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Argentinien:Evita Perón leuchtet wieder

Am Donnerstagabend erstrahlten zwei Wandbilder von Evita Perón am Sozialministerium in Buenos Aires wieder - um 20.25 Uhr, zu genau dem Zeitpunkt, an dem die ehemalige Präsidentengattin vor 67 Jahren aus dem Leben schied.

(Foto: EITAN ABRAMOVICH/AFP)
  • Seit diesem Donnerstagabend erstrahlten zwei Wandbilder von Evita Perón in Buenos Aires wieder.
  • Eingeweiht wurden die Wandbilder 2011 von Cristina Fernández de Kirchner, deren Partei sich auf das Erbe Perons beruft.

Als Eva "Evita" Duarte de Perón am Donnerstagabend wieder über Buenos Aires erschien, war es Punkt 20.25 Uhr. Zufall war das nicht, im Gegenteil: Vor 67 Jahren soll die wohl berühmteste Frau in der argentinischen Geschichte um genau diese Uhrzeit aus dem Leben geschieden sein. Sie hinterließ damals ein tief gespaltenes Land, die einen verehrten sie, die anderen verachteten sie und daran hat sich bis heute wenig geändert.

Bestes Beispiel dafür sind eben jene beiden riesigen Wandbilder, die nun wieder hell erleuchtet von der Fassade des argentinischen Sozialministeriums strahlen. Eines zeigt Evita, die mütterlich gen Süden blickt, dorthin also, wo in Buenos Aires traditionell die Fabriken und die Arbeiterviertel stehen. Als Frau des argentinischen Präsidenten Juan Perón hatte sich Evita für sie immer besonders eingesetzt, im Gegenzug wurde sie von ihnen zur "Heiligen der Armen" erklärt. Die Eliten aber verachteten Evita immer als vulgär. Das zweite Wandbild mit einer kämpferischen Evita blickt darum nach Norden, dorthin also, wo die Oberschicht zu Hause ist.

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Über 30 Meter hoch und mehr als 20 Meter breit sind die beiden Werke, gefertigt aus 14 Tonnen Baustahl und angestrahlt von starken LED-Leuchten. Eingeweiht wurden die Wandbilder 2011 von Cristina Fernández de Kirchner, der vielleicht zweitberühmtesten, auf jeden Fall aber zweitumstrittensten Frau in Argentinien nach Evita. Auch Kirchner gelangte zunächst als First Lady an die Macht, dann aber wurde sie 2007 selbst zur Präsidentin gewählt. In den folgenden Jahren stilisierte sie sich als eine Art legitime Nachfolgerin von Eva Perón. Sie zitierte die Volksheldin in Reden, trat bei Ansprachen vor ihrem Konterfei auf und ließ 2012 das Bild von Evita auch noch auf die 100-Peso-Scheine des Landes drucken.

Bei Kirchners Wählern kam all das gut an. Kirchner gehört der Peronistischen Partei an, jener populistisch-politischen Strömung also, die sich auf das Erbe von Evitas Mann beruft. Ganz in dessen Sinne legte Kirchner umfassende Sozialprogramme auf, gleichzeitig aber legte sie sich auch mit fast allen traditionellen Eliten an, angefangen bei den Großgrundbesitzern bis hin zur katholischen Kirche.

Kirchners Nachfolger ersetzte Evita auf den Banknoten durch einen Andenhirsch

2015, nach zwei Amtszeiten, durfte Kirchner verfassungsgemäß nicht noch einmal antreten. Ihr Nachfolger wurde Mauricio Macri, Spross einer reichen Unternehmerfamilie und Mitglied der konservativen Partei. Er ließ sofort wirtschaftsliberale Maßnahmen einleiten, dazu aber auch noch umfassende und recht handfeste Korruptionsermittlungen gegen seine Vorgängerin. Gleichzeitig ersetzte er Evita auf den Banknoten durch einen verdutzt dreinblickenden Andenhirsch und auch an der Fassade des Sozialministeriums gingen die Lichter aus, offiziell, um Strom zu sparen.

Nur dreimal tauchte Evita in den folgenden Jahren aus der Dunkelheit wieder auf. Einmal erleuchteten Gewerkschaftsmitglieder von einem gegenüberliegenden Gebäude die Fassade, ein zweites Mal schafften sie es, die Lichtschalter zum 100. Geburtstag von Evita umzulegen. Und dann strahlte die Volksheldin noch einmal am 27. Oktober 2019 über Buenos Aires, dem Tag also, an dem Macri die Wahlen verlor - und Cristina Kirchner als Vizepräsidentin in die Regierung zurückkehrte, im Schlepptau, natürlich, Eva Perón.

Nach jahrelanger Vernachlässigung mussten die Leuchten an der Fassade des Sozialministeriums zunächst umfassend renoviert werden. Seit Donnerstagabend aber sind die Wandbilder von Evita wieder Teil der nächtlichen Silhouette von Buenos Aires. Gut möglich, dass ihr Konterfei auch auf den Banknoten zurückkehrt. Denn Eva Perón mag zwar am 26. Juli 1952 um genau 20.25 Uhr gestorben sein. Tot aber ist sie noch lange nicht.

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