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Diktator-Aufdruck:Staatsschutz ermittelt wegen Hitler-Tassen

Die Hitler-Tassen sind längst aus den Regalen des Bielefelder Möbelhauses entfernt, doch der Fall ist nicht ausgestanden. Jetzt ermittelt der Staatsschutz - und auch das Haus der Geschichte in Bonn zeigt Interesse.

Diktatoren-Konterfei zum Kaffee am Morgen - die Geschichte der mit Rosen und einem Hitler-Bild verzierten Tassen aus China, die ein Möbelhaus in Ostwestfalen verkauft hatte, ist noch nicht zu Ende. Jetzt hat sich der Staatsschutz eingeschaltet. Aber das ist noch nicht genug: Auch das Haus der Geschichte in Bonn interessiert sich für das eigentlich recht kitschig anmutende Geschirr.

"Der Fall zeigt ein interessantes Phänomen", sagt Museumssprecher Peter Hoffmann. "Wir beobachten hier die Verwicklungen einer globalisierten Welt. Eine Tasse wird in China gestaltet und produziert, findet ihren Weg nach Deutschland und löst plötzlich Chaos aus."

Mitarbeiter des Möbelhauses Zurbrüggen in Bielefeld hatten den Aufdruck auf einer Einkaufsmesse in China wohl übersehen, 5000 Stück bestellt und für zwei Euro in die Regale gestellt. "Vielleicht wurde die Briefmarke aber auch erst später aufgedruckt", sagt Mitinhaber Christian Zurbrüggen. So oder so - 175 Exemplare wanderten bei dem Möbelhaus bereits über die Ladentheke. Zurbrüggen glaubt, dass der Designer offenbar großen Nachholbedarf in Sachen Weltgeschichte hat: "Ich gehe stark davon aus, dass ihm Adolf Hitler überhaupt kein Begriff ist", sagte er der Bielefelder Zeitung Neue Westfälische.

"Tatbestand der Verbreitung erfüllt"

Trotzdem ermittelt jetzt der Staatsschutz. Er geht um den Anfangsverdacht der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationenen. Die Zuständigkeit liegt bei der Staatsanwaltschaft Dortmund. Laut Paragraf 86a des Strafgesetzbuches gelten in Deutschland entsprechende Fahnen, Abzeichen, Uniformstücke, Parolen und Grußformen als Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Die Tassen zeigen eine verblasste schwarz-weiße 30-Pfenning-Briefmarke aus dem Dritten Reich mit dem Porträt Adolf Hitlers, inklusive Poststempel mit Hakenkreuz.

"Die Verbreitung und öffentliche Verwendung des Hakenkreuzes und Bildes von Adolf Hitler sind strafbar", erklärt die Dortmunder Oberstaatsanwältin Barbara Vogelsang. "Damit, dass die Exemplare in den Regalen des Geschäftes standen, war der Tatbestand der Verbreitung erfüllt." Nun gehe es aber erst einmal darum, zu prüfen, ob Absicht dahinter steckte und Zurbrüggen frühzeitig von dem verbotenen Konterfei wusste.

Anzunehmen ist das nicht. Christian Zurbrüggen, der fünf Möbelhäuser in NRW betreibt, ließ die Tassen sofort aus dem Sortiment entfernen und vernichten. "Der Imageschaden, der dadurch entsteht, ist natürlich größer als der wirtschaftliche Verlust. Wir helfen der Polizei so gut es geht bei den Ermittlungen", versichert er. Wer eine der 175 bereits verkauften Kaffeebecher zurückbringt, bekommt 20 Euro. Bisher habe immerhin ein Kunde zwei Exemplare der Hitler-Tassen zurückgegeben, Zurbrüggen rechnet mit weiteren.

"Erst einmal den Ball flach halten"

Dass der Diktator auf der Tasse so lange unbemerkt blieb und erst kürzlich von einer Frau aus Herford identifiziert wurde, wirft Fragen auf. Vielleicht ist das Bild tatsächlich niemandem aufgefallen. "Dahinter könnte aber auch Faszination und ein sorgloser Umgang mit der deutschen Vergangenheit stecken", sagt Peter Hoffmann vom Haus der Geschichte.

Das Museum versucht nun, an eine der Tassen heranzukommen. Zunächst würde es diese aber in seiner Sammlung unterbringen. "Erst einmal den Ball flach halten", sagt Hoffmann. "Bis auf Weiteres würden wir die Tasse nicht ausstellen. Aber sie dokumentieren ein wichtiges Phänomen der Zeitgeschichte."

Mit Material der dpa.