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Epstein-Ermittlungen:Prinz Andrew hat "die Tür vollständig geschlossen"

Fall Epstein: Prinz Andrew

Die US-Ermittler im Fall Epstein werfen dem britischen Prinz Andrew mangelnde Kooperation vor.

(Foto: dpa)

Die US-Staatsanwaltschaft klagt über eine mangelnde Kooperation des britischen Prinzen im Zuge der Epstein-Ermittlungen - und prüft jetzt Konsequenzen.  

Prinz Andrew macht sich bei der Staatsanwaltschaft in Manhattan immer unbeliebter. Öffentlich hatte er vor vier Monaten groß angekündigt, er werde der Polizei bei den Ermittlungen zum von Jeffrey Epstein inszenierten mutmaßlichen Menschenhandel helfen. Doch das hat er bislang nicht getan. Die US-Ermittler in New York sind mittlerweile richtig wütend. Prinz Andrew habe "die Tür vollständig geschlossen", zitiert CNN Geoffrey Berman, Staatsanwalt von Manhattan. Sein Büro prüfe nun "seine Optionen".

Der Prinz war ein langjähriger Freund des US-Geschäftsmannes, der sich in Untersuchungshaft das Leben genommen hat. Epstein wird vorgeworfen, Dutzende Minderjährige missbraucht und zur Prostitution gezwungen zu haben.

Prinz Andrew steht wegen dieser Freundschaft unter starkem öffentlichen Druck. Im Zuge der Ermittlungen wurde auch er wegen sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Das mutmaßliche Opfer, Virginia Giuffre, gibt an, als 17-Jährige von dem Sohn der Queen missbraucht worden zu sein. Er ist allerdings nicht angeklagt, sondern soll nur als Zeuge aussagen.

Andrew bestreitet die Vorwürfe. In einem Interview mit der BBC hatte er im November gesagt, diese Vorfälle seien "nie passiert". Er könne sich nicht daran erinnern, "diese Dame jemals getroffen zu haben". Das Interview sollte die Spekulationen um seine Freundschaft mit Epstein eigentlich beenden. Doch die Strategie ging nicht auf. Unter anderem wurde der Prinz dafür kritisiert, keine Empathie für die Opfer von Epstein gezeigt zu haben. Er trat daraufhin von seinen königlichen Aufgaben zurück und teilte mit: "Natürlich bin ich bereit, wenn gewünscht, den Strafverfolgungsbehörden bei ihren Ermittlungen zu helfen."

Bereits Ende Januar hießt es, Prinz Andrew habe vom FBI eine Vorladung zur Befragung erhalten. Auf diese soll er nicht reagiert haben, sagte Staatsanwalt Berman damals. Der Buckingham-Palast hält sich mit Stellungnahmen zu dem Fall bislang zurück. Ein Sprecher sagte dem britischen Guardian lediglich: "Das Problem wird vom Anwaltsteam des Herzogs von York behandelt." Einem Bericht des Telegraph zufolge soll zu dem Team Clare Montgomery gehören. Sie gilt als führende britische Expertin im Auslieferungsrecht. Zu ihren Klienten zählte unter anderem Chiles früherer Diktator Augusto Pinochet. Der Buckingham-Palast wollte den Bericht nicht kommentieren.

© SZ/lot
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