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Diskussion in Berlin:Verständnis für die Entscheidung des Moschee-Vorstands

Bernhard Heider äußert sogar Verständnis für die Entscheidung des Moschee-Vorstands. Die vielen Anmeldungen, die aufgeladene Berichterstattung - das sei einigen Gemeindemitgliedern zu heikel geworden. "Eine Moschee ist immerhin ein Gotteshaus, vielleicht sollte man das einfach respektieren." Der Lesben- und Schwulenverband, ursprünglich mit von der Partie, hat den Ortswechsel hingegen boykottiert und im Vorfeld als "Alibi-Veranstaltung" kritisiert.

Jenseits des Streits will die Runde klären: Wie hält es der Islam mit der Homosexualität? Die Antworten auf diese Frage bleiben diffus. Ender Çetin sagt, Homosexualität werde im Koran kaum erwähnt. Muslimische Rechtsschulen seien sich aber weitgehend einig, dass praktizierte Homosexualität verboten sei. Verboten ist aus seiner Sicht allerdings auch, Schwule oder Lesben zu diskriminieren oder zu beleidigen. Çetin betont: Man müsse unterscheiden zwischen dem Akt und der Person.

Für Daniel Worat ist das ein Knackpunkt, er ist nicht zufrieden: "Das ist für mich ein schweres Brot. Festzuhalten bleibt, dass ich ein verbotenes Leben lebe oder ein sündiger Mensch bin." Er verweist darauf, dass das Homosexualitätstabu weniger aus dem Koran, sondern vielmehr aus der Hadithe und ihrer Auslegung komme. Er sehe da Interpretationsspielraum: "Ich denke, da kann man noch ein paar Schrauben stellen."

Auch schmerzhafte Themen werden angesprochen

Die Diskussion mäandert. Mal geht es um das Homosexualitätstabu, mal geht es um Integration, die Situation von Frauen mit Kopftuch - Pınar Çetin trägt es - und die Frage, wie tolerant denn die deutsche Mehrheitsgesellschaft oder andere Konfessionen sind. Barbara John hält als Christin den Verstoß gegen Verbote für etwas, das man in der eigenen Beziehung zu Gott ausmachen solle. Der Weg zu einer Annäherung sei lang: "Wenn auf diesem Weg einmal Konflikte ausbrechen, dann muss man versuchen, sie so zu lösen, wie wir sie hier zu lösen versuchen."

Sabine Werth plädiert dafür, die eigene Haltung und das gesellschaftliche Miteinander immer wieder zu hinterfragen. Auf eine Zuschauerfrage hin geht es auch um muslimische Homosexuelle, die es in ihrer Zerrissenheit besonders schwer hätten, Ansprechpartner zu finden. Kurz: Es werden alle möglichen Themen angestochen, auch schmerzhafte, ohne dass es zu einem Ergebnis oder gar einem Konsens kommt.

Immerhin wird geredet. Das Ganze sei schließlich ein Prozess, sagt Ender Çetin. "Der gut ausgeht, inschallah."