aber vergeblich an die Tür seiner Bekannten klopfte. Kutcher war damals 23 Jahre alt und stand noch am Anfang seiner Karriere.

Er sei spät dran gewesen und habe sich gedacht, dass sie ohne ihn ausgegangen sei, sagte Kutcher im Zeugenstand. Er habe durch ein Fenster geschaut und rote Flecken auf dem Teppich entdeckt, die er aber für Rotwein hielt. Wenige Tage zuvor hätten sie dort noch eine Party gefeiert, und so habe er sich nichts weiter dabei gedacht. Laut Ermittlern war Ellerin zu diesem Zeitpunkt bereits tot gewesen.

2005 wurde eine 32-jährige Nachbarin Gargiulos bei einer nächtlichen Messerattacke in ihrer Wohnung getötet. Der Täter stach laut Polizeiberichten viele Male zu und schnitt seinem Opfer die Brüste ab. Erneut war es Michael Gargiulo.

Erst im Juni 2008, wenige Wochen nach einem Messerangriff auf eine 27 Jahre alte Nachbarin in Santa Monica, wurde Gargiulo festgenommen. Die Frau überlebte und sagte jetzt ebenfalls vor Gericht aus: Sie sei nachts aufgewacht, als ein Mann mit einem Messer auf sie eingestochen habe. Dabei wurde der Angreifer verletzt und hinterließ bei seiner Flucht Blutspuren, die schließlich zur Verhaftung führten.

Gargiulo habe die Morde immer bestritten, machten seine Anwälte geltend. Den Angriff auf die Nachbarin in Santa Monica räumte die Verteidigung jedoch ein. Über ihren Mandanten sagten sie, er habe an einer psychischen Störung gelitten und könne sich nicht an den Vorfall erinnern. Die Geschworenen müssen kommende Woche über die Zurechnungsfähigkeit des Angreifers urteilen und das Strafmaß beraten. Gargiulo könnte möglicherweise die Todesstrafe erhalten.

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