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Gesetz in den USA:South Dakota erlaubt Waffen für Lehrer

South Dakota Waffen Schulen USA NRA

Waffenkurs für Lehrer in Utah, wo einzelne Schulen Waffen schon erlaubt haben.

(Foto: AP/dpa)

Wer schneller schießt, lebt sicherer? Ein neues Gesetz in South Dakota erlaubt erstmals flächendeckend in einem US-Bundesstaat, dass Schulpersonal bewaffnet wird und folgt damit einem Vorschlag der Waffenlobby.

Schießen hat in South Dakota Tradition. Kaum ein Bundesstaat ist der Jagd inniger verbunden als der dünn besiedelte Landstrich nahe der Grenze zu Kanada. Wer hier aufwächst, hält oft früher eine Waffe in der Hand als den Führerschein: Softair mit acht Jahren, Tontauben mit zwölf, Schießwettkampf mit der halbautomatischen Kaliber 22 "boys gun" nur wenig später. Waffen sind in South Dakota Alltag.

Nun hat der von Republikanern regierte Bundesstaat als erster in den USA erlaubt, dass Personal an Schulen flächendeckend Waffen tragen darf. Die Begründung: Das Gesetz würde Amokläufe wie jenen an der Sandy-Hook-Grundschule Ende des vergangenen Jahres verhindern. Im Falle eines Amoklaufs sollen die Lehrer schneller am Abzug sein können als der Täter. Ein entsprechendes Gesetz wurde am Freitag verabschiedet.

Zwar wird bewaffnetes Schulpersonal bereits in einigen Bezirken in Bundesstaaten wie Texas und Ohio erlaubt, South Dakota ist aber der erste Bundesstaat, der ein flächendeckendes Gesetz verabschiedet. Waffen tragen dürfen dem neuen Gesetz zufolge Lehrer, Schulleiter, Hausmeister und andere Schulangestellte wie eigens engagierte Sicherheitsleute oder Freiwillige. Sie müssen zuvor dasselbe Training wie andere Ordnungskräfte absolvieren.

"Aufrüstung für mehr Sicherheit"

Wie die BBC schreibt hatten sich Schulgremien, Lehrer und andere Mitarbeiter gegen das Gesetz ausgesprochen und argumentiert, Waffen würden die Schulen gefährlicher machen.

In ländlichen Schulbezirken sei die Polizei oft viele Kilometer entfernt, sodass die Schulen in solchen Gegenden gern über bewaffnete Wachleute verfügten, erklärte ein Sprecher von South Dakotas Gouverneur Dennis Daugaard. 30 bis 45 Minuten würde es an einigen Schulen dauern, bis die Polizei nach einem Alarm vor Ort sein könnte.

Während viele US-Bürger und auch Präsident Obama für bessere Waffenkontrollen und eine Erneuerung des Verbots von Sturmgewehren plädiern, fordert die US-Waffenlobby schon damals bewaffnete Einsatzkräfte an Schulen.

"Das Einzige, was einen schlechten Menschen mit einer Waffe stoppt, ist ein guter Mensch mit einer Waffe": Aufrüstung schafft mehr Sicherheit, da sind sich auch die Waffenbrüder um den Vize-Präsident der National Rifle Association, Wayne LaPierre, einig. Als sich die Schießbegeisterten wenige Wochen nach dem Amoklauf an der Grundschule in Newtown, Connecticut, Ende vergangenen Jahres zum ersten Mal zu Wort meldeten, fiel ihnen nichts besseres ein, als noch mehr Durchschlagskraft im Privatbesitz zu fordern, um die "bad guys" zu stoppen, sollten wieder einer von ihnen den Versuch unternehmen, sinnlos an einer Schule zu morden. LaPierre kündigte an, dass die NRA ein "Schutzschild für Schulen" erarbeiten werde.

Sicherheitspersonal wird selbst zum Risiko

Gute Waffen, böse Waffen? So einfach scheint es nicht zu sein. Das zeigen Beispiele an Schulen, die schon heute vereinzelt aufgerüstetes Wachpersonal beschäftigen beziehungsweise Menschen, die autorisiert wurden, eine Waffe zum Schutz der Allgemeinheit zu tragen.

An einer Schule im Osten von Texas, die plant, das Tragen von Waffen zu erlauben, schoss ein Handwerker während einer Feueralarmübung versehentlich auf sich selbst. Und in New York City wurde jüngst ein Polizist suspendiert, der damit beauftragt war, an einer High School zu patrouillieren. Es hatte sich ein Schuss in den Gängen der Schule gelöst, während der Unterricht lief.

Dass gerade South Dakota nun ein Gesetzt erlässt, wirkt geradezu absurd. Denn noch nie hat es in dem Bundesstaat einen Amoklauf an einer Schule gegeben. Nur in einem einzigen Fall kam ein Schüler durch eine Waffe zu Tode. Am 4. Januar 1961 starb der erst 17-Jährige Donald Kurtz an der Delmont High School durch den Schuss aus einem Kaliber 22 Gewehr. Es sollte ein Soundeffekt bei einem Theaterstück sein - und endete tödlich.

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