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Ghislaine Maxwell:Das lange Warten auf den Prozess

Ghislaine Maxwell appears via video link during her arraignment hearing in Manhattan Federal Court in New York

Die Anhörung von Ghislaine Maxwell via Videoschalte, dargestellt vom Gerichtszeichner am Manhattan Federal Court.

(Foto: Jane Rosenberg/Reuters)

Ghislaine Maxwell, mutmaßliche Gehilfin des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, muss ein Jahr im Gefängnis warten. Erst dann soll das Verfahren eröffnet werden.

Von Christian Zaschke, New York

Erst gegen Ende der zweieinhalb Stunden dauernden Anhörung zeigte Ghislaine Maxwell erstmals Emotionen. Als klar wurde, dass sie nicht gegen Kaution auf freien Fuß kommen würde, ließ sie mehrmals den Kopf sinken. Zuvor hatte sie vor dem New Yorker Gericht jede Beteiligung an den Straftaten ihres früheren Partners Jeffrey Epstein abgestritten. Die Staatsanwaltschaft wirft Maxwell vor, Epstein zwischen 1994 und 1997 junge Frauen und teils minderjährige Mädchen zugeführt zu haben, die dieser sexuell missbrauchte. Manchmal soll sie sich selbst am Missbrauch beteiligt haben. Epstein war vor einem Jahr festgenommen und kurz darauf erhängt in seiner Gefängniszelle gefunden worden.

Die Anhörung am Dienstag war insofern ungewöhnlich, als sie als Videokonferenz angelegt war. Die Richterin, die Staatsanwälte, Maxwells Verteidiger und die Angeklagte selbst wurden auf einem Bildschirm zusammengeschaltet. Maxwell sitzt seit ihrer Festnahme vor zwei Wochen im Metropolitan Detention Center im New Yorker Stadtteil Brooklyn, einem Gefängnis, das für seine harten Haftbedingungen berüchtigt ist. Es sieht nun so aus, als müsste Maxwell noch einige Zeit in diesem Gebäude verbringen, da die Richterin Alison Nathan die Eröffnung des Verfahrens erst für den 12. Juli 2021 angesetzt hat.

Hohe Fluchtgefahr

Dass Maxwell ein Jahr lang in Haft sitzen soll, bevor es überhaupt zur Verhandlung kommt, begründete Richterin Nathan mit der "hohen Fluchtgefahr". Die Angeklagte verfüge über internationale Kontakte und sehr viel Geld. Zudem besitze sie neben einem amerikanischen und einem britischen Pass auch einen französischen - Frankreich habe jedoch kein Auslieferungsabkommen mit den USA. Damit folgte die Richterin im Wesentlichen der Argumentation der Staatsanwaltschaft.

Verteidiger Mark Cohen hatte angeboten, dass Maxwell ihre Pässe abgibt, fünf Millionen Dollar Kaution hinterlegt und eine elektronische Fußfessel trägt. Zudem hatte er argumentiert, dass Angeklagte in vergleichbaren Fällen so gut wie immer nach Zahlung einer Kaution in Freiheit auf den Beginn ihres Prozesses warten könnten. Bei Epstein sei das Kautionsgesuch im vergangenen Jahr abgelehnt worden, weil dieser nach Ansicht des Gerichts eine Gefahr für die Allgemeinheit dargestellt habe. Das sei bei Maxwell nicht der Fall. "Sie ist nicht das Monster, als das die Medien und nun die Staatsanwaltschaft sie darstellen", sagte Cohen.

Proteste vor dem Gerichtsgebäude in Manhattan.

(Foto: Bebeto Matthews/AP)

Per Audio-Link wurde eines von Epsteins und mutmaßlich auch Maxwells Opfern in die Anhörung geschaltet. Annie Farmer nannte Maxwell eine "Sexualverbrecherin, die mich und zahllose andere Kinder und junge Frauen missbraucht hat". Die Staatsanwältin Alison Moe verlas zudem das Statement einer zweiten Frau, die anonym bleiben wollte. Darin hieß es: "Ohne Ghislaine hätte Jeffrey nicht tun können, was er getan hat."

In sechs Punkten ist Maxwell angeklagt. Viermal geht es konkret um Missbrauch, zweimal geht es um Falschaussagen unter Eid: 2016 soll Maxwell gelogen haben, als sie von Ermittlern zu Epstein befragt wurde. Würde sie in allen sechs Punkten schuldig gesprochen, drohten ihr bis zu 35 Jahre Haft.

Anschuldigungen gegen Prinz Andrew

Die 58 Jahre alte Millionenerbin Maxwell war lange ein Mitglied der New Yorker High Society. Seit Jahren gibt es Gerüchte, dass einflussreiche Kreise die Ermittlungen rund um Epstein fürchteten. Epstein war bestens vernetzt, er soll, so die Gerüchte, auch Freunden und Bekannten junge Frauen zugeführt haben. Eine Frau gibt an, Prinz Andrew, Sohn der britischen Königin Elisabeth II., habe auf Vermittlung Epsteins und Maxwells dreimal gegen ihren Willen Sex mit ihr gehabt. Andrew bestreitet die Vorwürfe. Maxwell, so wird gemunkelt, könnte manche dieser Straftaten dokumentiert haben. Belegt ist das nicht.

Im Raum steht die Vermutung, dass die Staatsanwaltschaft Maxwell zu einem Deal bewegen wolle - eine umfassende Aussage gegen ein milderes Strafmaß. Auch das könnte einer der Gründe dafür sein, dass ihr Kautionsgesuch abgelehnt wurde. Zuletzt saß Maxwell in Einzelhaft und wurde rund um die Uhr beaufsichtigt. In Epsteins Fall hatten die Beamten im vergangenen Jahr ihre Aufsichtspflichten vernachlässigt, obwohl dieser bereits einen Suizidversuch unternommen hatte. Maxwell kommt daher nun besondere Aufmerksamkeit zuteil.

© SZ/nas
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