Ehemaliger IWF-Chef Lügen im Asylantrag

Am schwersten wogen offenbar ihre falschen Angaben in ihrem Asylantrag, in dem sie angab, in Guinea schon einmal Opfer einer Vergewaltigung geworden zu sein. Später habe sie dann zugegeben, den "Angriff frei erfunden" zu haben. Die "Fähigkeit, diese erfundene Geschichte mit völliger Überzeugung als wahr auszugeben", hätte die Verteidigung in einem Prozess ausschlachten können.

Zudem hätten die Ankläger zu den zweifelhaften Angaben Diallos möglicherweise selbst vor Gericht aussagen müssen - und sich so zu wichtigen Zeugen der Verteidigung gemacht.

Ein beteiligter Ermittler sagte der New York Times, es sei nicht unüblich, dass Zeugen für unglaubwürdig gehalten würden - weil ihre Aussagen variierten, oder weil sie eigene Motive hätten: eine Strafe zu vermeiden, oder auch zivilrechtliche Verfahren auf dem Spiel stünden. "Wir mussten ihr die Details ihrer Lügen über Wochen aus der Nase ziehen", sagt der Beamte dem Blatt. "Es hätte anders kommen können, wenn sie in ein oder zwei Tagen alles offengelegt hätte."

Rückkehr nach Frankreich - und in die Politik?

Mit der Einstellung des Verfahrens ist Strauss-Kahn ein freier Mann - und kann umgehend nach Frankreich zurückkehren. Die Entscheidung des Staatsanwalts stieß bei den Anwälten Diallos auf scharfen Protest, Strauss-Kahns Anwälte begrüßten sie. Auch Parteifreunde Strauss-Kahns in Paris reagierten erleichtert auf die Wende: "Ich bin sehr glücklich, sagte die Vorsitzende der Sozialistischen Partei, Martine Aubry.

Ihr Mitbewerber um die sozialistische Präsidentschaftskandidatur, François Hollande, sagte, er freue sich. Auch der Ex-Banker ist nun wieder als Präsidentschaftskandidat im Gespräch. Es sei seine Entscheidung, ob er in einer parteiinternen Abstimmung wieder antreten wolle, sagte Hollande, Strauss-Kahns Nachfolger als Spitzenkandidat der Partei. Strauss-Kahns Kandidatur als Präsidentschaftskandidat galt als sicher, bevor er am 14. Mai in New York festgenommen wurde.

Allerdings warten zu Hause auch weitere Ermittlungen auf Strauss-Kahn: Die Journalistin Tristane Banon beschuldigt ihn ebenfalls, sie während eines Interviews sexuell angegriffen zu haben. Die Untersuchungen der französischen Polizei dauern an.