Hochzeitsgast Putin Russisch Ballett

Österreichs Außenministerin Karin Kneissl heiratet und zu Gast ist neben der Landespolitik auch Russlands Präsident Wladimir Putin. Der kommt in Tanzlaune und mit Kosakenchor.

Von Xaver Bitz

Wen sehen wir hier?

Auf dem Bild tanzt der russische Präsident Wladimir Putin mit der österreichischen Außenministerin Karin Kneissl. Das Tanzparkett besteht in diesem Fall aus Kies und befindet sich auf der Terrasse eines Lokals in Sulztal an der Weinstraße in der Steiermark. Dort hat Kneissl am Samstag ihrem langjährigen Lebensgefährten Wolfgang Meilinger das Ja-Wort gegeben.

Warum tanzt Putin auf Kneissls Hochzeit?

Für gewöhnlich lädt man zu einer Hochzeit Freunde und Familie ein - manchmal auch die politische. So feierten Österreichs Kanzler Sebastian Kurz und FPÖ-Chef Christian Strache ebenfalls mit. Als Putin im Juni Wien besuchte, lud Kneissl auch ihn ein. Dass beide eine persönliche Beziehung verbinden würde, blieb der Öffentlichkeit bisher verborgen. Selbst Putin-Freund und Altkanzler Gerhard Schröder verzichtet bei seiner Feier anlässlich seiner fünften Hochzeit im Oktober auf den Kremlchef als Gast. Begründung: Ein Staatschef bedeute "viel zu viel Buhei".

Warum ist das wichtig?

Die parteilose Kneissl kam auf das Ticket der rechtspopulistischen FPÖ ins Kabinett. Diese befürwortet neben einem "Österreich-first"-Kurs auch eine größere Nähe zu Moskau. Eine Linie, der auch Kurz folgt. Einladung und Anwesenheit Putins sind deshalb ein Zeichen, zumal Österreich seit dem 1. Juli die EU-Ratspräsidentschaft innehat. Die Beziehungen zwischen Moskau und Brüssel sind seit der Ukraine-Krise und den darauf folgenden Sanktionen angespannt.

Wie groß war das Buhei?

Die Gastgeber lassen sich die 90-minütige Kurzvisite Putins einiges kosten: Für die Fahrt von Putins Wagenkolonne vom Flughafen Graz zum Ort der Trauung wurde eigens die Autobahn gesperrt. Der österreichischen Zeitung Die Presse zufolge waren mehrere Hundert Soldaten im Einsatz.

Der Chor aus Don-Kosaken sang dem Paar einige Lieder vor.

(Foto: AFP)

Bei einem Besuch Putins im Juni hatte demnach allein das Innenministerium knapp 355 000 Euro für die 901 arbeitenden Polizisten ausgegeben. Auch das Bundesheer war bei dem Besuch im Juni mit 608 Soldaten im Einsatz, die unter anderem mit zehn Flugzeugen - darunter auch vier Eurofightern - und sieben Hubschraubern für die Sicherheit des Kreml-Chefs sorgten.

Gab es Geschenke?

Putin kam nicht allein, er brachte neben einem großen Blumenstrauß zehn Don-Kosaken mit, die das frischvermählte Paar mit mehreren Liedern unterhielten. Ob Kneissl und Putin auch dazu tanzten, ist nicht bekannt.

Wie geht es weiter?

Nach dem Tanz mit Kneissl reiste Putin nach Deutschland, wo er Kanzlerin Merkel auf Schloss Meseberg traf. Dort sollte es um Politik gehen, Tanzeinlagen waren nicht zu erwarten.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes wurden die Zahlen zum Besuch im Juni fälschlicherweise als Kosten und Aufwand des aktuellen Besuchs bei Kneissls Hochzeit aufgezählt. Wir bitten um Entschuldigung.

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