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Fall Maddie McCann:BKA arbeitet Hunderte Hinweise ab

Aus dieser Ferienanlage in Portugal verschwand die damals dreijährige Maddie 2007.

(Foto: AFP)

Ist der Verdächtige aus Deutschland neben dem mutmaßlichen Mord an Maddie für weitere Verbrechen verantwortlich? Die Polizei in Belgien nimmt Ermittlungen zur Tötung einer jungen Deutschen 1996 wieder auf.

Beim Bundeskriminalamt sind seit Mitte vergangener Woche Hunderte von neuen Hinweisen zum Fall des vor 13 Jahren verschwundenen Mädchens Madeleine McCann eingegangen. Das sagte der Sprecher der Braunschweiger Staatsanwaltschaft, Hans Christian Wolters. Die ZDF-Sendung Aktenzeichen XY... ungelöst habe die erwartete große Resonanz gebracht. Die Hinweise würden nun abgearbeitet. "Erfahrungsgemäß wird die Auswertung dieser Hinweise zumindest mehrere Wochen, wenn nicht Monate in Anspruch nehmen", so Wolters.

Das damals dreijährige britische Mädchen war am 3. Mai 2007 aus einer Appartementanlage im portugiesischen Ferienort Praia da Luz verschwunden. Die Ermittler vermuten, dass ein 43-jähriger Deutscher das Mädchen entführte und umbrachte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den in Kiel hinter Gitter sitzenden Mann wegen Mordverdachts.

Derzeit prüfen Ermittler an mehreren Orten Verbindungen zu anderen ungeklärten Verbrechen an Kindern. So versucht die Staatsanwaltschaft Stendal in Sachsen-Anhalt zu klären, ob Christian B., der Verdächtige in Fall McCann, auch etwas mit dem Verschwinden der damals fünfjährigen Inga aus Schönebek zu tun haben könnte. Das Mädchen wird seit dem 2. Mai 2015 vermisst. Es hatte mit seiner Familie einen Ausflug in ein Waldgebiet gemacht und war beim Holzsuchen verschwunden. Christian B. besaß zur fraglichen Zeit ein Grundstück in der Nähe.

Ermittler im belgischen Brügge öffnen unterdessen den Fall Carola Titze erneut, wie am Montag bekanntgegeben wurde. Die Jugendliche aus Deutschland - 1996 bei ihrem Verschwinden 16 Jahre alt - hatte im Badeort De Haan mit ihren Eltern Urlaub gemacht. Ihre Leiche wurde nur 200 Meter von der Feriensiedlung entfernt entdeckt. Die Ermittlungen zu dem Fall wurden 2016 eingestellt.

Keine Hinweise auf einem Zusammenhang zum Verschwinden von Maddie gibt es offenbar im Fall eines ebenfalls 1996 in Portugal verschwundenen Jungen aus Köln. Der Vater hatte sich nach dem vergangenen Woche verkündeten möglichen Durchbruch im Fall Maddie an das BKA gewandt.

Die britische Polizei hatte am Sonntag mitgeteilt, dass etwa 400 neue Hinweise im Fall Maddie telefonisch oder per E-Mail eingegangen seien. Anders als die deutschen Ermittler geht Scotland Yard auch nach 13 Jahren weiter von einem Vermisstenfall aus. "Es gibt keinen endgültigen Beweis, dass Madeleine noch lebt oder tot ist", so ein Polizeisprecher in London.

© SZ/jobr
Kate und Gerry McCann bei einem Gedenkgottesdienst für ihre Tochter Madeleine in Rothley genau sechs Monate nach deren Verschwinden

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Von Peter Burghardt und Cathrin Kahlweit

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