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Falscher Minister in China:Wenn das Katzbuckeln zum Verhängnis wird

Anfang 2010 gab er sich als einfacher "Forscher beim Staatsrat" aus, Monate später war er schon "Direktor der Forschungsabteilung", dann Abteilungsleiter, von Februar 2012 an Vizeminister. Seine Partner aus Stadt- und Provinzregierungen lernte er meist bei Konferenzen kennen, oft hielt er selbst als Ehrengast die Eröffnungsrede. Wurde dann eingeladen, Wirtschaftsentwicklungszonen zu entwerfen (in Loudi, Provinz Hunan), Berater bei einem Motorenhersteller zu werden ( Yunnei Power, Provinz Yunnan), Investoren zu werben (Kunming, Yunnan). Wenn er Kreisstädte besuchte, sandte die Provinzregierung Boten voraus: Bereitet alles vor, ein Mann vom Staatsrat kommt. Aus Peking!

"Wie kann das sein, dass er sich hier wie ein Fisch im Wasser bewegte?", fragt die juristische Webseite Zhengyiwang und gibt selbst die Antwort: Es ist der Apparat, in dem die Beamten nach oben starren, in dem sie die Oberen fürchten und vor ihnen katzbuckeln, um selbst hochzuklettern. Vor allem ist es ein Apparat, in dem nichts hinterfragt wird, was von oben herein geschneit kommt. Dieser Apparat ist nun blamiert. Dabei hätte ein Anruf in Peking genügt, ein Blick ins Internet. "Nicht ein Mal haben wir gezweifelt", sagt Sun Lingzhi von Yunnei Power. "Er wusste aber auch wirklich Bescheid über Dieselmotoren."

Und das ist der zweite Strang dieser Geschichte, mindestens so interessant: Eine soeben veröffentlichte Recherche der Zeitung Südliches Wochenende stieß auf erstaunlich viele der von Zhao hinters Licht Geführten, die sich auch jetzt weigern, schlecht über ihn zu reden. Die Beamten der Hunaner Stadt Loudi etwa beschreiben ihn als "humorvoll und bescheiden". Vor allem: Das von ihm nach Loudi gebrachte Projekt laufe heute noch gut. Klar habe Zhao sie über seinen Rang getäuscht, sagt ein Beamter namens Wang Lei, bevor er seufzt: "Schade, er ist so talentiert."

Ein Bild von einem Beamten

Nach Erscheinen des Artikels, der Zhao als kenntnisreichen Macher zeichnet, einer, der weder Geld einsteckte noch sich Frauen zuführen ließ, da kippte die Debatte im Netz. Es meldete sich ein Internetnutzer aus dem betroffenen Ort Yuxi in Yunnan: In Yuxi habe Zhao für seinen guten Rat weder Geld erbeten noch hofiert werden wollen, ja, sogar die Anreise habe er selbst bezahlt. Kurz: "Genosse Zhao Xiyong ist ein moderner Lei-Feng-Beamter." Die Propaganda-Ikone Lei Feng ist in China der Prototyp des selbstlosen, sich fürs Volk aufopfernden Kommunisten. Ein Leser kommentierte: "Wir fordern die Partei auf, statt der echten Beamten mehr falsche Beamte wie Zhao Xiyong einzustellen."

Wie er aufflog? Am Ende priesen die lokalen Zeitungen die guten Taten des falschen Ministers mit großen Schlagzeilen. In Peking wurde der Staatsrat aufmerksam, und am 8. März erreichte die Provinzbehörden ein Brief: "Wir haben niemals ein Forschungsteam nach Yunnan geschickt", hieß es da. Seither hat niemand mehr Herrn Zhao gesehen.