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Coronavirus:Was Sie zur Maskenpflicht wissen müssen

Coronavirus - Maskenpflicht

Über den Augen, unter der Nase, auf der Stirn: Politiker im Kampf mit der Maske. Armin Laschet (unten Mitte) trägt sie falsch, da er nicht die Nase bedeckt.

(Foto: Dpa/dpa)

FFP-Maske oder Schal? Nach dem Tragen desinfizieren oder wegwerfen? Rund um die Mund-Nasen-Abdeckpflicht gibt es viele Fragen. Hier die Antworten - nach aktuellem Wissensstand.

Wo gilt die Maskenpflicht?

Die Bundesregierung hatte in der vergangenen Woche nur die dringende Empfehlung ausgesprochen, den Bundesländern ging das aber nicht weit genug: Mittlerweile haben sämtliche Länder eine Maskenpflicht eingeführt. Die Regelungen der einzelnen Bundesländer unterscheiden sich etwas. Aber ohne Mund-Nasen-Maske oder zumindest einen Schal darf man spätestens seit Mittwoch (29. April) nicht mehr Bus und Bahn fahren oder in den meisten Bundesländern auch nicht mehr zum Einkaufen gehen.

Wie lange die Maskenpflicht dauern wird, ist noch unklar. "Man sollte sich darauf einrichten, dass es eine Weile geht", sagte etwa Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), Auch Nierdersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) glaubt, dass die Maßnahme wahrscheinlich mehrere Wochen und Monate als Teil des Hygiene-Pakets gegen das Coronavirus Bestand haben werde.

Wird kontrolliert, ob die Maskenpflicht eingehalten wird - und droht ein Bußgeld?

Die Regelungen sind in den einzelnen Bundesländern noch unterschiedlich. In Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Schleswig-Hostein werden derzeit noch keine Bußgelder fällig, allerdings kann der Eintritt in den Laden verwehrt werden.

In Baden-Württemberg lässt man den Bürgern noch Zeit zum Eingewöhnen: Erst von 4. Mai an droht ein Bußgeld. Wie die Südwestpresse berichtet, wird das Personal aufgrund begrenzter Kapazitäten jedoch vorerst keine Kontrollen durchführen. Man setzt hier auf Durchsagen, Plakate - und die Eigenverantwortung der Fahrgäste.

In Bayern ist man da strenger. Laut Staatskanzleichef Florian Herrmann werden sowohl Polizei als auch das Personal in Bussen und Bahnen die Einhaltung der Maskenpflicht kontrollieren. Wer sich nicht daran hält, der muss ein Bußgeld von 150 Euro zahlen.

Im Einzelhandel werden die Geschäfte die Kontrolle selbst übernehmen und ihre Kunden bei entsprechenden Einlasskontrollen am Eingang auf die Maskenpflicht hinweisen. Bei Nichteinhaltung droht das Bußgeld nicht immer dem Kunden: In Hamburg müssen Geschäftsinhaber Bußgelder in Höhe von 500 bis 1000 Euro zahlen, wenn Kunden ohne Maske im Laden unterwegs sind, heißt es auf der Webseite der Landesregierung.

Welcher Mundschutz wird gegen das Coronavirus empfohlen?

Für die Empfehlung von Bund und Ländern reichen alle Masken, die Mund und Nase bedecken. Auch ein einfacher Mundschutz wie selbst genähte Stoffmasken oder Schals sind somit ausreichend. Zertifizierte FFP-Masken oder OP-Masken sind nicht nötig und sollen dem Personal in Pflege- und Gesundheitseinrichtungen vorbehalten bleiben.

Wie trage ich einen Mundschutz richtig?

Vorweg: Da es sich nicht vermeiden lässt, sich vor dem Aufsetzen der Maske ins Gesicht zu fassen, sollten die Hände vorher gründlich mit Seife oder Desinfektionsmittel gereinigt werden. Während die Maske im Gesicht sitzt, sollte man sie möglichst nicht berühren. Falls dies passiert, Hände waschen oder desinfizieren, da sich an der Maske möglicherweise Erreger sammeln.

Eine Maske muss Mund und Nase bedecken, übers Kinn gezogen und eng angepasst werden, sodass keine Lücken zwischen Gesicht und Maske bleiben. Bei Masken mit Nasendraht ist das einfacher, da sie sich an die Gesichtsform anpassen, indem man den oberen Rand behutsam gegen Nase und Wangen drückt.

Masken mit Falten werden so getragen, dass die Faltenrücken nach unten zeigen, empfiehlt das Portal #MaskeZeigen. So sammeln sich weniger Pollen und Staubpartikel darin.

Wie gut schützen einfache OP-Masken?

Der auch als chirurgische Maske bezeichnete Mund-Nasen-Schutz wird in Krankenhäusern und Arztpraxen verwendet. Er besteht aus mehreren Lagen Papier und Vlies, wird hinter den Ohren fixiert und wurden konzipiert, um den Patienten während des Eingriffs vor Erregern und Sekrettröpfchen schützen. Diese Masken halten zwar auch größere Partikel und Flüssigkeit vom Träger ab, verfügen aber nicht über geeignete Filter, um vor Viren zu schützen. Der Schutz vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 ist daher gering. Diese Masken sollten nur ein Mal getragen werden. In Ausnahmefällen, etwa bei Ausstattungsengpässen, kann eine Maske - unter Berücksichtigung bestimmter Vorsichtsmaßnahmen - auch getrocknet und wieder benutzt werden.

Welchen Schutz bieten Tücher, Schals oder selbst genähte Masken?

Solche Stoffe können ebenfalls einen gewissen Schutz bieten. Sie stellen eine Barriere dar, die verhindert, dass eigene Sekrettröpfchen mit Wucht in die Umgebung geschleudert werden. Auch Erreger von außen gelangen auf diese Weise nicht ungehindert in Mund und Nase. Einen sicheren Schutz vor Ansteckung bieten diese Masken allerdings nicht.

Warum sollte man dennoch eine einfache Maske tragen?

Lange empfahlen Gesundheitsexperten Masken nur für Personal in Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Das Robert-Koch-Institut und die WHO gaben zu bedenken, das kollektive Tragen von Masken könne womöglich ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen und dazu führen, "dass die Abstandsregel nicht mehr eingehalten oder die Handhygiene nicht mehr umgesetzt wird".

Inzwischen haben sich die Gesundheitsexperten jedoch darauf verständigt, dass Masken auf jeden Fall die Infektionsgefahr verringern - und zwar für andere Menschen, weil dadurch Tröpfchen beim Sprechen, Niesen oder Husten aufgefangen werden.

Beim Niesen oder Husten, ohne dass die Ellenbeuge vor den Mund gehalten wird, können Tröpfchen mit 180 Kilometer pro Stunde in die Umgebung geprustet werden und weiter fliegen als den Mindestabstand von zwei Metern. Auch wer sich eine einfache Maske umbindet, verhindert damit, dass sich die Viren ungebremst weiterverbreiten.

Was versteht man unter FFP-Masken und welche Eigenschaften haben sie?

Die sogenannten "filtrierenden Halbmasken" verringern den Anteil infektiöser Tröpfchen in der eingeatmeten Luft. FFP steht für "Filtering Face Piece", es gibt sie in drei Filterklassen: FFP, FFP2 und FFP3,. Sie gelten als medizinischer Standard für die Behandlung von Covid-19-Patienten und halten Viren und andere Erreger oder Schadstoffe ab.

Dabei gilt es zu unterscheiden zwischen FFP-Masken ohne Ausatemventil und solchen mit Ausatemventil. Wie das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit Hinweis auf die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (baua) auf seiner Homepage erklärt, filtern nur die Masken ohne Ventil sowohl die eingeatmete als auch die ausgeatmete Luft und bieten daher sowohl einen Eigenschutz als auch einen Fremdschutz. Masken mit Ventil sind demnach nicht für den Fremdschutz ausgelegt. Sie filtern nur die eingeatmete Luft und sind für riskante medizinische Arbeitssituationen konzipiert. Es gibt sie in drei Filterklassen: FFP, FFP2 und FFP3, die sogar vor krebserregenden oder radioaktiven Partikeln schützt.

Weil der Filter sehr dicht ist, fällt das Atmen jedoch schwer, daher kann sie nur für kurze Zeit getragen werden und ist für Asthmatiker, Menschen mit chronischer Lungenerkrankung oder auch Panikpatienten nicht geeignet. FFP-Masken sollten aber ohnehin Klinik- und Pflegepersonal vorbehalten sein.

Was, wenn ich Atemnot bekomme oder aus anderen Gründen keine Maske tragen kann?

Personen, die leicht Atemnot oder Panikgefühle entwickeln, können beim Aufsetzen eines Mund-Nasenschutzes Probleme bekommen, selbst bei Masken aus dünnem Material. In einigen Bundesländern wie Hessen und Niedersachsen sind Menschen, die aufgrund medizinischer oder psychischer Beeinträchtigung nicht in der Lage sind, eine Mund-Nasen-Abdeckung zu tragen und dies entsprechend durch eine ärztliche Bescheinigung nachweisen können, von der Maskenpflicht befreit.

Eine offizielle Erklärung dazu gibt es bisher nicht. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) hat sich zur Klärung an ärztliche Fachgesellschaften und Verbände sowie das Robert-Koch-Institut gewandt, um zeitnah eine Einschätzung zu erhalten.

Sollen Kinder auch Masken tragen?

Auch hier sind die Regeln in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich - schon deshalb, weil sich nicht alle Landesregierungen dazu äußern. Sachsen etwa bleibt vage: "Kinder müssen nur dann eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen, wenn sie dazu in der Lage sind", heißt es online. In Sachsen-Anhalt wird die Maskenpflicht für Kinder empfohlen, aber nicht fest vorgeschrieben.

In Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Schleswig-Holstein sind Kinder unter sechs Jahren von der Maskenpflicht befreit. Auch Schüler, die seit Montag wieder in die Schule gehen, sind davon ausgenommen.

Experten raten, bei Kindern bis zum Vorschulalter auf Masken zu verzichten und lieber auf entsprechende Hygiene zu achten, vor allem regelmäßiges Händewaschen und entsprechenden Abstand.

Wie verhindere ich, dass die Brille beschlägt?

In Stoffmasken lassen sich Nasendrähte in den oberen Rand einnähen, dazu eignen sich zum Beispiel die Metallstreifen von Aktenordern oder Gartendraht. So lässt sich der Saum besser ans Gesicht drücken und die Lücke schließen, aus der die warme Atemluft sonst entströmt.

Wo kann man einen Mundschutz kaufen?

In Apotheken oder im Sanitätsfachhandel sind die Masken wegen der hohen Nachfrage häufig ausverkauft, doch die meisten Läden werden fast täglich beliefert, und man kann sich auf eine Warteliste setzen lassen. Einige professionelle Anbieter im Internet nutzen den Mangel für überhöhte Preise. Wie Gesundheitsminister Jens Spahn kürzlich erklärte, hätten Masken vor der Krise zwischen sechs und 17 Cent das Stück gekostet. Inzwischen bezahlen Kunden zwischen fünf und zehn Euro. Viele Apotheken lassen mittlerweile - neben ihrem Angebot an Einwegmodellen - auch Masken nähen.

Viele Schneidereien bieten selbst genähte Masken direkt an, vor allem auf eigenen Blogs oder über entsprechende Initiativen im Netz.

Demnächst könnten Supermärkte und Discounter bezahlbare Masken in ihr Sortiment aufnehmen. Wie die Morgenpost berichtet, soll Real in Kürze Fünfer-Sets mit Textilmasken anbieten, auch Aldi, Rewe und Kaufland prüfen demnach einen Verkauf. In Drogeriemärkten wird man nur zum Teil fündig: So haben Rossmann und dm-Markt keine Nachlieferungen geplant, dafür verkauft Müller bereits seit Wochen FFP- und Stoff-Modelle.

Kann man einen Mundschutz selbst anfertigen?

Wer Stoffreste und eine Nähmaschine zu Hause hat, kann sich den Mundschutz selbst nähen. Das geht auch für Ungeübte meist schneller, als auf die nächste Lieferung der Apotheke zu warten. Eine Anleitung samt Schnittmuster gibt es auch hier bei sueddeutsche.de.

Aus welchem Stoff nähe ich einen Mundschutz selbst?

Dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zufolge sollte der Stoff möglichst eng gewebt sein. Am besten eignet sich Baumwolle, möglichst hell, damit man die Maske später heiß genug waschen kann. Bei mehrlagigen Modellen empfiehlt sich für die Innenseite das etwas feinere Batist oder weiches Molton. Eine zusätzliche Filtermöglichkeit entsteht, wenn man einen Zwischenraum frei lässt für eine austauschbare Vlies- oder Papiereinlage.

Kann man einen Mundschutz ohne Nähmaschine herstellen?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, sich eine Maske ohne Nähmaschine - ja, sogar ohne Nähen - anzufertigen. Ideen findet man dazu genügend im Internet, unter anderem bei Youtube. Zum Beispiel zeigt ein Video, wie man eine Maske aus einem Stück Stoff und zwei Gummiringen bastelt. Ein anderes mit Küchenpapier, Taschentuch, einem Stück Draht und Klebeband. Oder dieses clevere One-Piece-Modell, geschnitten aus einem einzigen Stück dehnbarem Stoff - ohne Gummiband, Nadel oder Faden.

Wie lange kann man die Maske aufbehalten?

Sobald die Maske durchfeuchtet ist, sollte sie gewechselt werden. Sonst schützt man sich nicht, sondern verschlimmert das Problem. Klinikmitarbeiter tragen die OP-Masken daher längstens für eine Schicht, also sechs bis acht Stunden. Beim Ausziehen sollte darauf geachtet werden, dass das Sekret - also die aufgefangenen Tröpfchen - nicht über die Hände verteilt wird. Deshalb sollte man sie hinten an den Bändern lösen, auf keinen Fall vorne am Schutzvlies anfassen. Für Einwegmasken gilt: Nach dem Tragen in einem Mülleimer mit Deckel entsorgen. Hände gründlich mit Seife reinigen.

Kann man Masken wiederverwenden?

Stoffmasken lassen sich mehrmals benutzen, aber nur bei korrekter Handhabung - andernfalls steigt das Infektionsrisiko, statt zu sinken. Der Mund-Nasen-Schutz darf nur von derselben Person getragen werden. Die Maske muss zwischendurch an trockener Luft lagern. Zudem muss darauf geachtet werden, dass keine Erreger von der womöglich kontaminierten Außenfläche auf die Innenseite gelangen. Das Ab- und Wiederaufsetzen muss mit sauberen, desinfizierten Händen erfolgen.

OP-Masken sollten nur ein Mal getragen werden. In Ausnahmefällen, etwa bei Ausstattungsengpässen, empfiehlt das Schweizer Zentrum für Infektionsprävention Swissco, die chirurgische Maske - unter Berücksichtigung entsprechender Vorsichtsmaßnahmen - in einem geeigneten Lagerraum zum Trocknen aufzuhängen, um sie erneut zu benutzen.

Wie reinige ich einen Mundschutz richtig?

Stoffmasken sollten nach dem Tragen möglichst sofort gereinigt werden. Idealerweise bei 95 Grad, mindestens aber bei 60 Grad gewaschen und anschließend vollständig getrocknet werden, empfiehlt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Vorsichtig sollte man sein bei Masken mit Nasenbügel aus Metall: Sie dürfen keinesfalls in die Mikrowelle, da die Maske oder das Gerät durch Funkenschlag Feuer fangen können. Auch Bügeln bei hohen Temperaturen tötet die Coronaviren. Ökotest.de empfiehtl: "Bügeln Sie die Stoffmaske sorgfältig und erhitzen Sie dabei auch die Falten stark und lange."

Das Reinigen im Backofen wird nur noch eingeschränkt empfohlen, weil die Brandgefahr recht hoch ist. OP-Masken sollten nicht mit Desinfektionsmittel gereinigt werden, weil das ihre Funktion beeinträchtigen kann. FFP-Masken, wie sie medizinisches Personal nutzt, verträgt übrigens nichts dergleichen: Der integrierte Filter würde durch solche Reinigungsverfahren beschädigt.

Wir sind bemüht, diesen Text so aktuell wie möglich zu halten, wir recherchieren die Faktenlage und überarbeiten die Informationen permanent. Dennoch kann es passieren, dass sich der Stand der Dinge ändert, bevor wir reagieren können. Bitte schreiben Sie uns, wenn Ihnen dergleichen auffällt.

© SZ/lot
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Ab kommenden Montag ist sie Pflicht: die Maske. Doch was ist eigentlich ein angemessener Preis dafür? Über einen neuen Markt, den kaum einer durchblickt - und an dem sich manche bereichern.

Von Valentin Dornis, Elisabeth Dostert, Christina Kunkel, Stefan Mayr und Meike Schreiber

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